Die EU als Friedensprojekt?

Vereintes Europa: Die Europäische Union wird von vielen Politikern als Friedensgarant dargestellt. (Foto: Reuters/ Stoyan Nenov)

 Jetzt haben die Brexit-Verhandlungen begonnen, in wenigen Tagen folgt das Gipfeltreffen der EU-Regierungschefs, und vermutlich werden wir auch da wieder daran erinnert, dass die Europäische Union ein grosses Friedensprojekt sei. Jedenfalls reiben uns ihre Spitzenpolitiker bei jeder festlichen Gelegenheit unter die Nase, dass diese Organisation dem Kontinent den Frieden gebracht habe.

Schön und gut. Aber wenn das wirklich das beste Argument ist für die EU, dann kann es eigentlich nicht so weit her sein damit.

Das Argument lebt von der Vergesslichkeit. Denn mit dem Palmzweig des Friedens dürfte sich zuerst einmal eine Reihe von Vorläuferorganisationen schmücken, die Montanunion, die gute alte EWG, die EG –Organisationen, die deutlich weniger umstritten waren. Vor allem aber baut der Friedensspruch auf einer arg simplen Logik. Sie besagt: Wir haben seit sieben Jahrzehnten Eintracht; Europas Staatenbund ist auch etwa so alt; also war er es, der die nötige Stabilität schuf.

Das Bild des Friedens

Eins und eins gibt zwei. Diese Grundidee verfolgt uns besonders hübsch in einer Grafik, die momentan eifrig durch die sozialen Medien getrieben wird. Da sehen wir schwarz die Jahre, in denen Europas Länder übereinander herfielen, weiss die Jahre des Friedens, und siehe da: Mit Auftauchen der Europäischen Union, dargestellt durch ein blaues Fähnlein, wird das Bild schneeweiss.

Die Grafik böte ein wunderbares Fallbeispiel, um Gymnasiasten den Unterschied von Korrelation und Kausalität zu erklären. In derselben Logik liesse sich behaupten, dass Europa seinen Frieden dem Kaugummi verdankt; denn seit der in den europäischen Läden auftauchte, schweigen die europäischen Waffen. Immerhin gibt es hier sogar ein Verbindungsstück, nämlich die Amerikaner, die mit ihrer Army, ihren Atombomben und ihrer Nato beides brachten – viel Frieden und viel Kaugummi.

Die Macht von Waterloo

Aber interessanter wird die Sache, wenn wir sie in einer noch breiteren historischen Perspektive betrachten. Nun geraten die schwarzen Streifen auf dem EU-Friedensbild ins Zentrum. Sie sagen uns, dass vor 1945 auf diesem Kontinent ein dauerndes Gemetzel und Gekriege getobt haben muss. Das passt ja auch zu den Erinnerungen aus dem Geschichtsunterricht – die alten Zeiten als Abfolge von Kriegen und Schlachten.

Vergessen geht, dass darunter meist eine andere Normalität herrschte: Auch im 18. oder im 19. Jahrhundert konnte ein Mensch in Aarhus oder Ipswich, in Innsbruck oder Zuoz ein ganzes, langes Leben verbringen, ohne je eine Armee zu sehen. Natürlich, es gab Kriege, immer wieder mal. Junge Männer zogen aus, schlugen des Adels Schlachten auf einem fernen Feld und dann, Monate später, kehrten sie wieder zurück oder auch nicht.

So wie übrigens europäische Soldaten bis heute regelmässig losziehen, in den Koreakrieg, in die Suezkrise, in den Falklandkrieg, den Golfkrieg, nach Afghanistan, Mali, Libyen oder in den Irak.

Kriege sind wie kaputte Wasserleitungen

Im kollektiven Gedächtnis blieb aber nicht das stille Leben von Aarhus bis Zuoz hängen, sondern Trafalgar und Waterloo. Unter Historikern gibt es eine Faustregel zur Anrechnung dieses Phänomens, «Tuchman’s Law», benannt nach der amerikanischen Historikerin Barbara Tuchman. Die hatte festgestellt: «Die Katastrophe ist selten so allgegenwärtig, wie es in den Überlieferungen erscheint. Die Tatsache, dass es aktenkundig wird, schafft den Eindruck, dass es ständig und überall geschieht. Aber mit grösserer Wahrscheinlichkeit ist das Desaster sporadischer, sowohl zeitlich wie örtlich. Andererseits ist das Normale beständiger als die Auswirkung einer Störung. Wir kennen das aus unserer eigenen Zeit. Wenn man die aktuellen Nachrichten konsumiert, erwartet man eine Welt, die vollauf aus Streiks, Verbrechen, Machtmissbrauch, kaputten Wasserleitungen, verspäteten Zügen, geschlossenen Schulen, Gaunern, Drogensüchtigen, Neonazis und Vergewaltigern besteht.»

