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Der gefrorene Rocker-Engel

Gisela Feuz am Mittwoch den 5. Februar 2014

«Lieber Brüetsch, ..» so begann der von Heimweh geplagte Martin Schippert im fernen Bolivien jeweils die Briefe an seinen Bruder zu Hause in Zürich. Wer Martin Schippert war? Der Mann, den alle Tino nannten, war schon zu Lebzeiten eine Legende, denn Tino war gesellschaftskritischer Aussenseiter, Rebell und der erste Boss der Zürcher Hell’s Angels. Journalist und Autor Willi Wottreng hat im 2002 bereits ein Buch über die charismatische Figur verfasst, nun liefert Filmemacher Adrian Winkler den Dokumentarfilm «Tino – Frozen Angel» nach, in dem Aufstieg und Fall des Zürcher Halbstarken nachgezeichnet wird.

Er war fürwahr eine schillernde Figur, dieser Tino. Aus historischen Aufnahmen und Interviews mit Zeitzeugen hat Winkler das Porträt eines Mannes montiert, der im Zürich der 60er-Jahren zusammen mit seiner Lone Star Gang gegen die Spiessergesellschaft und das «Füdlibürgertum» aufbegehrte. In Halbstarker-Montur wie Jeans-Jäckchen mit Fransen, engen Hosen mit möglichst ausgefallenem Verschluss im Schritt (Hufeisen!), schweren Ketten um den Hals und schweren Maschinen unter dem Hintern brausten Tino und seine «Bandi» durch die Zürcher Langstrasse, und zwar auch bei Wind und Eis, was auch mal zu Eiszapfen im Bart und steif gefrorenen Händen am Lenker führte und «Frozen Angel» Tino zu seinem Namen verhalf.

Adrian Winklers Dokumentarfilm analysiert und rekapituliert den medialen Aufstieg von Tino und seinen Kumpanen und ist gleichzeitig ein vergnügliches Zeitzeugnis über die Zürcher Gesellschaft und Halbstarken-Szene der 60er-Jahre. Das Portrait eines Mannes wird gezeichnet, dessen Leben und Wirken bereits zu Lebzeiten stilisiert wurde, der ob dem aufkommenden Grössenwahn seiner Bandi-Mitglieder nicht so recht froh werden mochte und einsam und krank im fernen Südamerika, wohin er wegen behördlichen Repressionen geflohen war, viel zu früh aus dem Leben schied.

Wir verlosen 3×2 Tickets für die Vorpremiere von «Tino – Frozen Angel». Diese findet am Freitagabend im Kino Kunstmuseum statt und startet um 20:00. Anwesend ist der Regisseur Adrian Winkler, abgerundet wird der Abend mit einem Konzert der Soundtrack-Lieferanten Roy and the Devil’s Motorcycle. Tragen Sie sich in diesem Formular bis Donnerstagmittag ein – wir wünschen Ihnen Viel Erfolg!

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2 Kommentare zu “Der gefrorene Rocker-Engel”

  1. Herr Sartorius sagt:

    So, jetzt klappts auch mit dem Formular. Hier gehts zur Teilnahme:
    http://www.derbund.ch/services/engagement/Tino–Frozen-Angel/story/19695459

    Entschuldigen Sie bitte vielmals meinen Fehler und viel Erfolg.

  2. Christian sagt:

    wohin er wegen behördlichen Repressionen geflohen war

    Aso da gings ja schon nicht nur um Schikanen gegen einen, der sich nicht an die Konventionen hält. Da standen offenbar schon handfestere Vorwürfe im Raum, wie man anderenorts liest.