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Plattenkiste Vol. 19: Sufjan Stevens (revisited revisited)

Benedikt Sartorius am Dienstag den 12. Oktober 2010

Zum bereits dritten und vorderhand letzten Mal grüsst Sufjan Stevens aus der Plattenkiste, heute mit seiner neuen Platte «The Age of Adz».

Sufjan Stevens «Age of Adz»Das Lied ist endlich wieder zu hören bei Sufjan Stevens im Jahr 2010, nachdem der 35-Jährige sein 50-US-Bundesstaaten-Album-Konzept vor fünf Jahren mit dem unerreichbaren «Illinois» abgebrochen hat, in eine Sinnkrise schlitterte und vor einem Monat mit der grossen EP «All Delighted People» seine Sänger-Rückkehr gefeiert hat. Und so ertönt, geich zu Beginn von «The Age of Adz», das Lied so klar und schön wie es nur geht, wenn sich eine der seligsten Stimmen der aktuellen Poplandschaft mit einem wabernden Filter verfremdet und unfassbarer und unklarer als in der Vergangenheit erscheint.

Der unsichere Prophet macht es sich und seiner Schar in der Folge natürlich nicht leicht, wenn er das «Age of Adz» mit Hilfe von Chorgesängen ausruft und die im Artwork sichtbaren Superhelden, apokalyptischen Visionen, Aliens und Rächer des afroamerikanischen Art-Brut-Künstlers Royal Robertson zu vertonen versucht. So konstruierte Sufjan Stevens ein Klangbild, das abgesehen von orchestralen Trillern kaum mehr naturbelassenes Instrumentarium beinhaltet und ein Rückgriff auf sein Elektronik-Album «Enjoy Your Rabbits» (2001) darstellt. Bei andauerndem Hören des 75-minütigen Albums erscheint diese Rückkehr zur Elektronik allerdings immer klarer und logischer, und die Melodien des grenzensprengenden Poperneuerers beginnen wie selbstverständlich zu tanzen und zu glänzen und zu schaudern, wenn der Auto-Tune die selige Stimme im überlangen Schlussmonster «Impossible Soul» kurzzeitig zerstört. Wer dennoch weitergeht und immer wieder von vorne anfängt, wird mutmachend belohnt. Man darf sich vom Überschwang der Ideen nur nicht ablenken lassen.
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The Age of Adz (Asthmatic Kitty/Irascible) gibt es hier im Stream und ist nach Möglichkeit ausdrücklich nicht beim Riesen im Netz oder vergleichbaren Discountern zu kaufen.

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13 Kommentare zu “Plattenkiste Vol. 19: Sufjan Stevens (revisited revisited)”

  1. Tin Man sagt:

    off-topic:
    Herr Sartorius waren sie letzten Samstag nicht am Future Islands Konzert? Habe gehofft hier einen Bericht darüber lesen zu können (da sie das Konzert empfohlen haben). Ich fands grossartig. Eine sehr tolle und sympathische Band.

    Future Islands live @ Death by Audio, Brooklyn:
    ‘Tin Man’: http://vimeo.com/15541203
    ‘Long Flight’: http://vimeo.com/15539363

  2. Herr Sartorius sagt:

    Leider reicht es mir in diesen Tagen zu nichts, werter Tin Man, und deshalb auch nicht für einen Besuch bei den Future Islands. Ansonsten hätte ich gerne darüber berichtet, jedenfalls danke ich Ihnen für die Videos und den Kurzbericht.

  3. eddie c. palermo sagt:

    ah, wenn es ihnen zu nichts mehr reicht, herr sartorius, dann möchte ich selbstverständlich diesen link keinesfalls gepostet haben. entschuldigen sie mich schon zum voraus. obwohl: vermutlich kennen sie ihn schon und der link ist mit ein grund, dass…?

  4. Herr Gnos sagt:

    werter herr sartorius, hier gleich noch ein link für sie:
    http://lovebryan.com/sandy/2010/09/all-tomorrows-parties/

  5. Herr Sartorius sagt:

    Guten Abend, die Herren. Ich nehme die Links jetzt einfach mal so zur Kenntnis, und lasse mich auch nicht ablenken, weil mir der Sufjan-Chor immerzu zu singt: «Don’t be distracted!»

    Ich möchte aber betonen, dass die Gorillaz auch auf der grossen Bühne funktionieren und das letztjährige ATP im geliebten Kutsher’s Country Club sodrso nicht mehr zu schlagen ist, quasi «I was there», ha.

  6. ensuite sagt:

    Sorry, will nicht stören, aber wir haben Ticktes für die Première vom Schlufi-Journi-Kummer-Film, der am Mittwoch, also morgen Abend, Vorpremière feiert (?). Der Film ist ja nicht VON sondern ÜBER Kummer – deswegen sicher mal ganz spannend..

    Hier gibt’s n’ Bestellformular… http://www.ensuite.ch/archives/7947

    Gruss-an-die-nicht-in-den-Ferien-gebliebenen…

  7. Herr Sartorius sagt:

    Der Kummer-Film ist ziemlich sehenswert, darf ich sagen, nicht nur, weil dieser ja auch eine Berner-Geschichte erzählt. Übrigens startet der Film regulär erst am 21., und nicht – wie von mir fälschlicherweise vermeldet – bereits diesen Donnerstag.

  8. Fischer sagt:

    von der kummer-premiere wird hier berichtet werden – der master of journalistic desaster soll persönlich anwesend sein.

  9. Herr Gnos sagt:

    noch was zum thema “i was there”:

    gute güte, war das grandios!

  10. Herr Sartorius sagt:

    Hm, also ich weiss nicht so recht bei diesen beiden Texten. Kaufen Sie sich besser den Tagi von heut oder dann den «Bund» von in Bälde, um die einmal mehr grossartige Rezension von Christoph Fellmann zu lesen. Und natürlich diese fantastische Platte, weil: call classic not bestseller.

  11. Herr Gnos sagt:

    Hm, also ich weiss nicht so recht bei diesen beiden Texten.

    nur damit sie mich nicht falsch verstehen: habe die links lediglich der vollständigkeit halber gepostet. also nicht aus überzeugung ;-)

  12. Herr Gnos sagt:

    ah, und ich sehe gerade, dass die tagi-besprechung auf dem online-bund schon greifbar ist:
    http://www.derbund.ch/kultur/pop-und-jazz/berirdisch-schoen/story/11708267