Und so kam Tuchman schliesslich zur Einsicht: «Die Tatsache, dass darüber berichtet wird, multipliziert die wahrgenommene Bedeutung eines unseligen Ereignisses um das Fünf- bis Zehnfache (oder um eine beliebige Zahl, die der Leser selbst einsetzen kann).»

Es gibt nicht nur schwarze Balken

Wir sehen: «Tuchman’s Law» ist nicht bitter ernst gemeint. Aber es erinnert daran, dass unserer Geschichte nicht nur aus schwarzen Balken besteht, aus einem Vorher des Krieges und einem Heute der Waffenruhe.

Ob die EU ein Friedensprojekt ist, werden also auch unsere Nachkommen beurteilen. Und die werden vielleicht dereinst zurückblicken und den Kopf schütteln – ständig Kämpfe, ständig Anschläge, ständig Kleinkriege irgendwo …

28 Kommentare zu «Die EU als Friedensprojekt?»

  • Rolf Zach sagt:

    Herr Pöhner unterschlägt in seinem Artikel, dass Europa zwischen 1815 und 1971 eine sehr große Reduktion von selbstständigen Staaten hatte (Einigung von Italien und Deutschland. Ebenfalls bestand die Donaumonarchie als politisch schwächliche, aber wirtschaftlich durchaus wachstumsfördernde Einheit. Diese wurde mit Versailles 1918 zerschlagen und herauskam eine Schlangengrube voller giftigen Ottern. Man konnte nie genug kriegen von der Stückelung von Europa in sich feindlicher Staaten und dem absoluten Zwang in jedem Dreckloch überall eine einheitliche Färbung zu haben. Anstatt die Wirtschaft zu fördern, befleißigen sich die Machteliten auf dem Balkan einander möglichst zu
    schaden. Wie sagte Tuchkolsky, wer kauft deutsche Zitronen?

  • Alexander Wetter sagt:

    „Friedensprojekt EU“ : hört sich an wie ein geschmackloser Witz : die EU hat mit dem Frieden in Europa nun wirklcih nichts zu tun – der Begriff ist in D so sehr beliebt, dass Berlin schon gar nicht mehr „Europa“ als geographischer Begriff und „EU“ als politisches (Fehl)Konstrukt unterscheidet. Das sagt doch viel. D hat zu Friedenszeit das geschafft was sie nicht mit Krieg erreicht hat. Die EU (+€ + EZB) dient der deutschen Wirtschaft als Machtmittel, sicherlich nicht dem Osten und schon gar nicht dem Süden – zudem ist es wohl jedem aufgefallen, dass die EU-Eliten in Brüssel (auch zum Teil im EU-Parlament) abgewählte Politiker sind, die ihr nationales Mandat verloren haben und somit nach Brüssel / Strassburg abgeschoben wurden.

  • Hanna Schmuki sagt:

    Sie sind sehr schnell, mit sich selber rühmen die Deutschen. Frieden herrschte während den letzten 70 Jahren wegen den Besatzern. Notfalls seien sie auch schnell wieder zur Stelle, so sagt man !

  • lutz stalder sagt:

    Eine EU unter DE, wie es gerade läuft, ist alles, ausser einem Friedensprojekt. Wenn die Regierung an völkerrechtswidrigen Kriegen mit macht, wo soll da Frieden sein? Merkel hat offiziell illegale Angriffe der USA gegen den souveränen Staat Syrien gebilligt. Auch die Stationierung in Jordanien ist kein Zufall, sondern Vorbereitung auf Krieg.

  • Dani Keller sagt:

    Den Frieden nach dem 2. Weltkrieg in Europa haben wir dem kalten Krieg zu verdanken (so absurd das auch tönt), also NATO und Warschauerpakt – diese hätten den Friedensnobelpreis eher verdient als die EU.
    Erinnere mich noch gut, wie man als Teenager auf dem C64 wie selbstverständlich Kalter-Krieg-Games spielte wie „Raid over Moscow“ oder „Balance of Power“.

