«Überfremdung»: Geschichte eines Schweizer Begriffs

James Schwarzenbach, Initiator der Überfremdungsinitiative von 1970, die eine Reduktion des Ausländeranteils in der Schweiz forderte. Foto: Keystone

Seit über hundert Jahren wandelt das Gespenst der Überfremdung durch die politische Diskussion. Unabhängig von der Zahl der sogenannt Fremden entwickelte sich der Begriff zu einer Allzweckwaffe insbesondere der politischen Rechten.

Entstanden ist er im Jahr 1900. Da veröffentlichte der Zürcher Armensekretär Carl Alfred Schmid eine Schrift unter dem Titel «Unsere Fremdenfrage» und warnte erstmals von einer «Überfremdung» der Schweiz. Obwohl vor dem Ersten Weltkrieg die Zahl der Ausländer vor allem in den grösseren Städten sehr hoch war – teilweise über 30 Prozent –, stiess der Begriff zuerst auf wenig Resonanz. Immerhin wurde er 1914 in die Amtssprache aufgenommen. Was damit gemeint war, blieb zwar diffus. Doch für Bundespräsident Ludwig Forrer war klar: «Die Tatsache der Überfremdung der Schweiz steht fest.»

Mehr Ausländer? Mehr Einbürgerungen!

Das führte zu Lösungsvorschlägen, die heute eher erstaunen: Der Ausländeranteil sollte durch eine verstärkte Einbürgerung gesenkt werden; dies forderte auch Armensekretär Schmid. Diskutiert wurde die Einführung des ius soli, also des automatischen Bürgerrechts für Menschen, die in der Schweiz geboren werden. Selbst Zwangseinbürgerungen wurden ins Auge gefasst, weil liberale Politiker glaubten, die Assimilation gelinge mit dem Schweizer Pass leichter.

Mit dem Ersten Weltkrieg wurde die innereuropäische Migration verunmöglicht, und in der Schweiz bestand ein breiter Konsens darüber, dass etwas gegen die «wirtschaftliche Überfremdung» getan werden müsse. In den 1920er-Jahren wurde die frühere liberale Einbürgerungspraxis in ihr Gegenteil gekehrt: «Keine Einbürgerung ohne Assimilation» lautete nun die Devise der mächtigen, 1917 geschaffenen Fremdenpolizei unter ihrem Chef Heinrich Rothmund.

Das neue restriktive Zuwanderungs- und Einbürgerungsregime, das stark antisemitisch geprägt war, hatte zur Folge, dass der Ausländeranteil von 14,7 Prozent (1910) auf 5,2 Prozent (1941) sank. Dass diese Quote während des Krieges so stark sank, lag auch daran, dass die Behörden die Schweiz nur als Transitland für politisch Verfolgte sahen. Die bedrohten Juden galten ausdrücklich als nicht politisch Verfolgte. Insgesamt erhielten zwischen 1933 und 1945 gerade mal 644 politisch Verfolgte Asyl.

Die Linke warnt vor «Fremdarbeitern»

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einem unerwarteten Wirtschaftsaufschwung. Hunderttausende von vorwiegend italienischen «Fremdarbeitern» – später Gastarbeiter genannt – übernahmen Arbeiten, für die sich keine Schweizer mehr fanden. Aber schon nach wenigen Jahren fanden nicht nur die Behörden, sondern auch die Gewerkschaften den Zustrom so bedrohlich, dass 1953 eine Konferenz «vorsorgliche Massnahmen gegen die Überfremdung des Arbeitsmarktes» diskutierte.

Auch die gewerkschaftliche Linke, die in den «Fremdarbeitern» potenzielle Lohndrücker sah, warnte in den 50er- und 60er- Jahren immer wieder vor einer «Überfremdungsgefahr» und forderte mehrfach eine Plafonierung der Ausländerzahl. So meinte SGB-Präsident Arthur Steiner 1955: «Doch hat die Einwanderung in der letzten Zeit das tragbare Mass überschritten, was zu einem Unbehagen in der Arbeiterschaft geführt hat.»

