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Wissenschaftlich verbrämte Esoterik

Hugo Stamm am Samstag den 8. November 2014
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So sieht das also aus, wenn «das computergestützte Resonanz-Frequenz-Verfahren Oberon» die Zellen überprüft: Illustration im Oberon-Werbevideo. Screenshot: Youtube

Der Basler Psi-Verein ist die erste Adresse für esoterisch interessierte spirituelle Sucher. Seit 1967 veranstaltet er Seminare und Vorträge. Momentan bietet der Verein Privatsitzungen zur «Oberon-NLS-Analyse» an. Originalton: «Im Institut für angewandte Psychophysik in Moskau wurde eine Methode zur spektralen Analyse von Potenzialwirbelfeldern von biologischen Systemen entwickelt.» Oberon sei ein physikalisches Messgerät, das elektromagnetische Veränderungen über den Spin von Elektronen im menschlichen Körper messen und beeinflussen könne.

Die Esoteriker scheinen ihren Ideen selbst nicht mehr zu trauen und verpacken sie immer häufiger in ein wissenschaftliches Vokabular. Denn der esoterische Nebel gibt seine angeblichen Geheimnisse selten frei. Die permanente Jagd nach übersinnlichen Phänomenen in einer virtuellen Welt erweist sich als anstrengender Parcours, verbunden mit Enttäuschungen und hohem finanziellen Aufwand. Deshalb lassen sich viele Esoteriker von pseudowissenschaftlichen Erklärungen blenden.

Das klingt dann beim erwähnten Beispiel so: «Die Systeme der ‹nichtlinearen Analyse› (NLS) sind Informationstechnologien, die zu den erstaunlichsten und perspektivenreichsten Errungenschaften der heutigen Naturwissenschaften gezählt werden können. Erstmalig werden mit diesen Geräten alle organischen Strukturen bis in die Molekularebene durch modernste Computer- und Informationstechnologien darstellbar.» So weit, so sonderbar – für einen Verein, der sich mit Psi beschäftigt, also aussersinnlichen Wahrnehmungen wie Hellsehen. Doch wozu dient die «nichtlineare Analyse»? Die Ursachenanalyse soll Hinweise auf Störfelder, Parasiten, Bakterien, Viren, Umweltgifte und Allergene geben. Aber auch auf Mangelerscheinungen, das Darmmilieu und psychische Belastungen.

Experte darin ist Bernhard Bergbauer. Einen wissenschaftlichen Hintergrund sucht man bei ihm vergeblich. Er führt als Heilpraktiker eine Praxis für Komplementärmedizin. Aufschlussreich ist ein Hinweis auf seiner Website: «Die Oberon-Diagnose ist eine Methode der Informationsmedizin und daher dem Bereich der Komplementärmedizin zuzurechnen. Sie ist schulmedizinisch nicht anerkannt und ihre Wirkungen werden als wissenschaftlich nicht erwiesen angesehen.»

Beachtenswert sind auch die Preise für diese wissenschaftlich nicht anerkannte Wissenschaftsmethode: Ein Ersttermin (90 Min.) kostet 250 Franken, ein Folgetermine (60 Min.) 170 Franken. Bei den Sitzungen mag es feinstofflich zu und her gehen, beim Honorar wird die Sache dann handfest. Und: Spenden an den Psi-Verein können von den Steuern abgezogen werden.

«Ein schnelles, risikoloses, kostengünstiges und zuverlässiges Diagnose- und Therapiesystem»: Oberon-Werbevideo. Quelle: Youtube

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