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Suizide bei den Zeugen Jehovas

Hugo Stamm am Samstag den 7. Juni 2014
Scheinbar auswegslos: Zeugen Jehovas halten  im Hallenstadion in Zürich den Berzirkskongress 2009 (25. Juli 2009).(Keystone/Alessandro

Ausweglose Isolation: Zeugen Jehovas halten im Hallenstadion in Zürich den Bezirkskongress ab (25. Juli 2009). (Keystone/Alessandro Della Bella)

Die Zeugen Jehovas gelten bei uns als eine etwas sonderbare Freikirche, im Ruch einer Sekte stehen sie aber kaum. Sie werden allenfalls als lästig empfunden, wenn sie von Haustür zu Haustür gehen, um Leute zu bekehren.

Die problematischen Seiten der Zeugen Jehovas sind aber kaum bekannt. Da wäre die soziale Isolation. Mit Ungläubigen wollen sie möglichst nichts zu tun haben. Weltlicher Einfluss gilt als Verführung. Öffentliche Ämter werden meist gemieden, die einzig akzeptierte Autorität ist für sie Gott. Deshalb verweigern viele auch den Militärdienst.

Geburtstage werden nicht gefeiert, alle Ehre gehört Gott. Weihnachten, Ostern sind verpönt, Theaterspiel ebenso. Darunter leiden Schulkinder, die nicht an den Feiern teilnehmen dürfen.

Diese Entfremdung zeigt sich vor allem beim Endzeitglauben. Die Zeugen Jehovas sind überzeugt, wir lebten in den letzten Tagen. Doch das tun sie schon seit 100 Jahren. Bereits 1914 prophezeiten sie das Ende, danach weitere Male. Doch alle Pleiten hindern sie nicht daran, sich weiterhin auf den baldigen Untergang vorzubereiten. Manche überlegen sich deshalb, ob sie noch eine Ausbildung absolvieren oder Kinder auf die Welt stellen sollen.

Lebensgefährlich wird es bei Operationen oder Unfällen, die mit Blutverlust verbunden sind. Aus religiösen Gründen lehnen sie Bluttransfusionen kategorisch ab. Lieber verbluten sie, was immer wieder vorkommt. Manchmal sterben dabei auch Ungeborene.

Die Religionsfreiheit schützt die Zeugen Jehovas, von denen es weltweit rund acht Millionen gibt, in der Schweiz ungefähr 20’000. Doch in Finnland regt sich nun Widerstand. Es geht um mehrere Suizide und den Verdacht auf Menschenrechtsverletzungen, wie die finnische Zeitung SVT berichtet. Eingeschaltet haben sich auch das Innen- und das Justizministerium.

Ein Beispiel: Ein junger Zeuge verliebte sich in eine «ungläubige» Frau – und wurde ausgeschlossen. Die Familie brach den Kontakt zu ihm ab, er wurde beschuldigt und bedroht. In seiner Verzweiflung beging er Suizid. Oder: Ein Homosexueller wurde ausgeschlossen und gemieden. Sein Bruder grüsste ihn nicht mehr auf der Strasse. Heute leidet er unter psychischen Problemen. Ausserdem berichten junge Frauen von Vergewaltigungen durch Führungskräfte der Zeugen Jehovas. Sie seien danach unterdrückt und beschuldigt worden, die Übergriffe provoziert zu haben, berichten die Opfer. Justizministerin Anna-Maja Henriksson möchte nun die Fälle gerichtlich abklären lassen.

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