Arbeiter für Schwarzenbach

Dieses Unbehagen griff 1961 der Winterthurer Sulzer-Monteur Fritz Meier auf und gründete die «Nationale Aktion gegen die Überfremdung von Volk und Heimat». Doch erst als der Grossbürger James Schwarzenbach das Parteiruder übernahm und eine zweite Überfremdungsinitiative lancierte (die erste der Zürcher Demokraten wurde 1968 zurückgezogen), erhielt das Thema seine Dynamik. In einem äusserst emotionalen Abstimmungskampf wurde die Schwarzenbach-Initiative im Juni 1970 mit 54 Prozent abgelehnt – wobei ein Grossteil der Arbeiterschaft dafür stimmte.

Schwarzenbach fiel es leicht, die Arbeiter zu gewinnen, hatten doch die Gewerkschaften mit ihrer Überfremdungsrhetorik während Jahren den Boden vorbereitet. Trotzdem wurde seine Überfremdungsinitiative und vier weitere in den folgenden Jahren abgelehnt.

Auf «Überfremdung» folgte «Asylmissbrauch» …

Nach Schwarzenbach nahmen sich kleinere Parteien am rechten Rand in den 80er-Jahren des Themas an. Nun stand allerdings nicht mehr der Begriff der Überfremdung im Zentrum, sondern es ging gegen den «Asyl-Missbrauch». Denn die einst so gefürchteten Italiener waren zu Lieblingsausländern geworden, die neuen Sündenböcke waren in dieser Zeit Tamilen, später gefolgt von den «Jugos».

Als 1977 Christoph Blocher die Führung der Zürcher SVP übernahm, formte er sie innerhalb weniger Jahre zu einer nationalkonservativen Kampforganisation um, absorbierte auch die «Überfremdungsparteien» und sorgte dafür, dass die Ängste vor den Fremden virulent blieben. Dass mit diesen Ängsten nun auch Abstimmungen zu gewinnen waren, zeigten unter anderem 2009 die Minarettinitiative und 2014 die Masseneinwanderungsinitiative.

… folgte «Masseneinwanderung»

Seit über hundert Jahren gehört der Begriff der Überfremdung, der eine Schweizer Eigenkreation ist, zum politischen Waffenarsenal. «Der Begriff (…) ist bis heute eine der wirkungsmächtigsten Parolen im politischen Diskurs geblieben, auch wenn er in den vergangenen Jahren vermehrt gemieden und durch andere Termini ersetzt worden ist», sagt der Historiker Patrick Kury, Mitautor der jetzt erschienenen «Schweizer Migrationsgeschichte».

Der Grund liege darin, so Kury, dass «Überfremdung» ein Begriff der politischen Verlierer sei. Tatsächlich gingen insgesamt fünf Überfremdungsinitiativen verloren.

41 Kommentare zu ««Überfremdung»: Geschichte eines Schweizer Begriffs»

  • J. Kuehni sagt:

    Der Begriff „Überfremdung“ wurde ja immer auch auf den Import von ausländischen Kulturgütern, nicht bloss Immigranten angewandt: Man erinnere sich an den Widerstand gegen „Negermusik“, Jeanshosen und sogar Pasta — ganz generell irgendwelche „neuen Mödeli“ — seien es nun Frauen-, Arbeiter-, oder sonstwelche Schutzrechte, auch egal welcher Provenienz; bin sicher, die frankophile Oberschicht wurde vor hundert Jahren genauso misstrauisch beäugt, wie heute irgendwelche „vaterlandslosen, liberalen Eliten“. Nicht zu reden von der verdächtig übermässigen Applikation der neudeutschen Sprache, nowadays.

