Logo

Philosophischer Rausch

Gisela Feuz am Freitag den 15. November 2013

Es birgt ja durchaus eine gewisse Ironie, wenn da einer ernsthaft über philosophische Perspektiven in Bezug auf Drogen diskutiert, der gerne in breitestem Baseldeutsch verkündet «Mach kai Booge um Drooge, Drooge sin guet alles andri isch glooge». Aber Bubi Rufener ist eben nicht nur Rapper und Vorzeigelümmel bei Revolting Allschwil Posse, sondern arbeitet auch seit 17 Jahren bei der Drogenanlaufstelle der Stadt Bern. Entsprechend konnte Rufener gestern Abend als Gesprächsgast beim philosophischen Abend zum Thema «Rauschmittel» im Kairo durchaus seriös, fundiert und aus erster Hand Auskunft geben, was Dimensionen und Folgen von Räuschen anbelangt.

IMG_1958.JPG

Anja Leser und Bubi Rufener

Organisiert hat den Abend Anja Leser von  Philosophie.ch (wir haben hier bereits darüber berichtet), welche denn auch gleich die Rolle der Gastgeberin und Talkmasterin übernahm. Einleitend gab Leser einen kurzen Abriss über die Geschichte von Rausch und rauschfördernden Substanzen, wobei sie darauf hinwies, dass bereits die alten Ägypter Bier brauten und im 19. Jahrhundert Opium ein beliebtes und alltägliches Mittel war, um Kinder ruhig zu stellen.

In der anschliessenden Diskussionsrunde sprach sich Bubi Rufener für einen bewussten und lustvollen Umgang mit Drogen aus, wobei der exzessive Velofahrer darauf hinwies, dass Fahrrad fahren und Heroin so unterschiedlich auch nicht seien, bei beidem sei es besser, wenn man sich auf den Ausflug vorbereite und einen Helm trage. Rufener erzählte Eindrückliches aus seinem Arbeitsalltag in der Drogenanlaufstelle, lobte dabei die Zusammenarbeit mit der Polizei und sprach sich für eine Legalisierung aller Drogen aus, wobei er explizit betonte, dass dies seine persönliche Meinung sei.

Harte Drogen und der Umgang damit standen gestern Abend in der philosophischen Diskussion im Zentrum, was aufgrund Rufeners Tätigkeit nur logisch war. Auch interessant wäre gewesen, andere Arten von Räuschen, von denen es ja viele gibt, philosophisch noch zu vertiefen. Müsste in letzter Konsequenz für Leute im Kaufrausch auch eine Anlaufstelle eingerichtet werden? Sind Workaholics auch Drögeler? Ist es philosophisch vertretbar, sich zu betäuben? Und gehört Ovomaltine («nicht besser aber länger») eigentlich zu den Neuro-Enhancern? Räusche sind so alt wie die Gesellschaft und entsprechend viele Diskussionsabende könnten mit diesem Thema wohl noch gefüllt werden.

« Zur Übersicht

Ein Kommentar zu “Philosophischer Rausch”

  1. Der philosophische Abend im Kairo, Drogenmusik und Rauchen als kulturelle Praxis waren Themen in der Kultursendung Subkutan vom Mittwoch auf Radio Bern RaBe. Hier nachhören und gleich weiter philosophieren!