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Dachstock-Stadion: Against Me!

Gisela Feuz am Freitag den 13. Juni 2014

«Never quite the woman that she wanted to be» Es sind nicht alltägliche Themen, welche Laura Jane Grace, Frontfrau der amerikanischen Punk-Band Against Me!, in ihren Texten abhandelt. Die 34-Jährige war noch bis vor zwei Jahr als Thomas James Gabel bekannt, bevor sie ihre Transsexualität an die Öffentlichkeit trug und von da an als Frau lebte. Auf dem neusten Album von Against Me! namens «Transgender Dysphoria Blues» spielt dieser Gegenstand denn auch eine zentrale Rolle. Zu breite Schultern und zu schmale Hüften würden den Mann verraten, singt Laura etwa und bringt ihre ganze Misere auf den Punkt wenn Sie sagt: «You want them to see you / Like they see any other girl / They just see a faggot / They hold their breath not to catch the sick.» (Das abschätzige «Faggot» lässt sich mit «Tunte» oder «Schwuchtel» übersetzen.)

Gestern Abend gaben Against Me! Im Dachstock der Reitschule ihr einziges Schweizer Konzert und was da auf der Bühne hinter dem Mikrofon stand, war alles andere als tuntig. Ja, die Schultern sind vielleicht ein bisschen breit und ja, die tätowierten Arme vielleicht ein bisschen kräftig für eine Eva, aber was solls. Von Interesse war vielmehr die gesangliche Leistung der Dame und die war fürwahr phänomenal. Mal glockenhell dann wieder aggressiv, kräftig und angekratzt klang sie, diese unverkennbare Stimme, die das Markenzeichen des Against Me!-Sounds ist. Und wenn diese Stimme erklingt, ist es einem nun wirklich komplett wurscht, ob an diesem Organ Brüste dran sind oder nicht.

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Against Me! wird oft als Punkband bezeichnet, die nicht nach Punk klingt. Tatsächlich ist der treibende und melodiöse Gitarrensound nicht in der rotzigen Ecke zu verorten, sondern eher eingängiger Natur. «College-Punk sei das», monierte eine anwesende Dame und fürwahr bewegen sich Against Me! manchmal gefährlich nahe an mainstreamiger Geschliffenheit. Dem vorwiegend jungen und männlichen Publikum gefiels aber offensichtlich und selbst die Schreibern ertappte sich dabei, wie sie plötzlich bei einem der hymnenhaften, mehrstimmigen Gesängen lauthals mitsang. Offenbar schlummert in jedem von uns ein kleiner Stadionrocker. Oder eine kleine Stadionrockerin.

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