Was Facebook vom 17. Jahrhundert lernen kann

Die East India Company war das erste globalisierte Unternehmen – und verlor sich im Machtrausch. Das sollte Mark Zuckerberg beunruhigen.

Englische Machtdemonstration: Niederlassung der British East India Company im indischen Surat, um 1680. Quelle: Hulton Archive, Getty Images

1599 reichten Londoner Kaufleute der englischen Königin Elizabeth I. mehrere Petitionen ein. Diese forderten, dass England ein Unternehmen gründe, um in Asien Handel zu treiben. Konkret ging es darum, Gewürze aus dem fernen Osten einzuführen, was damals wegen der Dominanz der Niederlande im Handel in Asien ein schwieriges Unterfangen war.

Ende des Jahres 1600 erreichten die Petitionäre ihr Ziel, und die englische Königin unterzeichnete ein sogenanntes Charter – einen Freibrief. Dieser gewährte der neu gegründeten Gesellschaft das Monopol im Handel mit Asien, wobei der Fokus anfangs nicht auf Indien, sondern auf die Inseln Java, Sumatra, die Banda-Inseln sowie die Molukken ausgerichtet war. Das Charter war die Geburtsurkunde eines der ersten globalen Konzerne und Vorläufers der Globalisierung – der East India Company (EIC). Sie sollte den Subkontinent Indien nachhaltig prägen.

Mit Waffengewalt die Portugiesen vertrieben

Das Geschäftsmodell der EIC bestand darin, Silber und englische Textilien, vor allem aus Wolle, sowie in Europa gekaufte Waren am Roten Meer oder am Persischen Golf gegen Textilien zu handeln und diese in Java oder Sumatra gegen Gewürze zu tauschen. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts führte die EIC vor allem Pfeffer, Zucker, Salpeter und Indigo ein. Später ersetzte Tee aus China, der gegen indische Textilien und Opium gehandelt wurde, die Gewürze als wichtigstes Importgut.

Die erste Flotte der East India Company sticht in Woolwich in See (Stich von 1601). Foto: iStock

Schrittweise gelang es der EIC, sich in Asien zu etablieren: 1612 eröffnete die Handelsgesellschaft ihre erste Niederlassung in Surat an der indischen Westküste. Dies gegen den erbitterten Widerstand der Portugiesen, die dort den Handel beherrschten. Doch nachdem die EIC mehrere portugiesische Schiffe versenkt hatte, standen die Kräfteverhältnisse fest. Und vor allem hatte die englische Machtdemonstration den Mogulkaiser beeindruckt, der Anfang des 17. Jahrhunderts drei Viertel von Indien beherrschte. Denn er war auf Unterstützung auf dem Wasser angewiesen, da er keine Flotte besass. Die EIC wiederum brauchte das Plazet des Mogulregenten, um auf seinem Herrschaftsgebiet Handel zu treiben.

So hatte sich die Company 1612 in Indien festgesetzt – doch der Waffeneinsatz sollte der Beginn einer langfristig verhängnisvollen Entwicklung sein. Vorerst aber blühten die Geschäfte der EIC: Die Gewinne stiegen, und die Renditen betrugen im Schnitt pro Expedition 20 Prozent.

Verhängnisvolle Entwicklung zur Territorialmacht

Einschneidendes ereignete sich für die EIC 1707, als der Mogulherrscher Aurangzeb starb: Das Mogulreich zerfiel, und es kam zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Der Profiteur war die EIC, was Karl Marx so beschrieb: «and while all were struggling against all, the Briton rushed in and was enabled to subdue them all» («und währenddem alle gegen alle kämpften, eilte der Brite herbei und schaffte es, alle zu unterwerfen»).

Einen nächsten Durchbruch für die EIC bedeutete 1717 die Erlaubnis, im nordostindischen Bengalien freien Handel ohne Bezahlung von Zöllen zu betreiben. Doch unternahm die Gesellschaft nach diesem Erfolg weitere Schritte weg von einer Handelsgesellschaft zu einer Territorialmacht – und damit in Richtung Untergang, wenngleich schleichend und langsam.

