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Tonnenschwere Riffs und Haarpracht

Gisela Feuz am Sonntag den 26. Januar 2014

«Isch de gäbig. Wenn dem eine Saite reisst, kann er einfach eine seiner Rasta-Würste einspannen.» Die fürwahr beachtliche Haarpracht der Herren Gonga war Gesprächsthema Nummer Eins am Freitagabend im Dachstock. Bassist Latch entschied das Länge-Duell mit seinen Rastas, die ihm fast bis zu den Kniekehlen reichten, für sich, und die wilden Mähnen der Brüder George und Tom an Gitarre und Schlagzeug verleiteten einem in den frühen Morgenstunden an der Bar zu philosophischen Diskussionen über 80er-Jahre-Timotei-Werbungen und Mutmassungen über astronomische Klempner-Rechnungen wegen verstopften Badewanne-Abflussrohren.

gonga

Die grossen Rock’n’Roll-Posen liegen ihnen mehr als Sightseeing: Gonga aus Bristol

Was die drei Herren aus Bristol musikalisch lieferten, war keinesfalls weniger beachtlich als ihr Haupthaar. Mal sorgte die Gitarre für schwere, schleppende, massive Riffs, dann wieder kreischte und sägte sie, als gälte es den Amazonas abzuholzen, wozu ein fettest-möglicher Bass einem so richtig in die Magengrube haute. Beste Böse-Buben-Musik war das, die sich irgendwo zwischen Stoner-, Postrock, Psychedelic und Doom bewegte.

Nein, von Bern hätten sie noch nicht viel gesehen, weil es am Vorabend beim Heavy-Metal-Raclette ordentlich spät geworden sei. Aber morgen wolle man dann auf Sightseeing-Tour gehen, erklärten die drei sympathischen Engländer, die im übrigen jede Gelegenheit wahrnahmen, die paar Brocken Deutsch zum Besten zu geben («wie fucking geits?»), die sie gemäss eigenen Aussagen im Französischunterricht (!) aufgeschnappt hätten. Die Tatsache, dass die Herren Gonga morgens um halb Acht immer noch feuchtfröhlich an der Dachstockbar diskutierten und Räuberpistolen zum Besten gaben, lässt allerdings vermuten, dass aus der samstäglichen Touristen-Tour dann vielleicht doch nicht allzuviel geworden ist.

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