Die vielseitige Regentin, die dem Schicksal trotzte

History Reloaded

Isabella von Portugal auf einem Gemälde des Malers Petrus Christus, entstanden 1457–60. (Foto: Groeningmuseum)

Finanzministerin, Kommunikationschefin, Diplomatin und Mäzenin. Das wären moderne Bezeichnungen für die burgundische Herzogin Isabella von Portugal (1397–1471). Wer war diese herausragende Regentin des 15. Jahrhunderts? Isabella von Portugal besass viele Talente. Sie stattete Kreuzzugschiffe aus, besass ein eigenes Handelsschiff, verwaltete die Finanzen des burgundischen Hofes und übernahm die Regierungsgeschäfte, wenn ihr Gemahl Philipp der Gute (1396–1467) abwesend war.

Als Mäzenin machte sich Isabella von Portugal durch prachtvolle Kunststiftungen einen Namen. Ein Beispiel ihrer Kunstsinnigkeit lässt sich noch heute im Historischen Museum Basel bewundern. Hier steht eine über einen Meter hohe Votivtafel aus Messing, die ursprünglich im Basler Kartäuserkloster angebracht war. Darauf zu sehen ist ein Bildnis der Herzogsfamilie. Im Gebet knien Isabella von Portugal, Philipp der Gute und ihr Sohn Karl der Kühne vor der trauernden Muttergottes. Vorgeführt werden die Eheleute von ihren jeweiligen Schutzheiligen, dem heiligen Andreas und der heiligen Elisabeth.

Die Gedenktafel im Historischen Museum Basel. (Foto: PD)

In den 1440er-Jahren schickte die Herzogin dieses riesige Familienporträt als Visitenkarte nach Basel. Hier tagte in den 1430er- und 1440er-Jahren die europäische Kirchenelite anlässlich des Konzils. Vor diesem internationalen Publikum wollte Isabella die burgundische Herzogsfamilie präsentieren.

Politik und Heilsvorsorge

Die Tafel erinnert daran, dass die Herzogin dem Kloster die hohe Summe von 1700 Gulden für den Bau zweier Zellen und den Unterhalt der darin lebenden Mönche gestiftet hatte. Dies beschreibt der fast die Hälfte der Tafel einnehmende Text. Auch an anderen Orten liess die Herzogin eine solche Votivtafel aufstellen, immer in Niederlassungen der Kartäuser. Denn dies war der Orden, den die Herzogsfamilie traditionell förderte. Modern gesprochen könnte man das Herzogshaus als Sponsoringpartner der Kartäuser bezeichnen. Die Stiftungen sollten einerseits das Seelenheil der burgundischen Familie sichern, andererseits demonstrierten sie deren weltlichen Ruhm. Auf diese Weise verknüpfte die Herzogin geschickt die religiöse Heilsvorsorge mit der Politik des burgundischen Hofes.

Die Votivtafel ist wie eine riesige Kupferstichplatte gearbeitet. Die Vertiefungen waren mit buntem Siegellack gefüllt und das Messing golden aufpoliert, sodass das Bild farbig in der Kirchenwand funkelte. Zusammen mit einem Starkünstler der altniederländischen Malerei wie Rogier van der Weyden oder Petrus Christus hat die Herzogin dieses innovative Meisterstück geplant.

Regierungserfahrung am portugiesischen Hof

Isabella von Portugal porträtiert von Rogier van der Weyden, ca. 1450. (Foto: Wikipedia, Getty’s Open Content Program)

Die Votivtafel fasziniert umso mehr, weil sich ausgehend von diesem Kunstwerk die beeindruckende Lebensgeschichte der Herzogin erzählen lässt. Ihr Wappen und der unter dem Bild stehende Text verweisen auf ihre portugiesische Herkunft. Die Eltern der Herzogin, König João I. und ihre Mutter, Philippa von Lancaster, eine englische Prinzessin, liessen Isabella die gleiche Erziehung angedeihen wie ihren fünf Brüdern. Wie diese lernte sie am Hof von Lissabon reiten, jagen, rechnen und Sprachen wie Italienisch, Französisch und Latein.