Er stellte sich der EIC entgegen: Der Mogulherrscher Aurangzeb 1702. Quelle: Wikimedia

Nach einigen militärischen Erfolgen erhielt die EIC in Bengalien das Recht, Steuern einzutreiben, und sie baute mit den Einnahmen eine Armee auf. Deren Kosten stiegen jedoch vor allem während des siebenjährigen Krieges 1756–1763 überproportional; parallel zur Entwicklung zur Territorialgewalt in Indien nahm die Korruption innerhalb der EIC zu. Die Company hatte sich zu einem Staat im Staat gewandelt. Dies blieb im fernen London nicht unbemerkt: Ein EIC-Kritiker verglich den Zustand mit dem alten Rom, das an Verschwendungssucht zugrunde gegangen sei.

Facebook droht ähnliches Schicksal

Doch war der Zerfall der Company nicht mehr aufzuhalten; 1773 überwies der englische Staat dem klammen Unternehmen 1,4 Millionen Pfund, um den Konkurs abzuwenden. 1784 wurde die EIC verstaatlicht.

Welche Folgerungen kann man aus der Geschichte der EIC ziehen? Die als Handelsunternehmen gegründete Company leitete ihr Ende ein, als sie sich vom ursprünglichen Gründungszweck entfernte und sich im Machtrausch als Territorialgewalt in Indien verlor.

Analog gibt es heute Konzerne, die die Bodenhaftung verloren haben und Macht anhäufen, wie Facebook und Google. So entstand Facebook ursprünglich, um Leute zu vernetzen. Der Konzern hat sich jedoch immer mehr davon entfernt, Menschen zusammenzubringen, und ist stattdessen zu einer intransparenten Macht- und Datensammlungsmaschine mutiert. Und so dürfte es eine Frage der Zeit sein, bis der Staat die Macht von Facebook bricht – und damit gleichzeitig die Freiheit vieler Menschen erhöht.

8 Kommentare zu «Was Facebook vom 17. Jahrhundert lernen kann»

  • Jessas Neiau sagt:

    Reines Geschwafel ohne dahinter stehendes Fachwissen. Auf dieser Grundlage kommt im letzten Absatz dann die Moral von der lächerlichen Geschicht‘: von wegen Facebook, Google, Freiheit, blablabla. Ganz klar ist, dass hier überhaupt keine grossartigen Folgerungen aus dem Geschick der EIC gezogen wurden, sondern dass der letzte Abschnitt vor allem anderen geschrieben wurde. Solches ist nicht seriös und müsste als „Sponsored Post“ gekennzeichnet werden.

  • Leo Klaus sagt:

    Der Autor ist ganz offensichtlich kein Historiker noch hat er sich die Mühe gegeben vorher mal das Thema richtig zu googeln. Die East India Company wurde zunehmend mächtiger in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

    Erst nach dem grossen Aufstand in Indien (Indian Mutiny) im Jahr 1857 welcher dem englischen Imperium fast das Genick gebrochen hätte, wurde die EIC im 1858 verstaatlicht. Bis dann war sie eine sehr mächtige Kraft und ein Staat im Staat, aber ohne viel politische Kontrolle des britischen Parlaments.

    • Der Googler sagt:

      Wenn schon googeln, dann richtig: die EIC wurde 1784 ein Tochterunternehmen der Krone. Was soviel wie „verstaatlicht“ heissen kann.
      Ab 1858 wurden die Besitztümer der EIC verstaatlicht (nicht die EIC selber da ja bereits 1784 geschehen) und die EIC dann schliesslich im Jahr 1874 aufgelöst.

  • Ralf Schrader sagt:

    ‚Analog gibt es heute Konzerne, die die Bodenhaftung verloren haben‘

    Wie verliert ein Konzern ‚Bodenhaftung‘? Der Satz ergibt überhaupt keinen Sinn ausserhalb einer vulgären Form der Umgangssprache.