  • Felicitas Marti sagt:

    Der einzige Grund für Frieden in Europa (ausgenommen Balkankrieg mit Versagen der EU und Ukraineputsch mit Beteiligung der EU) liegt in der Versöhnung zwischen DE und FR. Diese hat mit der EWG/EU nicht das Geringste zu tun, sondern mit dem Elysée-Vertrag 1963 zwischen de Gaulle und Adenauer. Herrscht Ruhe zwischen DE und FR, herrscht Frieden in Europa, und umgekehrt. Im Übrigen wollte de Gaulle die Briten gar nicht in der EU, und die Deutschen wollten eine starke Anbindung an die USA, was von de Gaulle ebenfalls abgelehnt wurde.

  • Roman Moser sagt:

    Genau so stelle ich mir einen Protagonisten der Identitären Bewegung vor. Nachtigall, ich hör dir trappsen.

  • Christoph sagt:

    Nur für die Redaktion: Meinen Kommentar, der leicht erkennbar nur an Sie gerichtet war, veröffentlichen Sie (siehe oben, 15:53), aber den zuvor gesendeten Kommentar, der grundlos nicht aufgeschaltet wurde, veröffentlichen Sie nicht? Im Ernst jetzt? Da liegt aber dann ein schweres Problem mit der Achtung der Meinungsfreiheit vor.

  • J. Kuehni sagt:

    Die EU, das „verpöhnerte“ Friedensprojekt.

    • J. Kuehni sagt:

      Wo anfangen?

      Vielleicht bei der titelgebenden Aussage. Die suggeriert, da von einem „Projekt“ die Rede ist, durchaus auch eine zukunftsorientierte Dimension: Die EU als Projekt sichert in Zukunft den Frieden. Darüber kann man zwar streiten, allerdings suggeriert der Umkehrschluss, dass da schon was dran ist: Der Zerfall der EU und die Renationalisierung Europas riskiert den Frieden (es sei denn, die EU würde durch eine „bessere“ EU ersetzt). Man braucht wirklich wenig Fantasie, um sich auszumalen, wie ein Ende der institutionalisierten Kooperation unter dem EU-Banner zu mehr Konflikten, zu einem Machtvakuum nach Aussen und zu erhöhtem Kriegsrisiko führt. Völlig fantastisch ist hingegen die Umkehrbehauptung: Der Zerfall der EU und die Renationalisierung Europas sichert den Frieden.

      • Peter Aletsch sagt:

        „Völlig fantastisch ist hingegen die Umkehrbehauptung: Der Zerfall der EU und die Renationalisierung Europas sichert den Frieden.“ Reductio ad absurdum?Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es Umstände gibt, wo das zutreffen könnte. Würde es allerdings noch nicht behaupten. Die Abschaffung des EUROs beispielsweise ist für Südeuropa überlegenswert. Sicherte den Arbeitsfrieden. Wie erklären Sie, dass die friedliebendsten Staaten, Schweiz (Rotes Kreuz) und Norwegen (Friedens-Nobelpreis) und Vatikan nicht in der EU sind? In Europa ist die Friedensaffinität nicht gleichverteilt. Sie ist quasi unendlich hoch im westlichen Kerneuropa (deswegen EU ohne Belang), aber nicht so gross im Südosten.

    • J. Kuehni sagt:

      Wie sieht es mit der Vergangenheit aus?

      Selbstverständlich ist die EU bloss die Nachfolgeorganisation von Montanunion, EWG und EG, die – nebenbei – ebenfalls alle immer heiss umstritten waren. Trotzdem bleibt das in diesem Kontext eine spitzfindige Feststellung. Vielleicht kann man sich ja ans Grundprinzip all dieser Organisationen halten: Konfliktbewältigung durch institutionalisierte Kooperation inkl. Zwang zum Kompromiss statt Generalmobilmachung.

    • J. Kuehni sagt:

      Die Abwesenheit von Krieg ist nicht unbedingt Frieden. Tony Judt argumentiert in seiner Monumentalgeschichte „Postwar“, dass wir in Europa weniger den Krieg als vielmehr die unmittelbare Nachkriegszeit verdrängt haben: Von der Stunde Null bis zur Stabilisierung durch den Marschallplan ab 1948 herrschte das Chaos: Flüchtlingsströme (z.T. Völkerwanderungen), Hungersnöte, lokale Aufstände, Revanchismus, kommunistische Agitation, marodierende Soldatenverbände. Dass selbst die weltstärkste Besatzungsarmee eine militärisch besiegte und besetzte Region nicht vom Abgleiten in niederschwellige Bürgerkriege bewahren kann, darf täglich in Afghanistan und dem Irak besichtigt werden, mittlerweile seit 15 Jahren. Der Frieden muss eben auch gewonnen werden.

