Wer tötete Bobby Kennedy?

Senator Robert F. Kennedy liegt verwundet auf dem Boden des Hotels Ambassador. 26 Stunden später erliegt er seinen Verletzungen. Foto: Bettmann Archive

5. Juni 1968, Los Angeles: Robert F. Kennedy, Senator und Präsidentschaftskandidat, lässt sich im Ballroom des Hotels Ambassador von Anhängern feiern. Gerade hat er die kalifornischen Vorwahlen der Demokraten gewonnen. Der 42-jährige Bruder des 1963 ermordeten Präsidenten John F. Kennedy ist ein Hoffnungsträger für ein liberales und gerechtes Amerika. Und er hat gute Chancen, nächster US-Präsident zu werden. Doch kurz nach seiner Siegesrede ereignet sich die Tragödie.

Als er auf dem Weg zum Pressesaal durch die Räume der Hotelküche geht und Hände schüttelt, wird Bobby Kennedy Opfer eines Attentats. Im Menschengedränge waren mehrere Schüsse gefallen. Kennedy wurde an Kopf und Schulter getroffen, eine dritte Kugel streifte seine Stirn. 26 Stunden später ist er tot, Kennedy ist seinen Kopfverletzungen erlegen. Es ist ein Tod, der nicht nur die USA erschüttert. Und es ist ein Mord, der bis heute nicht restlos aufgeklärt ist. Selbst in der Kennedy-Familie gibt es Zweifel an der offiziellen Version des Attentats.

«Kennedy must die»

Als Mörder verurteilt wurde ein Mann namens Sirhan Sirhan. Der palästinensische Einwanderer, damals 24 Jahre alt, hatte acht Schüsse mit einem Revolver abgegeben. Neben Kennedy wurden fünf weitere Personen angeschossen und teils schwer verletzt. Sirhan wurde noch am Tatort unmittelbar nach den Schüssen von ein paar Begleitern Kennedys überwältigt und der Polizei übergeben. Der Fall schien rasch geklärt: Es war die Tat eines «geistesgestörten, fanatischen Antizionisten», wie es in den Medien hiess. Sirhan soll beschlossen haben, dass der Präsidentschaftskandidat sterben muss, nachdem Kennedy im Wahlkampf verkündet hatte, dass er Kampfjets an Israel liefern würde. «Kennedy must die», stand in einem Notizbuch Sirhans, das die Polizei sicherstellte. Sirhan soll auch Schiesstrainings absolviert haben.

Sirhan Sirhan wurde für den Mord an Robert F. Kennedy verurteilt und verbüsst noch immer eine lebenslange Freiheitsstrafe in Kalifornien. Foto: Getty

Im Prozess hatten die Geschworenen keinerlei Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten. Am 23. April 1969 eröffnete ein Gericht in Kalifornien sein Urteil gegen Sirhan: Tod in der Gaskammer. Dazu kam es aber nicht. Die Todesstrafe wurde 1972 in eine lebenslängliche Freiheitsstrafe umgewandelt, nachdem das Oberste Gericht Kaliforniens den Vollzug von Todesurteilen untersagt hatte. Sirhan, inzwischen 74 Jahre alt, verbüsst heute noch seine Strafe. Er sitzt in einem kalifornischen Gefängnis. Sirhan hat bisher 15 Begnadigungsgesuche gestellt, zuletzt 2016. In drei Jahren wird er ein weiteres Mal seine Freilassung beantragen können.

Versäumnisse in den Ermittlungen

Wie schon beim Attentat auf John F. Kennedy kursieren auch bei der Ermordung seines Bruders Robert Verschwörungstheorien. Eine Theorie besagt, dass Sirhan beim Attentat auf RFK unter Hypnose gestanden habe. Dabei soll eine unbekannte Frau ihn an den Tatort geführt haben. Wenig überraschend wird bei solchen Theorien die CIA ins Spiel gebracht, oder die Mafia.

Sirhan widerrief nach dem Prozess sein Geständnis, zu dem ihm sein Verteidiger geraten haben soll. Sirhan behauptet nun seit Jahrzehnten, dass er sich nicht daran erinnern könne, auf Kennedy geschossen zu haben. Genährt werden die Verschwörungstheorien durch Ungereimtheiten, die es bei den polizeilichen Ermittlungen tatsächlich gab, von der Justiz aber nicht berücksichtigt wurden. Schlampereien und Versäumnisse gelangten nach und nach an die Öffentlichkeit.

