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Live-Hörspiel im ONO

Gisela Feuz am Montag den 7. Mai 2012

Stellen Sie sich vor, Sie wachen eines Morgens auf und Ihre Nase ist weg. Genau das passiert Ivan Kovalev in der Erzählung «Die Nase» von Nikolaj Gogol. Selbstverständlich versucht Kovalev mit allen Mitteln, seine Nase wieder zu finden, doch das stellt sich als gar nicht so einfach heraus, zumal besagtes Riechorgan sich alleine offenbar ganz prima durchs Leben schlägt, beruflich Karriere macht und in den Rang eines Staatsrates aufsteigt.

Das Sofatheater hat gestern Abend die wunderbar absurde Geschichte von Nikolaj Gogol im ONO aufgeführt. Und so wunderlich die Geschichte, so speziell war auch die Aufführung. «Die Nase» wurde nämlich als live Hörspiel inszeniert, wobei die ZuschauerInnen mit Kopfhörern das Geschehen mitverfolgen konnten und gleichzeitig sahen, wie die Geräusche auf der Bühne mit den unterschiedlichsten Gegenständen live fabriziert wurden. Ein Mixer lieferte beispielsweise eines der Hintergrundgeräusche für eine Zahnarztpraxis und klang dabei so echt nach Bohrer, dass man schuldbewusst darüber zu sinnieren begann, wann man denn eigentlich das letzte Mal beim Zahnarzt gewesen ist.

Äusserst interessant war das gestern: Wenn man die Augen schloss, wähnte man sich in der Welt des Ivan Kovalev, begleitete diesen akustisch auf seinem amüsanten Spiessrutenlauf und wurde dabei mit Sitten und Gegebenheiten des Russlands des 19. Jahrhunderts konfrontiert. Wenn man dann aber die Augen öffnete, stand man plötzlich nicht mehr mit dem Nasenlosen in dessen Badezimmer, sondern schaute den Sofatheater-MacherInnen zu, wie diese einen tropfenden Wasserhahnen täuschend echt mit Slimy akustisch nachstellten. Kurzweilig, interessant und vergnüglich war das und zwar für Auge und Ohr und da am Schluss alle wieder im Vollbesitz ihrer Nasen waren, nahm die Geschichte denn auch ein glückliches Ende.

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