    • J. Kuehni sagt:

      Die Schweiz hat keine eigene Kultur. Alles wird aus dem Ausland importiert, schon immer, die Abgrenzung gegen jenes ein rein politischer Willensakt (darum ist eine reibungslos funktionierende EU für unser Land DIE Horrorvorstellung! Welchen Grund hätten französisch- und italienischsprechende Minoritäten noch, um sich an irgendwelche innerschweizer Metateutonen zu ketten?).

      Weil wir keine eigene Kultur haben, muss alles Fremde zuerst abgelehnt werden. Die Kehrseite dieser fundamentalen Unsicherheit ist dann, dass wir umso erfolgreicher vom Fremden assimiliert werden: Die Ex-Jugos wählen SVP und tschutten besser als jeder Eingeborene in der Nati, während die „Tschinggen“ von anno dazumal wegen dem „Balkan-Abschaum“ ganz schweizerisch in mehrbessere Quartiere umgezogen sind.

  • Hans Klein sagt:

    Unsere dreckige Strassen putzen, umsere stinkige Kehricht sammeln und verbrennen, in den Fabricken am Fliesband stehen, von uns verschissene WC von Hand putzen, Löcher durch die Berge bohren, Kranken operieren, heilen und pflegen, unseren Müttern und Vätern und unsere eigene Hintern in Pflegeheimen putzen, bekochen, bewaschen, bewirten, be… Ärzte, Ingenieuren, Doctoren, Konstrukteuren unserer ganzen Geselschaft ohne die wir alle hochnäsige, eingebildete, selbstverliebte, grössenwahnsinnige Schweizer eine riesige NULL währen !!! Das waren zu viele von uns allerlei James Schwarzenbach und sind heute immer noch zu viele davon, die feinen, in Nadelstreifen-Anzgen und Pfaifen im Grossmälern in Millionenvillen am Seeuffern lebnde Eidgenossen. Geld wollen wir, aber keine Ausländer.

    • Rolf Zach sagt:

      Sie haben keine Ahnung, was die unterste Schweizer Schicht vor 1950 durchmachte. Untersuchen Sie einmal, was die Schweizer für Chancen hatten, die ihre miesen Schulen auf dem Land besuchten. Es war gleichgültig, ob es reformierte oder katholische Gegenden auf dem Land waren, überall gleich. Diese Jugendlichen hatten keine Aussicht auf eine Lehre, von einem Studium gar nicht zu reden. Sie waren auf dem Land Knechte und Saisonarbeiter, in der Stadt Hilfsarbeiter und Dienstmädchen.
      1939 gab es Bilder auf der Landesausstellung, die von einer schrumpfenden Bevölkerung von damals 4 Millionen sprachen.
      Nach 1953 kam der Wirtschaftsaufschwung.
      Hat man die Löhne erhöht und rationalisiert? Nicht, die Bohne, man holte billige Italiener. In den 50er Jahren verhungerten bei uns die AHV-Rentner!

    • Cyrill Hess sagt:

      Sehr geehrter Herr Klein
      Bitte projizieren Sie Ihre Selbstverachtung nicht auf die gesamte Schweiz. Die Schweiz hatte sogar eine sehr starke Kultur, es war nicht eine Hochkultur wie im heutigen Deutschland oder Österreich, aber sie war sehr kräftig. Sie verwechseln den heutigen zivilisierten Schweizer mit dem kultivierten Schweizer. Ein kultivierter Schweizer verachtet den heute vorherrschenden Wirtschaftsliberalismus gepaart mit dem Kulturmarxismus.
      Was darauf folgen wird dürfte Ihnen auch klar sein…

  • Eric Weber sagt:

    James Schwarzenbach ist für mich der beste Politiker, den die Schweiz je hatte. Er war ein ganz feiner Mensch und der Zeit um Jahre voraus.