Nach dem Tod ihrer Mutter übernahm Isabella mit 18 Jahren deren politische Aufgaben. Als Philipp der Gute sich mit der 33-jährigen Isabella vermählte, ehelichte er eine erfahrene Politikerin. Vor der Hochzeit hatte Philipp seinen Hofmaler Jan van Eyck nach Lissabon geschickt, um die Prinzessin porträtieren zu lassen. Ihr Bildnis scheint ihm gefallen zu haben. Doch wählte der Burgunderherzog Isabella vor allem aus politischen Gründen.

Mutter Karls des Kühnen

Neun Monate nach ihrer Ankunft in den burgundischen Niederlanden gebar Isabella im September 1430 ihren ersten Sohn Antoine. Dieser starb nach 16 Monaten. Auch ihr zweiter Sohn Josse verstarb kurz nach seiner Geburt. Wie Isabella mit diesen Schicksalsschlägen umging, wissen wir nicht. Doch wird sie in Quellen als besonders unerschrocken und diszipliniert beschrieben. Als Isabella mit ihrem dritten Sohn schwanger war, unterstützte sie noch Philipp den Guten bei militärischen Operationen auf dem Schlachtfeld.

Schliesslich brachte Isabella am 10. November 1433 ihren Sohn Karl, den späteren Karl den Kühnen, zur Welt. Blickt man auf die Votivtafel, ist zu erkennen, dass die beiden verstorbenen Söhne hinter Isabella mit einem Kreuzzeichen dargestellt sind, während Karl als Thronfolger in vollem Ornat neben Philipp dem Guten kniet. Von Isabella soll Karl der Kühne seinen Arbeitseifer und sein Interesse an Finanzfragen geerbt haben.

Es wird Zeit, dass Museen zeigen, welchen persönlichen Mehrwert sie Besuchern bieten können. Denn die Geschichten hinter Kunstwerken und historischen Objekten bieten spannende Alternativen zu TED-Talks und Karriereratgebern. Das zeigt das Beispiel der Votivtafel der Isabella von Portugal. Ihre Biografie verdeutlicht, wie wichtig eine umfassende Ausbildung, Disziplin, Ehrgeiz und Kreativität sind und wie man aus der Annahme seiner Lebensumstände heraus Grosses bewirken kann.

23 Kommentare zu «Die vielseitige Regentin, die dem Schicksal trotzte»

  • Margrit Kuhn sagt:

    Werte Frau Lucas, vielen Dank für diesen spannenden Artikel und Ihre Anregung, vermehrt die Geschichten hinter den Bildern, Kunstwerken und historischen Objekten zu erzählen. Auf dem einen Bild gleicht Isabella von Portugal ihrem Grossvater John of Gaunt. Somit war Karl der Kühne ein Urenkel vom 1. Duke of Lancaster, wieder etwas dazu gelernt.

  • Peter Bucher sagt:

    «Sie stattete Kreuzfahrtschiffe aus, …» Tatsächlich? Waren es nicht eher Kreuzfahrerschiffe?

  • Ernst Bucher sagt:

    Der Trumpismus, in seiner Rüpelhaftigkeit , Kulturlosigkeit , und Eingebildetheit scheint auch allmählich in der Schweiz Fuss zu fassen wie der Kommentar von Cédric Ruckstuhl beweist!

    • Tom Müller sagt:

      @EB: Wie hätten Sie es denn gesagt/geschrieben?

    • Cédric Ruckstuhl sagt:

      @Ernst Bucher
      Was genau werfen Sie mir denn vor? Dass mein Kommentar „trumpistisch“ sei, sagt genau so viel aus wie wenn jemand behaupten würde, Ihrer sei „hillarystisch“.

      • gabi sagt:

        „in Geschichte sehr belesen“ schreibt dieser „Cédric Ruckstuhl“ ebenfalls. Wir sollten das ganz nüchtern bewerten:

        Derselbe (bzw. dieselbe Web-Identität) will über Geschichte (insbesondere der Sowjetischen) Bescheid wissen, aber hat noch nie vom Holomodor gehört, scheint sich des Inhaltes des Ribbentrop-Molotov-Paktes nicht bewusst zu sein, ist offenbar unbekannt, dass die Alliierten, sich (nicht zuletzt mit dem Land&Lease-Act) zu Beginn des Krieges gegen Deuschland UND die SU stellten, weiss nichts von den Verbrechen und dem Angriffskrieg der SU VOR dem Start des „Grossen Vaterländischen Krieges“ 1941, geschweige denn von dem, was alleine Polen angetan wurde.

