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Jeans for Jesus im Dachstock

Christian Zellweger am Freitag den 28. Februar 2014

jeans

Da kommt irgendwann irgendetwas ins Rollen, mit einem Video einer Band mit etwas seltsamem Namen, nach der zweiten und dritten Veröffentlichung dann weiss man, dass sie es durchaus ernst meint und bei Erscheinen des Albums ein paar Monate später ist daraus ein veritabler Berner Hype geworden.

Begeistert, fast schon euphorisch wurden Jeans for Jesus in der Musiklandschaft empfangen. Endlich Berner Mundartmusik in modernem Gewand! Die gewaltige Resonanz kam wohl für die Band etwas überraschend: Das Album gibts nicht auf Vinyl, weil die Offerte für die vernünftig scheinende Menge von 50 Stück zu teuer war. Fürs erste Berner Konzert wollte man ins Rössli, nur: Das war schnell ausverkauft. Darum verlegte man den ersten Auftritt als Hauptact vor heimischem Publikum in den Dachstock – und es reichte auch da locker für den Ausverkauf.

Wie das mit der Live-Umsetzung des Albums klappen würde, waren sich die Jeans selbst nicht ganz sicher. Diesen Produzentenpop-Wurf auf die Bühne zu bringen, stellt tatsächlich eigene Herausforderungen. «Live ist Horror», sagten sie im «Sounds» im Schweizer Radio.

Die Erwartungen waren hoch, auch wenn man wusste, dass es erst die vierte Liveaufführung des Studioprojektes sein würde. Und man muss es sagen: Am Ende des Abends machte sich doch leise Enttäuschung breit. Zu viel ging verloren von den brüchigen Feinheiten und der Präzision, die auf dem Album zu hören ist, zu eintönig klang das alles mit der Zeit. Diesen Eindruck konnte auch der Gastauftritt des Rappers Baze nicht mehr auffangen. Symptomatisch, wenn der Text des Hitsongs «Kapitalismus, Kolleg» vom Tablet abgelesen wird.

Man kann der Band nicht vorwerfen, das Publikum nicht gewarnt zu haben. Und in den vorderen Rängen gab es durchaus eine Reihe Menschen, welche der Gruppe einen gebührenden Empfang auf den heimischen Bühnen bereiteten. Die Menschen in den hinteren Reihen hingegen finden auch in Zukunft mehr Gefallen an der Studioversion dieser Mundarterneuerer.

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15 Kommentare zu “Jeans for Jesus im Dachstock”

  1. Ä. Bsuecher sagt:

    Das Ablesen des Textes von “Kapitalisms, Kolleg” war vermutlich zu hundert Prozent ernst gemeint. Da war kein bisschen Ironie zu verspüren. Oder etwa doch?

  2. Miko Hucko sagt:

    ein gif vom gig! hurra!
    ich glaube auch, dass das mit dem Tablet eher ein Statement ist als ein Textproblem.

  3. Fischer sagt:

    giggif yeah!

  4. Pauli sagt:

    Ganz einfach vergeigt. Live sind die flau. So habe ich es gestern erlebt. Natürlich gehöre ich nicht zur richtigen Zielgruppe. Ich hoffte ja nur ganz leise, ich könnte mal dazu gehören werden in Sachen Berner Mundart-Pop.

  5. Herr Zellweger sagt:

    damn:

  6. Fritz sagt:

    ich fands ganz gut!und welche details fehlten, ist mir ein rätsel…klar, das ganze hätte etwas tighter sein können, aber sie haben uns am anfang mitgeteilt, dass sie nervös sind. abgesehen davon: für läppische 17.- kann man gar nichts sagen.symphatischer berner electro-pop!

  7. Ernesto sagt:

    Also ich fands Super!
    das mit dem Tablet war ja wohl klar.. und hey wenn das wirklich erst ihre 4te Show war, Chapeau! Das sollte die berner Musikpolizei auch bedenken. ich denke man kann gespannt sein was da noch kommt..
    ich freue mich

  8. Tim sagt:

    Ich gehörte gestern zu den “Menschen in den hinteren Reihen” und habe etwas Mühe mit Herrn Zellwegers Analyse; ich war begeistert vom Konzert, endlich wiedermal etwas frisches und unverkrampftes aus der schönen Heimatstadt. Diese Einstellung teilten auch meine Gesprächspartner, die das Konzert allesamt aus ebendiesen hinteren Reihen verfolgten. Dass beim vierten Konzert noch nicht alles perfekt funktioniert, ist ja wohl klar.

    Am wenigsten verstehe ich, dass das Ablesen des Texts von Kapitalismus Kolleg vom einem das Tablet, welches doch Sinnbild für ein eigentlich völlig unnötiges Gerät ist, nicht als ironisches Statement, sondern als symptomatisch für eine schlechte Vorbereitung eingestuft wird.