  • Bruno Fässler sagt:

    Europa war in der Tat seit den Verheerungen des Dreissigjährigen Krieges dauernd kriegerischen Ereignissen unterworfen. Natürlich erreichten diese erst mit den Kriegen von 1790 – 1815 wieder eine hohe Intensität. Der Autor übersieht, dass seit dem Amerikanischen Bürgerkrieg moderne Kriege ganz verheerende Auswirkungen auf die Kriegsführenden und die Zivilbevölkerung haben. Die Verhinderung solcher Fälchenbrände in Europa nach WK II ist dabei sicherlich auch der EU zu verdanken. Wer mit den anderen spricht und handelt, wer gemeinsames Geld in der Tasche hat, wer in anderen Ländern wohnt und arbeitet, der sieht europäsiche Freunde und keine Feinde. Dabei ist dem europäischen Friedensprojekt vor allem die friedliche Deutsche Wiederverinigung und die EU Osterweiterung zuzurechnen.

    • Peter Aletsch sagt:

      “ Die Verhinderung solcher Fälchenbrände in Europa nach WK II ist dabei sicherlich auch der EU zu verdanken. “ Ganz einfach gedanklich ein Schmarren!

  • Christoph sagt:

    „Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht.“ Keines der Kriterien kann meinen Kommentar betreffen, und doch schalten Sie ihn nicht frei. Schwache Leistung, Redaktion! Vielleicht künftig besser Beiträge von Ralf Pöhner als Kritik an seinem wirklich richtig schlechten Text weglassen.

  • Oliver van der Waerden sagt:

    Die EU ist im Rahmen des transatlantischen Bündnisses für die „häuslichen Arbeiten“ in Europa zuständig, bombardiert wird natürlich nicht in der Küche, sondern anderswo. Der „Frieden“ in Europa rührt daher, dass hier der Kuchen verteilt ist. An den Grenzen der US-Einflusssphären kracht es dagegen ganz gewaltig.
    Dass die NATO der Welt Frieden gebracht habe, haben wir darum zurecht nicht eingetrichtert bekommen.

    • Gerhard Engler sagt:

      Der Kuchen war in Mitteleuropa schon um 1900 verteilt. Und trotzdem gab es hier nochmals zwei Weltkriege.

  • Alexander Falcon sagt:

    Es ist richig, dass man Korrelation und Kausalität unterscheiden muss. Sie sagen, dass es zwischen der Friedenszeit in Europa unter den Gründungsstaaten der EU (wie es in der Legende der Grafik heisst) und der Gründung der EU (bzw. ihrer Vorläuferorganisationen) keine Kausalität gibt. Das ist meiner Meinung nach klar falsch. Bis 1945 gab es (fast) ständig Kriege zwischen irgendwelchen europäischen Mächten (siehe Grafik), dass es dabei immer Regionen und Menschen gab, die davon nichts mitbekommen haben, ist irrelevant. Heute werden Kriege anders geführt (nie war der Blutzoll höher als im 1. und 2. Weltkrieg). Kriege mit kaputten Wasserleitungen zu vergleichen ist zynisch. Die EU hat viele Schwächen, aber sie hat zu Stabilität und Frieden in Europa beigetragen. Hoffen wir, dass es so bleibt.

  • Thomas Hartl sagt:

    Ralph Pöhner liegt falsch. Der alten EG haben wir viel zu verdanken, nicht aber den Frieden zwischen 1945 und 1989, denn während des kalten Krieges entschieden USA und UdSSR über Krieg und Frieden. Europa war lediglich ein potentielles Schlachtfeld, das durch die Drohung der atomaren Auslöschung zum Glück unbenutzt blieb. Politischen Spielraum hatte die EG wenig, einzig Frankreich behielt etwas Autonomie. Dass aber nach dem Zusammenbruch des Ostblocks nur sehr vereinzelt alte Konflikte aufbrachen, verdanken wir auch der EU. Es war für diese Völker einfach attraktiver, vom Wohlstand der EU zu profitieren, statt übereinander herzufallen. Dass es auch anders hätte kommen können, zeigt das traurige Beispiel Jugoslawien. Wir sollten nicht testen, ob Friede auch ohne eine EU funktioniert.