    • Hans Peter Gisler sagt:

      Dieser feine Mensch war einer der aktivsten Fröntler (Nazis) und Antisemiten in der Schweiz vor dem zweiten Weltkrieg. Seine damalige Gesinnung hat sich auch in seinem Krieg gegen jene Fremden ausgedrückt, die die halbe Schweiz neu gebaut und die Nationalstrassen übers Land gelegt haben, gegen die Tschinggen, wie man sie abfällig nannte. Menschen zweiter Klasse, wie J.S. und viele Eidgenossen dachten, die immerhin die Drecksarbeit erledgten, die wir nicht (mehr) tun wollten. Das kann man natürlich fein finden…

      • Rolf Zach sagt:

        Nichts gegen die „Tschinggen“! Was Sie über Schwarzenbach schreiben wegen „Fröntler“ und Antisemitismus stimmt natürlich. Aber Sie haben natürlich den automatischen „Antifaschismus“-Reflex, den leider die meisten Linken haben.
        Sie fragen sich natürlich nicht, wer diese Fremdarbeiter geholt hat und dann wie Pilatus die Hände in Unschuld wusch.
        Im Artikel wird erwähnt, dass die Gewerkschaften gegen diese Einwanderung waren. Kann sein, das breite Volk hat es nicht gemerkt!
        Das Saisonarbeit-Statut war eine Lieblings-Sache der Unternehmer von damals (wurde übrigens in die Schwarzenbach-Initiative eingebaut) und Blocher erfreut es noch heute. Eine richtige Lohn-Drückerei.
        Was mich ärgert, dieser Hochmut der linken Intellektuellen über das Volk, das Schwarzenbach zustimmte.

      • Mark Reist sagt:

        Die Fremdarbeiter wurden nicht geholt, sie sind freiwillig gekommen, weil in ihren Herkunftsländern wirtschaftliche Perspektiven fehlten. Daran hat sich bis heute nur wenig geändert, wenn überhaupt. Weshalb?

  • Jessas Neiau sagt:

    Herr Buomberger will Historiker sein und behauptet, der Begriff „Überfremdung“ sei eine Schweizer „Eigenkreation“. Das stimmt nicht – den Begriff gab es im deutschen Sprachraum schon viel länger, zuerst i,m Zusammenhang mit Sprache, aber bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Deutschen Reich auch im Zusammenhnag mit der dortigen ostjüdischen Zuwanderung. Warum verbreitet ein „Historiker“ solche Unwahrheiten? Ich gehe wohl nicht fehl in der Annahme, dass Herrn Buombergers Denken vor allem linksseitig stattfindet und dass er eigentlich nicht die Historie deuten, sondern die aktuelle Lage beeinflussen will. Netter Versuch.

  • Maurizio Quarti sagt:

    62 Jahre habe ich in der Schweiz nur Fremdenhass erlebt und war davon betroffen weil meine Mutter abtrünnig wurde und einen Tschingg heiratete. Glücklicherweise habe ich vor 3 Jahren dieses terrestrische Paradieslein verlassen und spüre am neuen Ort nichts mehr von dieser Paranoia. Wahrscheinlich führt der permanente Minderwertigkeitskomplex zu solchen Auswüchsen. Der wäre aber noch viel grösser, würden alle nicht 100% Schweizer des Ländchens verwiesen. Die 100’000 Restschweizer würden sich dann noch elender fühlen.

  • Roland Rawyler sagt:

    Hätten wir damals der Schwarzbach – Initiative zugestimmt, wäre die Situation heute anders in der Schweiz, als wie sie sich momentan darstellt, da bin ich absolut überzeugt !

