Logo

Wilder Avantgarde-Bastard

Gisela Feuz am Samstag den 11. Januar 2014

Mit Musik, wie sie tagtäglich aus Radiogeräten plärrt, hatte das, was Luca Cavina und Paolo Mongardi am Donnerstagabend im Rössli der Reitschule veranstalteten, herzlich wenig zu tun. Vielmehr müsste die Art und Weise, wie Zeus! ihre Instrumente bedienen, der Disziplin Mathematik zugeordnet werden. Gnadenlos dekonstruierten die beiden Italiener mit Bass und Schlagzeug klassische Metal-, Hardcore- und Punk-Songstrukturen, auf gerade treibende Riffs folgten vertrackte Rhythmen und ausgewogene Harmonien wurden von dissonanten Akkorden abgelöst. Dabei legten die Herren ein Tempo vor, ob dem einem der Schwindel ergriffen hätte, wenn denn der aberwitzige Avantgarde-Bastard nicht dermassen faszinierend und unterhaltsam gewesen wäre, der einem da um die Ohren gehauen wurde.
iPhoto-36

Verkopfte Avantgarde-Kompositionen bedeuten für die Zuhörerschaft oftmals eher harte Arbeit als reinen Hörgenuss, im Fall von Zeus! verleiteten sie einem in erster Linie zum Grinsen. Der wuchtige und wilde Höllenritt war zwar rau und monströs, aufgrund seiner musikalischen Anleihen und Zitaten aber immer wieder auch komisch und vergnüglich. Das lag nicht nur an den einigermassen abenteuerlichen Ansagen des Herrn Bassisten, sondern auch an der Spiel- und kindlich anmutenden Experimentierfreude, mit der die beiden mit gängigen Punk- oder Metalriffs musikalische Erwartungen beim Publikum schürten, um diese dann genüsslich eben genau nicht zu erfüllen. Zeus! sitzt der Schalk definitiv im Nacken. Aber so was von. Das macht auch die Tatsache klar, dass die beiden Herren ihr letztes Album «Opera» nannten, die zugehörige Tour «Fitness Tour 14» und dass sie ihre Konzerte konsequenterweise mit violetter Hipster-Sonnenbrille und Schweissstirnband bestreiten. Und wer mathematischen Donnerkompositionen Titel wie «Beelzebulb» oder «Grindmaster Flesh» verleiht, der macht sowieso etwas so richtig richtig.

« Zur Übersicht

Kommentarfunktion geschlossen.