Logo

Drogen waren gestern – Mathon ist heute

Gisela Feuz am Donnerstag den 5. Juni 2014

Dieses Mathon – ein kleines Bündner Bergdorf auf 1520 Metern mit 48 Einwohnern – ist inmitten imposanter Berglandschaft fürwahr ein einigermassen verlorener Ort. Genau solche verlorene Orte dienen den anderen Mathon – den drei Bernern, die gerne elektronische Ambiente-Landschaften kreieren – als Inspirationsquelle für ihr neustes, sechstes Album «Lieus Pers». Eine Steilvorlage lieferten dabei Werke aus der Serie «Lost Places» von Stefan Flükiger. Der Berner Fotograf hat sich darin verlassenen Industriearealen und unterirdischen Bauwerken angenommen, die von der Natur nach und nach zurückerobert werden. Diese menschenleeren Industrielandschaften wurden mit Naturbildern aus dem Doleschg, der Region also, wo in deren Nähe Mathon liegt, überlagert. So entstanden digital verfremdete Fotografien; bizarre schon fast mythische Hybride aus Organischem und Technischem.

gurtenbrauerei

Für Ihre neusten Klangforschungen haben sich die Mathon-Männer an diejenigen verlorenen, verschütteten oder mittlerweile verschwundenen Orte begeben, die als Grundlage für die Fotos dienten. Insgesamt 12 ambiente Soundscapes sind entstanden, die nun auf vier LPs unter dem Namen «Lieus Pers» (Rumantsch für «verlorene Orte») herausgegeben wurden. Im Doppelalbum enthalten sind auch neun von Flükigers Hybrid-Bildern in LP-Format, wobei angegeben wurde, welcher Titel zu welchem Bild bzw. Ort entstanden ist. Mathon verknüpfen also auf «Lieus Pers» Flükigers eigentümliche Industrielandschaften mit Klang, ja transkribieren Raum in Klang und schlagen dabei eine Brücke zwischen Natur und Technik.

Entsprechend wird der apokalyptisch anmutende Gurtenbrauerei-Märchenwald (Bild) mit dem Klangstück «Chapir» komplettiert: Ein zartes elektronisches Zirpen, ein scheuer Beat, klare aber doch dezente Keyboard-Klänge erweitern durch ihre repetitive Art das Sphärenhafte und eine bis zur Unkenntlichkeit verfremdete Stimme wirft Wortfetzen ein. Stimmig ist das. Genau so muss es klingen, in dieser verwunschenen Welt, in der nur noch ein paar Ruinen übrig sind, die nach und nach mit der rückerobernden Natur verschmelzen.

Funktionieren tun Mathons Reisen im Übrigen auch tadellos ohne visuelle Vorlage. Gibt man sich nämlich ganz den Klängen hin und lässt das innere Auge reisen, lässt sich das ganze Universum ausloten: Mal wähnt man sich tief in der tiefsten Tiefsee, steht dann vor monumentalen, kargen Felswänden, die schwarz ins Jenseits ragen und von zarten Nebelschwaden umhüllt werden, paddelt sanft über ein wobberndes Meer aus Frequenzen oder glaubt die Einsamkeit des letzten Astronauten zu spüren, der auf seiner Raumstation Signale in eine vollkommen verlassene Galaxie aussendet. Drogen waren gestern, Mathon ist heute.

Mathon taufen «Lieus Pers» heute Abend im Rössli der Reitschule, Türe 21 Uhr.

« Zur Übersicht

3 Kommentare zu “Drogen waren gestern – Mathon ist heute”

  1. Svon Hetz sagt:

    *flüster* Frau Feuz, dieses Mathon liegt im Fall im Schams und nicht im Domleschg. Aber klar, Hauptsache Italien.

  2. Frau Feuz sagt:

    Ou tami. Und dann hat er auch noch recht der Hetz.
    Italien? Also das Königreich grad neben der Türkei?

  3. Shearer sagt:

    Danke für die Links, Frau Feuz. Wenn auch zuviel HDR in den Fotos, jetzt so für meinen schlechten Geschmack.