    • Rolf Zach sagt:

      Die Schwarzenbach-Initiative war absolut untauglich, vor allem mit diesem dämlichen Zusatz wegen keinerlei Beschränkung des Saison-Arbeiter. Saisonarbeiter-Statut kann sich sehr schnell zu einer Art moderner Sklaverei entwickeln, wenn dieses Statut nicht staatlich überwacht wird. Der Herr aus Herrliberg ist ja bekannt, dass er dieses Statut unter dem Namen Kontingent wieder einführen will. Gleichzeitig ist er gegen flankierende Maßnahmen. Das richtige Rezept, dass dann Schweizer Arbeiter auf Fremde losgehen und umgekehrt. Gut für internationale Schlagzeilen über Unruhen in der Schweiz. Sehr gut für all diejenigen auf dem Bankenplatz, die diesen Herrliberger vergöttern. Sie werden bestimmt viele Kunden aus dem Ausland gewinnen.

  • Minger Ruedi Schuepfen sagt:

    Massenauswanderung gruss von einem Auslandschweizer 2.Klasse (10 Jahre keine Ergaenzungsleistungen im Gegensatz der Auslandschweizer die in der abgelehnten EU wohnen!)

  • M Lau sagt:

    „Überfremdung“ was für ein diskriminierendes Wort. Es gibt da auch noch die „Überalterung“, die trifft jeden einmal, früher oder später, da gibt es kein Entrinnen.

  • Werner sagt:

    Es gehört zur Taktig der linken Globalisierer, sämtliche Begriffe, mit denen die politischen Gegner ihren Standpunkt ausdrücken, negativ zu besetzen. Nun ist also das Wort Überfremdung, das Kernargument der Schweizer, die für den Erhalt der Schweiz und der Demokratie einstehen, dran. Es wäre an der Zeit, die Bevölkerung darüber aufzuklären, dass die SP die Masseneinwanderung als Waffe benützt, um die Schweizerische Identität und letztlich die Schweiz zu zerstören und sie an die EU anschliessen zu können. Dasselbe gilt für den Missbrauch der Menschenrechte durch die Linke, der dazu dient, die Kämpfer für die Schweiz mundtot zu machen. Merke: Den Linken geht es nie um das Wohl der Immigranten, sondern um deren Eignung für die Destabilisierung der Schweiz.

    • Anh Toàn sagt:

      „die Schweizerische Identität “

      Was ist das?
      Ist die SP, deren Wähler und Mitglieder auch Teil davon oder nur die SVP?

      Gibt es ein Gesetz dazu?
      Schweizerischer Identität würde entsprechen, dies kantonal zu regeln. Also identisch wäre bei uns in der Schweiz, dass es 26 mal anders ist. Geil irgendwie, diese Schweizerische Identität, die muss bleiben, so wie sie ist.

      Wenn sich Leute öffentlich beschweren, dass sie mundtot gemacht würden, vermute ich, dass sie weit schlimmer denken, als sie sich äussern.

      • Rolf Zach sagt:

        Ich kann die Gedanken-Gänge von Werner schon nachvollziehen.
        1. Die Schweiz hat nie fremde Soldaten gehabt seit 200 Jahren, also ist unsere Macht-Elite göttlich und W. scheint eine Person zu sein, die diese Macht-Elite ohne Kritik ins Herz geschlossen hat, obwohl er selbst nicht dazu gehört.
        2. Die heutige Linke ist eine Linke, die bei dem Wort „Überfremdung“ im luftleeren Raum politisiert, was auch im Artikel zum Vorschein kommt. Das Volk leidet immer unter Einwanderung, sofern diese Einwanderung nicht substanziell zum Wirtschaftswachstum des Landes beiträgt und dafür sorgt, dass die Löhne der Einheimischen sich auch erhöhen.
        3. Was die Schweizer Identität betrifft, so ist diese bekanntlich die einer sogenannten Willens-Nation, eine schwierige Sache!

