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Bizarre Musikgenres Teil 6: Unblack Metal

Gisela Feuz am Dienstag den 18. Februar 2014

Die Welt der Musikgenres ist eine vielfältige, bunte und manchmal unfreiwillig komische. In dieser Serie sollen Genres zum Zuge kommen, von denen Sie bis anhin vielleicht (zu recht) noch nie gehört haben. Heute: Unblack Metal.

Was kommt ihnen in den Sinn, wenn Sie «Black Metal» hören? grimmig dreinblickende Mannsbilder in langen schwarzen Ledermänteln wahrscheinlich. Vielleicht auch noch Nieten- oder Patronengürtel, schwarze Schminke, Kunstblut und irgendeinmal dann sicher auch der Gehörnte höchstpersönlich. Die Faszination für Satan und Teufels-Symbolik ist untrennbar mit Black Metal verknüpft, zumal satanische Texte als eigentliches Kernelement von Black Metal gelten. Irgendwie passen der finstere, misantrophe Kerl und die düstere Musik, die einst im Schweden und Norwegen der 80er-Jahre entstanden ist, ja auch bestens zusammen. Oder anders: Der olle Satan würde ein prima Black-Metaller abgeben.

Es gibt aber auch Liebhaber von harten verzerrten Gitarrenriffs, Blast Beats, Doublebass und knurrend-fauchendem Guttural-Gesang, die sich mit den satanistischen Themen von Black Metal nicht anfreunden mögen und deswegen sogenannten «Unblack Metal» (manchmal auch «Grey Metal» oder «Christian Metal») bevorzugen. Dieser ist zwar musikalisch nicht von seinem düsteren Bruder zu unterscheiden, in Bezug auf den Textinhalt bedient er sich allerdings einer ganz anderen Metaphorik und Symbolik: Christliche Werte werden hochgehalten, Satanismus attackiert und gerne werden auch mal biblische Zitate eingeflochten.

Wer genau mit der christlichen Version von Metal begonnen hat, ist umstritten. Rockmusik im Namen des Herrn gibt es bereits seit den 70er-Jahren, in der Metal-Abteilung darf sich wahrscheinlich die australische Band Horde die Erfinder-Medaille ans Revers heften, verwendeten die Herren auf ihrem 1994 erschienenen Album doch erstmals den Begriff «holy unblack metal».

Vielleicht würde hier ja der Schlüssel liegen, wie Kirchen ein neues Publikum ansprechen und ihre Bänke wieder füllen könnten mit (langhaarigen) Schäfchen. Man stelle sich vor: Anstelle antiquierter Choräle schallt moderner Unblack Metal durch die Gotteshäusern, anstelle des Frauenchörli Hinterfultigen sorgen Horde für musikalische Erbauung. Da würde selbst Frau Feuz hingehen. Hallelujah!

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8 Kommentare zu “Bizarre Musikgenres Teil 6: Unblack Metal”

  1. Roland sagt:

    Tja Frau Feuz, da hast du wohl noch nicht so gut aufgepasst! Früher sprach man eher von White Metal. Und da gab (und gibt) es ganz gute Sachen. Ab und zu ist tatsächlich auch so eine Band in der Kirche zu hören! Vielleicht nicht gerade am Sonntagmorgen, aber sonst mal zu einem Konzert.
    Mir gefielen immer Whitcross und Idle Cure. Beide gehören nicht zu den härtesten, sind aber dafür eine melodiöser.
    Frontline von Idle Cure:
    https://www.youtube.com/watch?v=uZVEbFRUcoQ
    We Know What’s Right von Whitecross
    https://www.youtube.com/watch?v=qKWNaQMxd9Y

    Typisch natürlich auch immer Stryper, hier mit Rock The Hell Out Of You
    https://www.youtube.com/watch?v=ICUMdUJEo4Y

  2. KT sagt:

    Liebe Frau Feuz,
    da haben Sie aber wirklich gar nicht gut aufgepasst. Es gibt (sogar) in der Schweiz eine Kirche für Metalfreaks – guckst du hier: . Die freuen sich schon auf Ihren Besuch! Halleluja!

  3. KT sagt:

    …tja, und jetzt hab ich nicht gut aufgepasst – das sollte heissen
    http://www.unblack.ch/metalchurch

  4. Wir freuen uns tatsächlich über jeden Besuch! _\,,/
    Der Bund (bzw. der Tagi) hat ja vor dem Start der Metalchurch im 2012 schon mal über mich berichtet… http://www.genios.de/presse-archiv/artikel/BUND/20120501/der-hirte-der-schwarzen-schafe/20120501522598.html

  5. Diesen Sonntag 23. Februar ist’s wieder soweit im Downi in Worblaufen, 1730h Türöffnung, 1800h Metal-Gottesdienst. Ca. 1930h Konzerte.

  6. Winston Smith sagt:

    Metal wird sich nie vom Christentum oder anderen Religionen für deren reaktionäres, gewaltverherrlichendes und menschenverachtendes Gedankengut instrumentalisieren lassen. Gewiss gibt es viele Jugendliche, die für die Schulclique zu uncool sind, deswegen ihr Seelenheil in einer beliebigen Subkultur abseits des Mainstream suchen und sich infolgedessen auch gerne unter die Schäfchen der christlichen Gigasekte begeben. Der Grossteil des Metalpublikums, vor allem von Thrash und Death Metal, wird aber immer aus gedanklich autarken, kritischen Skeptikern bestehen. Sprich: aus gegen Religionsbefall weitgehend immunen Menschen.

  7. Frau Feuz sagt:

    Danke für Ihre Aufklärungsarbeit, werte Herren. Und entschuldigen Sie meinen schlampig-möglichsten Journalismus, geh ich mich gleich kasteien für.
    Ich bin diesen Sonntag unabkömmlich, Herr Hug, ich komme ein ander mal auf ein Bier vorbei … und sie kommen mit, Herr Winston Smith, oder? Eine autarke und kritische Haltung ist durchaus löblich, ein differenziertes Urteil setzt aber wohl eine Auseinandersetzung mit der Materie vor Ort voraus. Also, wann haben Sie Zeit?

  8. nächstes mal metalchurch ist am 25. mai. freue mich auf die begegnung mit allen positiven und kritischen geistern.