        Das ist nicht „trumpistisch“, sondern vor allem tschekistisch. Also aus derselben Ecke, die Trump ins Amt brachte.

      • Cédric Ruckstuhl sagt:

        @Gabi
        Also wie heisst das Ding jetzt? Homomor, Holomor oder (wie Sie zuletzt schrieben) Holomodor?
        .
        Ich schlage Hormon-Motor vor. Klingt am schneidigsten. Aber was es ist, weiss immer noch niemand. Egal, interessiert auch keinen.

      • gabi sagt:

        … Und Hauptsache, es erinnert sich auch niemand daran, an den Holodomor.

        – Nicht wahr?!

        Blöde Details, die nur von der Glorie des „Grossen Vaterländischen Krieges“ und dem „Kampf gegen den Faschismus“ ablenken.

        (insbesondere, wo doch mit derselben Begründung auch in diesen Tagen fortwährend Unschuldige in der Ukraine umgebracht werden… Also jenem Land, das im 2. Weltkrieg am Allermeisten unter dem Terror der beiden irren Regimen zu leiden hatten, welche diesen Krieg begonnen hatten)

      • Cédric Ruckstuhl sagt:

        @Gabi
        Was dieses geheimnisvolle Ding ist, weiss immer noch niemand. Ein albanisches Kartoffelgericht? Ein rumänisches Erbsengericht? Oder könnte der Hormon-Motor eine neue Therapie zur Behandlung eines zu tiefen Testosteronspiegels sein? Gabi, bleib dran!

  • Rita Sophia sagt:

    Herr Ruckstuhl…fuer einen „belesenen…gebildeten..humanistischen Akademiker“ sind Sie nicht nur unhoeflich indem Sie andere duzen…sondern enorm ungebildet mit Ihrem Kommentar. Aber auf dem Internet kann man sich ja nennen was man will. Es hat auch keinen Sinn auf einen solchen unsaeglichen Kommentar einzugehen…ersparen Sie uns doch bitte weitere Erguesse. Vielen Dank!

    • Cédric Ruckstuhl sagt:

      @Rita Sophia
      1. Miriam hat sich nur mit dem Vornamen vorgestellt. Wie hätte ich sie korrekt siezen sollen, wenn sie mir nicht mal ihren Nachnamen genannt hat? Fräulein Miriam?
      2. Was genau an meinem Kommentar war ungebildet?
      3. Sie schreiben, man sollte auf solche „unsäglichen Kommentare“ wie meinen nicht eingehen, tun es dann aber doch.

  • Erhard sagt:

    “ Ihre Biografie verdeutlicht, wie wichtig eine umfassende Ausbildung, Disziplin, Ehrgeiz und Kreativität sind und wie man aus der Annahme seiner Lebensumstände heraus Grosses bewirken kann.“
    Ähem… jaklar. Kann das sein, dass Sie damit die 90% der völlig ungebildeten Menschen des Mittelalters, die aufgrund ihrer Geburt nicht den Hauch einer Chance hatten, einfach nur verhöhnen?
    Aber neine – wie man offensichtlich sieht, kann selbst eine völlig unterprivilegierte Königstochter, die sogar das Glück hatte, dass ihre Eltern sich um ihre Bildung kümmerten, im späteren Leben Grosses bewirken.
    Selten so gelacht!

    • Rita Sophia sagt:

      Schoen dass Sie das so lustig finden und selten so gelacht haben. Aber das kommt halt daher dass Sie anscheinend keine blasse Ahnung haben was mit dem Kommentar gemeint war…dazu hat Ihnen leider Ihre heutige privilegierte Ausbildung nicht verholfen. Nun lachen halt andere auch…aber ueber Sie!