  • Anh Toàn sagt:

    Früher wurde „Assimiliation“ verlangt, ich halte folgendes für präzis:

    „bezeichnet in der Soziologie das Angleichen einer gesellschaftlichen Gruppe an eine andere unter Aufgabe eigener Kulturgüter und ist demnach eine Form der Akkulturation und ein Prozess des Kulturwandels.“ oder „Anpassung bis hin zum Aufgehen in der neuen Umgebung)

    Die Gesetze, der Volkswille verlangen heute Integration. Das ist viel weniger: Sprache, Erwerbstätigeit, Gesetze achten, Bürgerpflichten verstehen, Kultur kennen und verstehen, aber nicht annehmen, in etwa. Das ist richtig: Integration reicht als Voraussetzung für ein Bürgerrecht, und dieses ist Voraussetzung, dass irgendwann Assimiliation über Generationen entsteht, statt Parallelgesellschaften.

    • Anh Toàn sagt:

      Oder: Wären die Juden je assimiliert gewesen, gäbe es keine mehr. Um als Volk zu überlebenden, konnten sie nirgendwo in der Diaspora assimiliert sein. Mehr als integriert können die nicht sein, und sind sie und waren es wohl überall, wo man sie sich integrieren liess.

      • Rolf Zach sagt:

        Die Gretchen-Frage ist bei den Juden immer, ist es eine Konfession oder sind sie ein Volk. Nach dem Holocaust wurde das Volk betont, sonst hätte man ja Israel nicht gründen können. Vor Hitler war es eher die Konfession und die war durch Mischehen und freiwilliger Konversion in eine christliche Kirche ständig am abnehmen. Natürlich blieb auch ein Baron Rothschild ein stolzer Jude, aber sicher nicht ein Orthodoxer.
        Die meisten Juden, vor allem diejenigen, die Atheisten sind oder liberal, verstehen sich als Volks-Angehörige, was sie auch wegen dem Holocaust aus Loyalität sind. Bei den Glaubens-Juden zählt natürlich auch die dazugehörige Tradition. Dort kommt Konfession und Volk zusammen. Frägt sich, was ist zukunftsweisender für uns heute, Neues Testament, Talmud oder Koran?

    • Rolf Zach sagt:

      Was gilt in den USA als Leitkultur, die amerikanische Verfassung oder die katholische Latifundien-Kultur oder auch diejenige der verschiedenen orthodoxen und jüdischen Kultur-Gemeinschaften aus Ost-Europa?
      Im Hintergrund von praktisch jedem amerikanischen Bild sieht man die US Flagge und ist dies der Geist von Washington, Adams, Jefferson und Lincoln oder der von Lucky Luciano?
      Nie wird sich eine Elite einer von Einwanderern getragenen Kultur in ihren Grundfesten ändern und dies gilt auch für ihre Schäfchen. Es sei den, die Emigranten kommen als erfolgreiche Eroberer, aber auch da ist es nicht garantiert. Die britische Eroberung von Indien hat auch nur die einheimische Elite mit einem neuartigen Lack überzogen, dies war alles, sieht man am Beispiel von Gandhi.

      • Rolf Zach sagt:

        In den heutigen westlichen Staaten mit einem hochentwickelten Wirtschafts- und Sozialwesen (für viele könnte es besser sein, aber vergleicht es mit dem Kongo) kann es nur Assimilation geben. Integration ist ein „No Go“, weil Reste im rechtlichen Sinn der Parallelgesellschaft bleiben, die die Effizienz unseres Staates unterbinden.
        Jeder Einwanderer bei uns ist ein Einwanderer in unser Sozialsystem und wird von den einheimischen Steuerpflichtigen unterhalten. Wir haben die soziale Marktwirtschaft, die Indien und Vietnam nicht haben. Die Moslem bei uns erhalten vom Staat mehr Geld, als sie dem Staat abliefern, dies gilt nicht nur für Flüchtlinge, teilweise ist es sogar bei Arbeitsemigranten der Fall, vor allem nach 1980, da konnte man nicht genug Türken, Jugos und Portugiesen holen.