  • Karl Streiter sagt:

    Das ist anregend und hübsch argumentiert, durchaus lesenswert – und doch bleibt etwas, was für die „friedliche“ Wirkung der EU (und auch der NATO) spricht. Ich bin ein „Kind der Montanunion“, ich bin in Luxemburg aufgewachsen, und diese erste Europäische Gemeinschaft war ja – das ist aus dem Text ersichtlich – der Beginn der europäischen Einigung bis zur heutigen EU. Die Motive Jean Monnets sind bekannt, er überzeugte Robert Schuman und dieser Konrad Adenauer – wir sind da gar nicht mehr weit weg vom europäischen Trauer- und Staatsakt für Helmut Kohl, der vielleicht in Strassburg stattfinden wird. Was aber gern vergessen wird: wir in Europa sind der Sonderfall auf der Welt, meine Generation kennt keinen Krieg – fast überall um uns herum herrscht Krieg!

    • Peter Aletsch sagt:

      „fast überall um uns herum herrscht Krieg!“ In die Tuchman-Falle gefallen. Im Nachgang des gescheiterten Arabischen Frühlings treten halt die Nachwirkungen der erfolgreichen und nichterfolgreichen Diktatorenstürze auf. Diese Länder wurden ein halbes Jh. in einen Dampfkochtopf gepresst, der letzthin aufgesprungen ist. Weltweit aber hat die Anzahl Kriege und Opfer stets abgenommen. Vietnam! Biafra! Ost-Timor! Angola! Nicaragua! Russisch-Afghanistan! Malvinas!

  • Matthias Meier sagt:

    Friedensprojekt? Warum hat dann die EU so munter beim Putsch in Kiew mitgemacht? Wer glaubt es noch, wenn uns Politiker solche Dinge vormachen wollen wie von wegen Friedensprojekt, Demokratie, Menschenrecht, etc., etc.?

  • Mac Müller sagt:

    Die Relativierung von Krieg durch Herrn Pöhner gefällt mir ebensowenig wie der Kaugummi-Vergleich, der in mehrfacher Hinsicht hinkt. Wenn sich mehre Staaten auf einem Kontinent zusammentun, um Waren, Dienstleistungen, Geld und Menschen auszutauschen und ihre Grenzen niederreissen und ihre Stärken bündeln und ihre Schwächen ausgleichen, dann ist mir das tausendmal lieber, als wenn sie kriegerisch aufeinander losgehen. Warum die EU also kein Friedensprojekt sei, konnte mir der Herr nicht wirklich erklären.

    • Stefan Tabacznik sagt:

      Sehr richtig!

      • Mac Müller sagt:

        Felicitas Marti, es ist traurig, wenn die Menschen ihre Identität anhand von Staatsgrenzen festzumachen versuchen. Ein Spanier darf auch weiterhin Paella essen, ein Französe darf mit „vive la France“ die Marseillaise singen und ein Schotte Dudelsack spielen. Wäre die Schweiz Mitglied dürfte sie weiterhin Geld und die Löcher im Käse zählen. Und das sollte es sein, was die Identität ausmachen sollte. Niemand in der EU verlangt diesbezüglich den „Einheitsbrei“, den Sie beschreiben.

    • Felicitas Marti sagt:

      Das ist eben gerade der grosse Irrtum. „Menschen auszutauschen“ wie Waren und Geld, das erinnert an autoritäre Regime. „Grenzen niederreissen“ bedeutet nichts anderes, als den Menschen ihre Identität und ihre politischen Rechte zu nehmen, wie es in der UdSSR geschah. An der Spitze dieses Superstaats steht unweigerlich eine Diktatur. – Dass die Wanderungen nur in eine Richtung gehen, nämlich nach Westeuropa, beweist ja, dass das Konzept nicht funktioniert und die weniger entwickelten Länder ihre Fachkräfte verlieren und damit keine Zukunft haben. Der Autor hat Recht.

    • Peter Aletsch sagt:

      Um die Belle Epoque bis 1910 war Westeuropa wohl noch mehr transnational als heute. Intellektuelle und Künstler wanderten mehr zwischen Paris und Wien umher als heute. Sogar Konstantinopel war vor der Haustür mit dem Orient-Express ab Paris. Man kann bei Stefan Zweig (DIE WELT VON GESTERN) nachlesen, dass man nicht einmal einen Ausweis brauchte, um die Grenzen zu überqueren. Trotzdem brach die erste Ur-Katastrophe bald herein. Das Internet damals war die Telegraphie.

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