Logo

«Läri Wohnig»

Gisela Feuz am Sonntag den 19. Januar 2014

bazeNun sei er also schon ein bisschen nervös, erklärte gestern Abend Rapper Baze vor dem Orbital Garden, um gleich intensiv an der Kippe im Mundwinkel zu ziehen. «We si so uf eim obe hocke, isches schwirig.» Tatsächlich ist der Rahmen im 15 mal 6 Meter grossen und 5 Meter hohen Kellergewölbe des Tonus-Music-Labors an der Kramgasse ein intimer, aber das passte gestern bestens, denn schliesslich waren die vorgetragenen Reflexionen des Herrn Baze auch einigermassen intimer Natur.

Rico Baumann am Schlagzeug und Musik-Alchemist Don Li an Laptop und Saxophon steuerten einen sphärischen Klangteppich bei, über welchen Baze eine Stunde lang kritische Reflexionen über Dasein, Vereinsamung, Entfremdung und die vermeintliche Unmöglichkeit des Zusammenlebens anstellte. Die eigene «läri Wohnig» wurde hierbei zum Leitmotiv und Sinnbild, wobei sich in der Leere und Kälte besagter Wohnung auch eine leere Welt spiegelte, in der zwar vieles funktioniert, dabei aber maskenhaft, seelenlos, distanziert und unergründlich bleibt. Exemplarisch verdeutlichte Baze am Mikrokosmos Mehrfamilienhaus, woran die Gesellschaft im Allgemeinen krankt: Menschen sprechen nicht mehr miteinander, sondern legen sich Zettel in die Briefkästen, der Nachbar ist ein Unbekannter, dem man grundsätzlich unnachgiebig und feindlich gegenübersteht, und reklamieren wird zum neuen Hobby.

Ganz so pessimistisch in die Nacht entlassen haben die Herren Li, Baumann und Baze die Zuhörerschaft dann aber doch nicht, sondern liessen vielmehr einen zarten Silberstreifen am zwischenmenschlichen Horizont aufschimmern. Schön.

Don Lis Spoken-Klang-Komposition mit Rico Baumann am Schlagzeug und Text von Baze wird heute Abend um 20 Uhr noch einmal aufgeführt, und zwar im Orbital Garden Laboratory an der Kramgasse 10. Gehen Sie hin. Es lohnt sich.

« Zur Übersicht

Kommentarfunktion geschlossen.