  • Jon Grisch sagt:

    Ich, naturwissenschaftlich gebildet, Akademiker, in Geschichte sehr belesen, gehe davon aus, dass all die Dinge von denen ich noch nie gehört habe – also fast alle – mindestens genau so interessant sind, wie jene von denen ich was weiss.
    So sind die Menschen verschieden.

    • Cédric Ruckstuhl sagt:

      @Jon Grisch
      Dann wollen wir mal von Hans Meier sprechen, meinem Nachbarn. Von dem haben Sie noch nie etwas gehört. Also, heute morgen hat er sich am linken Ohr gekratzt. Dann ist er mit dem Bus in den Coop gefahren. Interessant, nicht wahr?

      • gabi sagt:

        Viel interessanter sind Kommentar von Ihnen, in welchen Sie Lesern hier allen Ernstes etwas von Hundertausenden von vergewaltigten Französinnen auf die Nase binden wollen, für was sie die Amerikaner verantwortlich machen wollen.

        Sie verbreiten hier „alternative Wahrheiten“, vom Ausgesuchtesten.

  • Cornelius Lodon sagt:

    Isabella von Portugal war eine interessante Person, und ich schätze es, dass Tamedia auch – selten – ausserhalb des Gender-Hypes und politischer Ideologie ungefiltert über Tatsachen und einflussreiche Frauen berichtet. Die besprochene Votiv-Tafel ist dafür ein hervorragender Aufhänger.
    Isabella von Portugal ist ein paar Jahre älter als die bedeutendere Isabella von Kastilien. Diese war eine willensstarke, charakterfeste, intelligente und höchst selbstbestimmte Frau. Sie heiratete Ferdinand von Aragon und befreite Spanien von der 800 jährigen maurischen Besetzung. Als smarte Geschäftsfrau finanzierte sie Cristopher Kolumbus und war damit vielleicht die erste erfolgreiche Venture-Capital Investorin.
    Eine weitere starke Frau war Elisabeth I von England. Die Enkelin Isabellas von Kastilien.

    • mina sagt:

      Elisabeth I. von England war keine Enkelin von Isabella I. von Kastilien. Deren Tochter Katharina war zwar in 2. Ehe mit Heinrich VIII. verheiratet, dem Vater Elisabeths. Aber diese war nicht das Kind von Katharina sondern von Anne Boleyn und Heinrich VIII.

    • Rita Sophia sagt:

      Sie haben recht Herr Lodon…und auch ich freue mich immer ueber solche Berichte…genau aus denselben Gruenden die Sie zitieren. Nur mit Elisabeth Tudor ist Ihnen ein kleinerer Fehler passiert…sie war nicht mit Isabella von Kastilien verwandt…sondern war die Tochter von Anne Boleyn. Aber Sie war wohl eine der staerksten Frauen der Geschichte…deren Einfluss noch immer bemerkbar ist und somit haben Sie recht dass Elisabeth einen besonderen Platz in der Geschichte Englands erworben hat.

  • Cédric Ruckstuhl sagt:

    Ich bin humanistisch gebildet, Akademiker, in Geschichte sehr belesen. Aber von dieser „vielseitigen Regentin“ habe ich noch nie etwas gehört. Ich vermute, über die wurde nur darum geschrieben, weil es eine Frau war und man keine bessere, bekanntere, interessantere fand.

    • Miriam sagt:

      Lieber Herr Ruckstuhl. Ich vermute, von dieser Regentin haben Sie noch nie etwas gehoert, weil sie eine Frau ist und in der „humanistischen Bildung“ traditionell v.a. ueber Maenner und deren Rolle in der Geschichte geschrieben wird. Freuen Sie sich doch ob des neuen Wissens!

      • Cédric Ruckstuhl sagt:

        @Miriam
        Liebe Miriam, was glaubst du denn warum in den Humanwissenschaften v.a. von Männern die Rede ist? Weil die Bedeutendes geleistet, unsterbliche Werke verfasst und grosse Denkarbeit geleistet haben, oder weil es Männer waren? Es gibt nun mal schlicht keine Frauen, die den Werken von Émile Durkheim oder Max Weber auch nur annähernd vergleichbares geleistet haben.

Kommentar

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