    ‚So entstand Facebook ursprünglich, um Leute zu vernetzen.‘

    Auch das ist falsch, FB entstand wie jede wirtschaftliche Struktur mit dem einzigen Ziel, Geld zu generieren. Ein Konzern ist ein Gebilde, welches ausschliesslich monetäre und überhaupt keine inhaltlichen Ziele hat. Egal ob Spitalkonzern, Stromerzeuger oder eben die parasitierenden Internetkonzerne. Es geht nie um Inhalt, es geht immer nur um Geld. Deshalb kann FB auch jede moralische oder politische Grenze unterlaufen, weil diese Grenzen nicht zählen.

    • Marc Berge sagt:

      Ich vermute, dass Herr Schrader keinen unternehmerischen Hintergrund hat, sonst wüsste er, dass jedes Unternehmen zunächst zwei inhärente Ziele verfolgt bzw. verfolgen muss:
      1. die Herstellung eines Produkts / einer Dienstleistung – das eigentliche Ziel der Unternehmung

      2. die Erwirtschaftung des Lebensunterhalts aller an der Herstellung des Produkts Beteiligten.

      Die Entstehung von Profit ist für eine erfolgreiche Unternehmensführung nicht zwingend notwendig.

      • Anh Toàn sagt:

        Unternehmen sind per Gesetz gewinnorientiert. Dies ist zu unterscheiden von Gemeinnützigkeit: Ein Kartoffelproduzent sagt, er arbeite dafür, dass alle etwas zu essen haben, das wäre Gemeinnützigkeit, aber er arbeitet für seinen Gewinn. Und wenn es mehr Geld für Kartoffeln von Schweinezüchtern gibt, verkauft er die Kartoffeln an diese und sagt noch immer, er arbeite daran, dass alle Essen haben, denn die Schweine werden auch gegessen: Dass aber direkt mit Kartoffeln essen viel mehr Menschen Nahrung hätte, als mit dem Umweg über Schweinefleischproduzenten ficht den Kartoffelhersteller in keiner Weise an: Sein Ziel ist Geld verdienen, Kartoffeln sind sein Mittel, genauso wie die Arbeitenden auf seinen Feldern: Zu denen ist er (idealerweise) gut, damit sie für ihn arbeiten, er Gewinn erzielt.

      • Anh Toàn sagt:

        „Die Entstehung von Profit ist für eine erfolgreiche Unternehmensführung nicht zwingend notwendig.“

        Habe ich von einem Wirtschaftsanwalt auch gehört, entscheidend ist, dass mehr Cash reinkommt als rausgeht: Tesla hat noch nie echte Gewinne gemacht, bestenfalls mal ein positives Quartalsergebnis auf Ebitda (Vor Zinsen und Abschreibungen, – Steuern zahlt Tesla nicht, daran sieht man, dass die kein Geld verdienen) Solange mit Finanzierung mehr Flüssiges reinkommen als das Unternehmen laufend verbrennt, geht das Unternehmen nicht tot. Nur irgendwann hat niemand mehr Bock, da Geld einzubringen.

      • Anh Toàn sagt:

        Tesla wird auch nie Gewinne machen, wer da Geld reinschmeisst, wird es verlieren, der einzige, der Gewinne macht, ist Elon Musk: Die Tesla Jünger protestieren, der nimmt ja nicht mal Gehalt, aber bei einer Kapitalerhöhung hiess es, die sei zur Hälfte wegen den Steuern, die der Herr Musk bezahlen müsse wegen was er Tesla verdient habe: Die IRS weiss, wieviel Herr Musk mit Tesla bisher verdient hat, ist verdammt viel: Ich glaube da den US Steuerbehörden mehr als denen die Nachplappern, Musk arbeite gratis für Tesla, er wolle die Welt verbessern, etwas für die Menschheit tun: Vielleicht geht es ja Greta auch nur um ihr Ego, Musk geht es nicht nur um sein Ego, er will Geld verdienen!

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