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Party with Pain

Gisela Feuz am Sonntag den 29. September 2013

Mit der Entwicklung von Bands, die einem mal sehr am Herzen lagen, ist das ja so eine Sache. Einerseits freut man sich, wenn diese bekannt werden und vom kleinen verrauchten Club den Sprung auf die grossen Bühnen schaffen. Andererseits geht dieser Sprung aber leider oftmals auch mit einer musikalischen Weichspülung, Abschleifung und Kommerzialisierung Hand in Hand. Bestes Bespiel dafür sind Johnossi, die beiden schwedischen Herren, die gestern Abend im ausverkauften Bierhübeli zu sehen waren.

johnossi

Zwischendurch blitzte während des Konzerts von Johnossi die alte Ruppigkeit auf, für die man sie einst so geliebt hat. Etwa bei dem sympathisch zu schnell vorgetragenen und mit Temposchwankungen versetzten «Party with my Pain» ab dem grandiosen zweiten Album «All They Ever Wanted» aus dem Jahre 2008, welches damals noch schöne Popmelodien mit Sperrigkeit paarte. Besagte Sperrigkeit fehlte aber bereits auf dem zwei Jahre später folgenden Album «Mavericks» fast gänzlich und was Johnossi im März diesen Jahres auf «Transitions» herausgegeben haben, klingt phasenweise übel nach Stadionrock.

So wähnte man sich gestern Abend im Bierhübeli musikalisch zwischendurch, und es tut mir selber so richtig weh, das sagen zu müssen, an einem Brian Adams-Konzert und mit Wehmut dachte man an die zwei wilden, ungestümen und schweisstreibenden Clubshows zurück, die Johnssi einst im ISC abgeliefert hatten. Nun gut, einen Vorteil bringt der Aufstieg in die «höheren» Gefilde des Showbusiness ja trotzdem mit sich. Einen körperlichen. Im ISC wäre die Gefahr gross gewesen, dass man mit den Herren und deren Gefolgschaft an der Aftershow-Party so richtig gottsjämmerlich abgestürzt wäre, in aller Hergottsfrüh totenbleich sein Velo hätte suchen und den ganzen Sonntag mit einem Todeskater im Bett hätte verbringen müssen. Gestern wurde im Bierhübeli im Anschluss an das Konzert nicht einmal mehr Musik gespielt, sondern um Mitternacht vom Barpersonal die letzte Runde ausgerufen. Danke kümmert ihr euch so fürsorglich um meine Gesundheit, liebes Bierhübeli. Aber oh Rock’n’Roll, mir blutet das Herz!

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