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«Mit dieser Stimme möchte ich Liebe machen»

Gisela Feuz am Montag den 19. Mai 2014

«Mit dieser Stimme möchte ich Liebe machen, bis sie heiser ist.» So lautete das Fazit einer anwesenden Dame nach dem Konzert von Triggerfinger im ISC. Bloss benützte sie anstatt «Liebe machen» einen etwas kruderen Ausdruck, der mit V beginnt, grundsätzlich aber die gleiche Art von Aktivität beschreibt. Es war fürwahr einmal mehr eindrücklich, wie dieser Ruben Block, Frontmann des belgischen Trios Triggerfinger, mit seiner eigentlich tiefen, sonoren Stimme ohne Mühe selbst die höchsten Tönen traf und das, obwohl die Nacht vorher gemäss eigenen Aussagen lang und alkoholgeschwängert gewesen sei.

triggerfinger

Triggerfinger bespielen ja mittlerweile die grossen Bühnen und sind im Normalfall kaum mehr in einem Konzertlokal zu sehen, das gerade mal 250 Gäste fasst. Möglich gemacht hat die intime Triggerfinger-Show Frank Lenggenhager, denn dieser feierte den 10. Geburtstag seiner Promotionsagentur Lautstark und da die Belgier langjährige Lautstark-Kunden sind, liessen sie es sich nicht nehmen, eine ordentliche Rock’n’Roll-Geburtstagsshow hinzulegen. Dabei fühlte sich das Trio offensichtlich pudelwohl: «We are happy to be back in this cosy club», erklärte Frontmann Ruben Block, um dann auch gleich die Vorzüge von ISC-Socken zu loben. Überhaupt sind sie äusserst sympathisch, die drei Herren und fürwahr frappante Charaktere: Bassist Paul Van Bruystegem könnte auf der Stelle in einem Sonntagabend-Krimi mittun (nein, nicht als Polizist), Schlagzeuger Mario Goossens Jackett , das er während der ganzen schweisstreibenden Show und ausufernden Schlagzeug-Soli nicht ablegte (Respekt!), würde sich farblich auch prima als Sofabezug eignen und Sexbombe Ruben Block versetzte nicht nur mit seinem Gesang und Aussehen die Damenwelt in Aufruhr, sondern sorgte auch mit seinen unverschämten Hüftschwüngen für gut durchblutete Ohren.

Musikalisch sind Triggerfinger dann am besten, wenn sie ihre schweren, schleppenden Stoner-Rock-Riffs auspacken und diese kontinuierlich und dynamisch bis zur Ekstase steigern. Das kollektive Abnicken der Stromgitarren-Gemeinde verdeutlichte denn auch, dass man mit dieser Art der Handwerks-Verrichtung mehr als einverstanden war. Auf das unsägliche Lykke Li-Cover «I Follow Rivers», welches Triggerfinger über den alternativen Zirkel hinaus bekannt gemacht hat, hatte dann andererseits nun wirklich niemand gewartet. Aber selbst das vergab man den drei Charme-Boliden aus Antwerpen. Wie könnte man auch anders.

Mehr zu Frank Lenggenhager und dessen Promotionsagentur Lautstark findet sich in der heutigen Ausgabe von «Der Bund», S. 18.

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Ein Kommentar zu “«Mit dieser Stimme möchte ich Liebe machen»”

  1. Gubor Fröhlich sagt:

    Natürlich müsste er “I Follow Rivers” nicht mehr anstimmen, aber mit dem “Jeanny” Schluss war das dann doch sehr Gut gemacht.
    Muss auch geschrieben werden.