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Warum sollte Jesus nicht verheiratet gewesen sein?

Hugo Stamm am Donnerstag den 27. September 2012

Vielleicht war sie seine Angetraute: Maria Magdalena und Jesus (ein Gemälde von Alexander Andreyevich Ivanov, 1835, Tretyakov-Galerie, Moskau).

Wie hielt es Jesus mit den Frauen? Der durchschnittliche Christ, der einzig im Religionsunterricht religiöse sozialisiert worden ist, zuckt wohl mit den Schultern. Einer belesenen Person dürfte allenfalls noch Maria Magdalena in den Sinn kommen, die offenbar eine Vertraute von Jesus war. Dass das Verhältnis ein rein platonisches war, davon geht der Durchschnittsgläubige aus. Sexuelle Bedürfnisse, geschweige denn Begierden, passen nicht zu einem Sohn Gottes.

Doch war Jesus tatsächlich ein asexuelles Wesen? Oder haben die Evangelisten das Thema ausgeklammert, weil es nicht in ihr Bild vom reinen Sohn Gottes passte, der unbefleckt gezeugt worden war? Ist diese Lücke ein politisches Kalkül der urchristlichen Schriftgelehrten, die die kanonischen Schriften selektiv zur Bibel zusammenbauten?

Die Frage beschäftigt Gläubige seit eh. Dan Brown stellt uns in seinem Bestseller «Sakrileg» Jesus als Ehemann von Maria Magdalena und Sarah als seine Tochter vor. Ähnlich wie Martin Scorseses in seinem Film «Die letzte Versuchung Christi».

Für die katholische Kirche wäre die Vorstellung von Jesus als Ehemann und Vater eine Katastrophe. Wieso sollten die Geistlichen zölibatär leben, wenn ihr Sohn Gottes ein Familienleben führte? Und: Wie liessen sich weiterhin Frauen vom Priesteramt ausschliessen, wenn historisch erwiesen wäre, dass Jesus verheiratet war?

Ein neues Dokument nährt nun die Vermutung, dass Jesus tatsächlich verheiratet war. Die Historikerin Karen King von der Harvard-Universität, die auf das frühe Christentum spezialisiert ist, hat einen kleinen verrotteten Papyrus-Fund analysiert. Darauf steht: «Jesus sagte zu ihnen: Meine Frau…» Bei der Frau handelt es sich vermutlich um Maria Magdalena. Damit stützt Karen King die Aussagen im Philippus-Evangelium, in dem berichtet wird, Jesus habe seine Gefährtin Maria geküsst. Nur wird dieses Evangelium von der katholischen Kirche nicht anerkannt.

Es ist tatsächlich auffällig, dass im Neuen Testament die Frage offen bleibt, wie Jesus es mit den Frauen hatte. Ein Hinweis mehr dafür, dass hinter das Neue Testament grosse Fragezeichen gesetzt werden muss: Wurde es aus taktischen Gründen so «frisiert» und zusammengesetzt, dass es den Dogmen der urchristlichen Kirchenväter entsprach? Gilt das auch für die unbefleckte Empfängnis, die Kreuzigung und die Auferstehung? Das alles sind zentrale Ereignisse, die sich historisch nicht nachweisen lassen.

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