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Schlafende Lieder wecken

Roland Fischer am Mittwoch den 12. Februar 2014

Der Raum ist dunkel, an der Wand drei Bildschirme, man muss sich zuerst mal ein wenig zurechtfinden im Raum No 15 an der Gerechtigkeitsgasse 40. Dazu klingt und klappert und kleppert es ohne Unterlass. Julian Sartorius ist unter die Kunstschaffenden gegangen (wie verwirrend das für die Fördergremien war ist nochmals eine andere Geschichte) und zeigt eine Videoinstallation, in der natürlich getrommelt wird – aber nicht auf Trommeln. «Schläft ein Lied in allen Dingen» nennt Sartorius sein Werk, und das mit «allen Dingen» meint er ziemlich genau so. Immer wieder ist er mit dem Filmer Jan Mühlethaler durch die Stadt gezogen und hat alle möglichen Dinge abgeklopft, um in ihnen eben diese Lieder zu wecken.

schläft ein lied © Beat Schertenleib

Das Verrückte an der Installation ist aber, dass Sartorius eigentlich ein grosses Lied meint, das alle Dinge zusammen spielen. Drei Ton- und Bildspuren laufen gleichzeitig, und die Überlagerungen ergeben immer neue Versionen dieses Lieds. Die einzelnen Spuren setzen sich laufend neu zusammen, so dass die Installation nicht zweimal dasselbe Lied spielt (oder eben ein einziges, ewig langes). Das wirklich Tolle an der Installation: Sartorius ist ein viel zu gewiefter Musiker, um bei der Komposition alles dem Zufall zu überlassen, da ist einige Ordnung im Chaos, die Montage muss ein ziemliches Geduldsspiel gewesen sein. Da greifen die Takte immer wieder wunderbar ineinander, beginnen richtig zu grooven, um sich dann auf einmal wieder zu verlieren. Man könnte stundenlang zuhören – und zusehen, auf welche mal skurrile, mal liebevoll-augenzwinkernde Art Sartorius die Dinge zum klingen bringt.

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Die Installation ist noch bis am 22. Februar zu sehen, im Projekt Links bei DuflonRacz an der Gerechtigkeitsgasse 40. Öffnungszeiten: Di – Fr 13 – 18 Uhr, Sa 13 – 17 Uhr.

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