Der zweite Schütze

Ein Mann engagiert sich schon seit 1974 für einen neuen Prozess im Mordfall RFK. Paul Schrade, heute 93 Jahre alt, war einer der Wahlkampfberater von Kennedy. Und er wurde Zeuge des Anschlags im Hotel Ambassador, aber auch Opfer. Schrade, der direkt hinter Kennedy stand, wurde von einer Kugel aus Sirhans Revolver am Kopf mittelschwer verletzt. Schrade ist überzeugt: Es gab einen zweiten Schützen, der den tödlichen Kopfschuss auf Kennedy abfeuerte. Vor allem: Sirhan stand vis-à-vis von Kennedy, dieser wurde aber von hinten in den Kopf getroffen.

Für die Theorie eines zweiten Attentäters spricht auch eine erst 2007 durchgeführte Analyse einer Tonbandaufnahme: Es wurden 13 Schüsse abgegeben. Sirhans Revolver fasste jedoch nur acht Kugeln. Mehrere Zeugen sagten aus, dass sie 10 bis 14 Schüsse gehört hätten. Warum solche Zeugen vor Gericht nicht angehört wurden, ist unklar.

Paul Schrade war ebenfalls Opfer des Attentats und engagiert sich seit 1974 für einen neuen Prozess. Foto: Getty

Paul Schrade hat in seinem Kampf um die ganze Wahrheit beim Kennedy-Mord prominente Unterstützung erhalten. Robert F. Kennedy Jr., das drittälteste der elf RFK-Kinder, ist bereit, sich zu engagieren. Der in den USA als streitbarer Umweltanwalt bekannte Kennedy-Sohn hat die Untersuchungsakten studiert und den verurteilten Todesschützen im Gefängnis besucht. Der Prozess gegen Sirhan sei nicht fair gewesen, sagte er kürzlich der «Washington Post». Auch RFK Jr. glaubt nicht, dass es Sirhan war, der vor 50 Jahren seinen Vater getötet hat.

RFK Jr. glaubt an die Unschuld des Palästinensers. Foto: Getty

4 Kommentare zu «Wer tötete Bobby Kennedy?»

  • Hans klein sagt:

    Ein von den grössten „Problemen“ war, dass Kennedys ihre Wahlkampagnen selber finanziert haben und unabhängig politisieren wollten. In Amerika geht das nicht. Dort MUSS man sich diese finanzieren lassen. Die Finanzierer haben dann das Sagen. Weil Kennedys das nicht wollten, wurden sie beseitigt.
    Das entscheidende war dass sie mit CIA Direktot Edgar Hoover, dem mächtigsten Mann Amnerikas und Kennedy Hasser, im Streit waren. Dadurch wurden beide Morde vertuscht befor sie begangen wurden.

  • Fritz Koller sagt:

    Sirhan sitzt immer noch im Gefängnis. In der USA ist eine lebenslängliche Gefängnisstrafe lebenslänglich, in CH sind es ein paar Jahre.

  • Peter Engels sagt:

    Ein Motiv macht noch keinen Täter.
    Im Fall Robert Kennedy wäre ein zweiter Schütze hinter ihm völlig unlogisch. Wer würde sich denn freiwillig genau in die Schußbahn eines Attentäters stellen, der mit acht Schüssen wild umherballert? Neben Bobby Kennedy wurden fünf weitere Personen zum Teil schwer verletzt. Jeder von ihnen – einschließlich eines möglich weiteren Schützen – hätte dabei auch ums Leben kommen können.
    Man sollte sich einfach mal in die Situation eines möglichen Attentäters versetzen und dann überlegen, ob man ein Attentat in dieser Art geplant und durchgeführt hätte. Mit etwas „gesundem Menschenverstand“ wird einem dann schon sehr schnell klar, dass ein geplantes Attentat wohl niemal einen solchen Verlauf genommen hätte.

  • Rudi Buchmann sagt:

    Früher fand ich die Verbindung der Kennedys mit der Mafia äusserst konstruiert und abstrus. Aber, wenn man weiss, welche Position Joe Kennedy, der Vater, während der Prohibition inne hatte und mit wem er zusammenarbeitete, wundert mich nichts mehr. Die Enttäuschung der Mafia über die Situation in Kuba war riesig. Und die Kennedys haben aus Sicht der Mafia schwer versagt.

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