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Bizarre Musikgenres Teil 11: Splitter

Gisela Feuz am Dienstag den 8. April 2014

Die Welt der Musikgenres ist eine vielfältige, bunte und manchmal unfreiwillig komische. In dieser Serie sollen Genres zum Zuge kommen, von denen Sie bis anhin vielleicht (zu recht) noch nie gehört haben. Heute: Splitter.

Innerhalb der Gattung Speedcore – also der extrem schnellen Variante von Hardcore Techno – wird Splitter als die schnellste Variante überhaupt gehandelt, ist also quasi der Usain Bolt des Techno. Anfang der 90er-Jahre wurde im Bereich der Techno-Musik viel ausprobiert, alles war neu und entsprechend ungezwungen ging man an Experimente heran. Im damaligen Untergrund gab es auch die Speedfreaks, denen es nicht schnell genug sein konnte und die sich im aufstrebenden Internet zusammentaten und austauschten, wobei die Speedcore-Szene vor allem ein europäisches Phänomen war und blieb.

Der Ursprung dieser schnellstmöglichen Version von Techno liegt in der Benutzung von Drumcomputern und Perkussionssampels; aufkommende Computerprogramme wie «Tracker» unterstützen und vereinfachten die Bearbeitung. Bald einmal gab es in Bezug auf die Geschwindigkeit keine Obergrenze mehr, so erreichen die schnellsten Splitter-Stücke aberwitzigen 15’000 BPM. Grundsätzlich wird ab 600 BPM, also 10 Beats pro Sekunde, von Splitter gesprochen. Oft sind die Beats dermassen schnell, dass die ursprünglichen Bässe nach anderen homogenen Geräuschen zu klingen beginnen. Entsprechend steht bei Splitter auch nicht der einzelne Beat, sondern der Gesamtklang im Vordergrund. In Passagen mit vielen hohen Frequenzen klingt dies zum Teil wie zersplitterndes Glas – von da hat diese Stilrichtung auch ihren Namen. Nun aber Video ab. Und falls Sie sich gerade zum Tanzen animiert fühlen sollten, werte Leser und Leserinnen: Man muss also nicht zwingend jeden Takt einhalten, jeder 139. reicht auch.

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3 Kommentare zu “Bizarre Musikgenres Teil 11: Splitter”

  1. Alfred Neumann sagt:

    Schöner Bericht, nur sollte dies nicht BPM anstelle von BMP heissen?

  2. Frau Feuz sagt:

    Sie haben selbstverständlich recht, werter Herr Neumann! Wird sofort geändert.
    Danke für die Berichtigung,
    Ihre Frau Legastheni

  3. dan meier sagt:

    Hab mir Ihren Lauschvorschlag ins Ohr geträufelt, schon viele Bs die da verschmelzen. Ich mags ja mehr, wenn das Gewummer noch wahrnehmbar ist, wobei Gabber, Hardcore/-style meist mit einem hymnischen Pathos auftritt, der mir dann auch schnell zu öde wird. Überhaupt sind 200 BPM und drüber etwas heftig für meinen Geschmack. Aber das sind immer noch ein paar hundert BPMs weniger, als Splitter resp. Speedcore. Wie tanzt man stilecht dazu? Auch Jump-Style (was etwas an Volkstanz auf Amphetamin erinnert)? Oder mehr Shuffle?