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Solide aber nicht brillante Götter

Gisela Feuz am Samstag den 18. Januar 2014

Er wisse nicht, wie es mit ihnen weitergehe, erklärte Frontmann Franz Treichler kürzlich im Interview. Seine Truppe The Young Gods, die sich vor beinahe 30 Jahren zusammengetan hat und von namhaften Bands als wegweisender Einfluss genannt wird, war gestern Abend in der ausverkauften Dampfzentrale zu Gast. Vielleicht ist es diese Ungewissheit, die gestern Abend mitschwang und dafür sorgte, dass das Konzert von The Young Gods zwar solide, aber nicht brillant war.

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Rein objektiv betrachtet gibt es keinen Grund, weswegen zumindest bei der Schreiberin nicht absolute Euphorie aufkommen mochte, denn Set, Optik und Klang waren einwandfrei. Die beiden Genfer und Mitglieder der Urformation Franz Treichler und Cesare Pizzi spielten gestern ein Repertoire, welches auf den ersten beiden Alben «The Young Gods» (1987) und «L’eau rouge» (1989) basierte, streuten aber auch Stücke aus späteren Werken ein. Vielfalt war also gegeben: Auf wuchtig repetitive Maschinenmusik, untermalt von kalten blauen Lichtstrahlen, die sich durch den Raum bohrten, folgten neckisch abgründige Tanznummern, getränkt in blutrote Nebelschwaden. Dazu steuerte Treichler mal in klarem, mal in heiser bellendem Timbre seine unverkennbare Stimme bei und bewegte sich mit seinen Windmühle-, Kranich- und Gebets-Posen manchmal gefährlich nahe am Ausdruckstanz.

Alles in allem, wie gesagt, war der gestrige Auftritt der sympathischen Genfer ein guter und solider. Es wäre Franz Treichler und den zukünftigen Mitgöttern, wer auch immer diese sein mögen, zu gönnen, dass bald mal Klarheit Einzug hält, wie es im Post-Industrial-Olymp weitergehen soll. Denn so könnte aus einem soliden Auftritt einer werden, der tiefer schürt und das Rebellentum und Wegweisende früherer Zeiten wieder zu transportieren vermag, als The Young Gods als vielversprechende Zukunftsvisionäre der Rockmusik abgefeiert wurden.

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