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Bizarre Musikgenres Teil 7: Glitch

Gisela Feuz am Dienstag den 25. Februar 2014

Die Welt der Musikgenres ist eine vielfältige, bunte und manchmal unfreiwillig komische. In dieser Serie sollen Genres zum Zuge kommen, von denen Sie bis anhin vielleicht (zu recht) noch nie gehört haben. Heute: Glitch.

Stellen Sie sich vor, Ihr CD-Player hat einen Aussetzer und kann ihren Lieblingssilberling aus dem Jahr 1989 nicht mehr richtig lesen, versucht es aber immer und immer wieder. «Wfuiiitsch, wfuiiitsch … wfuiiitsch», so klingt das ungefähr. Wenn Sie dieses Geräusch nun aufnehmen und weiterverarbeiten, dann machen Sie Glitch.

Es ist eine Ästhetik der elektronischen Fehlfunktion, welche bei Glitch im Zentrum steht. Dazu werden Geräusche verwendet, welche der Computer oder ein technisches Audiogerät von sich gibt, wenn es mit irgendetwas nicht einverstanden ist. Einige Glitch-Musiker gehen sogar so weit, dass sie elektronische Geräte so lange beschädigen, bis diesen nur noch knapp ein Ton entlockt werden kann. Damit wird dann eine Art Melodie kreiert, die wiederum von anderen Störgeräuschen unterbrochen wird; Brummtöne, Rauschen, Verzerrung, Bit-Rate-Reduktion, Hardware-Geräusche oder Geräusche von Software-Warnungen oder System Errors lassen dabei das Herz jedes Glitchers höher schlagen.

Als selbständige Bewegung lässt sich Glitch erstmal im Deutschland der 90er-Jahre festmachen, allerdings finden sich Ideen zu dieser Fehlfunktion-Ästhetik bereits in «The Art of Noises» aus dem Jahre 1913, dem Manifest des italienischen Futuristen Luigi Russolo zu Noise-Musik.

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Ein Kommentar zu “Bizarre Musikgenres Teil 7: Glitch”

  1. Pete A. sagt:

    Glitch wurde in den 90er Jahre massgeblich durch EIN Label gefördert, das war “Mille Plateaux” u.a. mit seiner Clicks & Cuts-Serie. Das Label wurde damals bevor es in den 2000er den Bach runter ging durch Achim Szepanski geführt und war das “Glitch” Label schlecht hin. Ein der wichtigsten Glitch Musiker ist sicherlich Markus Popp aka Oval. Glitch war oder ist eine Steigerung der “Musique concrète” in technischer und kreativer Hinsicht. Dabei geht es primär um die Isolierung eines Soundfragmentes.