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Postrock in der Sardinenbüchse

Gisela Feuz am Samstag den 4. Januar 2014

So bumsvoll wie gestern Abend war das ISC schon lange nicht mehr. Der Grund: Die deutsche Postrock-Truppe Long Distance Calling, die normalerweise grössere Clubs füllt, hatte ihre einzige Schweizer Show angekündigt und über die eigene Homepage selbständig Eintrittskarten dafür verkauft, ohne den Veranstalter im ISC zu informieren und obschon das Konzert bereits ausverkauft war. Besagter Veranstalter grummelte deswegen im Backstack Dinge in seinen Dreitagebart, die hier aus Pietätsgründen höchstens in Hieroglyphen wiedergegeben werden könnten. Vor der Bühne arrangierte sich das Publikum derweilen in Sardinenstellung und liess sich die Freude ob dem gebotenen Gitarren-Bombast nicht nehmen. Ganz im Gegenteil: Kollektives Abnicken ab Konzert-Minute Eins.

LCD.2

Long Distance Calling bei einwandfreier Gitarrenarbeit

Was Postrock genau ist, hat Frau Feuz hier bereits abgehandelt. Erstaunlich war gestern die Tatsache, dass sich nicht nur alte Metaller, sonder auch junges Indie-Gemüse an den vertrackten Rhythmen von LDC erfreuten. Nimmt man allerdings den Mix, aus welchem der süffige Postrock der Münster Herren besteht, genauer unter die Lupe, dann ist die Breite des Publikums so erstaunlich auch nicht mehr. «Süffiger Postrock» ist in sich ja eigentlich schon ein Widerspruch, suggeriert das eine einfache, leichte und angenehme Kost, das andere eher weniger massentaugliche Verkopftheit. LDC verstehen beides gekonnt zu paaren, kombinieren süsse Harmonien, sphärische Keyboardklänge und psychedelische Parts, die an Pink Floyd erinnern, mit brettharten Riffs, Doppelpauke und ausufernden Gitarrensoli. Sehr schön war das! Und wer dann auch noch über zwei Stunden spielt, die grossen Gitarren-Posen beherrsch und trotzdem so sympathisch bescheiden auftritt, der hat den Sardinenschwarm sowieso im Netz.

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