  9. Herr Zellweger sagt:

    Liebe Diskutanten, der Satz mit dem Tablet ist (transparent) gestrichen, da haben sie wohl alle recht, sorry.
    Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Ich mag die Ästhetik der Musik, den Ansatz, Mundartmusik neu zu denken und wie das auf CD rausgekommen ist. Nur von der Live-Umsetzung war ich nicht so begeistert. Aber eben, 4. Konzert, das kommt schon noch.

  10. Slimdeeg sagt:

    Lieber Herr Zellweger,

    Es ist ok einen kritischen Text als Konzert Bericht zu veröffentlichen und seine persönliche Meinung darin erkenntlich zeigen, auch ob ein veritabler Hype in diesem Kontext positiv oder negativ gemeint ist ist dem Leser überlassen. Jedoch im Namen von 800 Besuchern (minus die erste Reihe) zu sprechen geht mir definitiv zu weit. Ausserdem wird mit dieser vernichtender Kritik auch einiges totgeschwiegen was sich gestern Abend im Dachstock abgespielt hat. Nämlich dass dies mehr als nur ein Hype ist, oder können Sie mir einen Berner Act aus den vergangen 10 Jahren nennen, der es geschafft hat, das an seiner Taufe Kids von der ersten bis in die hinteren Reihen alle konstant mitsingen konnten? Oder das die Freude ihr Baby zu taufen weit über den Bühnenrand fühlbar war und alle angesteckt hatte. Schon nur der Gesichtsausdrucks des Drummers über diese 1.5 std war 17.- pro Kopf wert. Ich persönlich habe schon lange nicht mehr so eine Stimmung in einem Konzert Saal erlebt und Ihre geschilderte Enttäuschung war für mich unspührbar.
    Und ja, es ist nicht einfach eine solch komplexe Studio Produktion live umzusetzen, dennoch ist ihnen das meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Das hätte man sich durchaus leichter machen können. Auf der Bühne stand z.B. im ecken ganz rechts ein junger Man der zeitweise 2 Synths gleichzeitig gespielt hat und noch Backingvocals dazu gesungen hat, vor ihm ein erfahrener Gitarrist, der seinen Job sehr gut gemacht hat, die Symbiose zwischen Live drum sounds, und über Pads getrigerten 808s usw. fand ich auch sehr erfrischend und was da sonst noch so technisch alles abgegangen ist auf der Bühne haben ich und Sie beide nicht ganz durchschaut. Das bei einem solch ausgefuchsten Setup nicht konstant alles super tight gespielt ist finde ich überhaupt nicht störend und gehört zum live feel einfach dazu. Jedenfalls war der Sound fett. Es klang verdammt proper.
    Aber Sie haben anscheinend sehr hohe Ansprüche Herr Zellweger, das ist ja schön und gut, doch machen Sie doch das nächste mal lieber eine Umfrage, bevor Sie im Namen aller etwas so grossartiges einfach mal niederbuhen.

    LG Slimdeeg

  11. Dominic meyer sagt:

    Herr zellweger! waren wir gestern am selben Konzert ? kanns mir fast nicht vorstellen.. ich war Im Dachstock.. eher hinten.. Stimmung und Musik Top..

  12. Jeans for Jesus Fan sagt:

    Ich fand den Live-Auftritt im La Catrina hammer, fast noch besser als auf dem Album…

  13. Miko Hucko sagt:

    Jesus, behaltet eure Jeans an – Mr Z hat doch eine differenzierte Kritik geschrieben und nichts niedergebuht? Ich bin grad ein bisschen verrätselt ob all diesen Reaktionen. It’s just a band.

  14. Herr Gnos sagt:

    Interessant, wie sich dieses Muster immer wiederholt: Da wagt einer zu schreiben, dass es ihm nicht so gut gefallen hat, tut dies in anständigem Ton – und wird dann von der Meute in der Luft zerrissen. Ich war nicht am Konzert und kenne auch die Musik nur am Rande, darum muss ich keine Partei für oder gegen die Band ergreifen (das kann ich dann tun, wenn ich mehr davon kenne).

    Jedenfalls ist eines klar: Herr Zellweger hat sich hier überhaupt nicht im Ton vergriffen, höchstens vielleicht da und dort etwas ungeschickt formuliert. Woher dann diese Aggressionen gegen ihn kommen, ist mir ein Rätsel und nur dadurch zu erklären, dass es Leute gibt, die etwas nur geniessen können, wenn niemand anders daran etwas nicht so gut findet.

  15. […] zu sagen gibt's nach diesem und diesem Bericht ja eigentlich nicht mehr, ausser dass kleine Räume dieser Musik wohl eher passen […]