  • pepe müller sagt:

    54 Prozent der unter 6-jährigen die in der Schweiz leben, haben einen Migrationshintergrund oder sind Ausländer! Mehr gibt es zu diesem Artikel nicht zu sagen.

    • Thomas Hartl sagt:

      Vermutlich hat 100% der Schweizer Bevölkerung einen Migrationshintergrund, oder kennen sie jemanden, in dessen Familie seit 1291 kein Zuwanderer eingeheiratet hat? Massstab kann nicht der Migrationshintergrund sein, sondern die Integration. Und genau die wird durch Fremdenfeindlichkeit und Abgrenzung erschwert.

      • Anh Toàn sagt:

        @Thomas Hartl: Ganz genau, Integration braucht beide Seiten:

        Der Islam gehört nicht zu uns, aber die Muslime sollen sich integrieren bei uns.

        Und die, welche sich integriert haben, arbeiten, Steuern zahlen, werden noch immer nicht als integriert angesehen, wenn wie beim Döner Familienbetrieb um die Ecke, die Mutter noch ein Kopftuch trägt, dass die erwachsene Tochter keines trägt, ist nicht relevant in der Wahrnehmung fremdenfeindlicher Kreise.

      • raton lavor sagt:

        Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass 0% der Nichtschweizer keinen haben.

    • Anh Toàn sagt:

      Gebärpflicht oder Wurfprämien für Schweizer Frauen tut not, neue Söhne braucht das Vaterland.

      • Roland Rawyler sagt:

        Anh Toan, genauso argumentierten die Nationalsozialisten vor 80 Jahren auch, ich würde mich an Ihrer Stelle schämen, solche Vergleiche heute zu publizieren ! Frauen wurden von diesem wahnsinnigen Regime gezwungen, sich von sogenannten reinrassigen Ariern schwängern zu lassen, pfui Teufel, kann ich da nur sagen !

      • Anh Toàn sagt:

        Ich zeige nur auf, wie man dem pepe müller bei seinem Problem, zu viele ausländische, in seinem Verständnis, Kindern helfen könnte: Entweder es werden mehr Schweizer Kinder geboren, diese Variante halte ich für weniger zynisch als die andere: Es werden weniger ausländische Kinder geboren. Die Schweiz hat eine Geschichte mit Zwangssterilisation.

        pepe müller hat ein Problem mit ausländischen Kindern. Ich halte mich da an den Witz, in welchem das Kind die Frage, ob es auch Ausländer habe im Kindergarten verneint und hinzu fügt: „Da sind nur Kinder“

        Oder für Sie in einfach: Nicht ich bin der Nazi, der pepe müller ist der Nazi, ich sage es an die richtige Adresse, etwas versteckter und zynischer und sarkastischer, aber so national und patriarchal wie es gemeint ist.

    • Anh Toàn sagt:

      Das Kind, das ich mit einer Vietnamesin habe, ist für Sie auch mit Migrationshintergrund belastet: Ich werde ihm die Vorteile eines breiten Genpools und die Nachteile von Inzucht erklären.

      • Valerio Bastianini sagt:

        „Integration“, das ist für mich ein sehr ambivalenter Begriff. Was meint man genau damit? Muss man die ursprüngliche Kultur/Identität usw. vollständig aufgeben, die hiesige Sprache gänzlich beherrschen, sich komplett die schweizerische Mentalität einverleiben? Ich für meine Person behaupte, dass ich hier völlig integriert bin. In der Öffentlichkeit kommt niemand auf die Idee, dass ich kein „richtiger“ Schweizer sein könnte. Trotzdem denke ich nicht daran, meine Wurzeln zu verleugnen (vgl. meinen untenstehenden Kommentar). Bin ich jetzt deshalb nicht richtig integriert?

      • Anh Toàn sagt:

        Als Integrierter dürfen Sie weiterhin für die italienische Fussballmannschaft und Ferrari fanen, einen Fiat oder Alfa fahren. Wer dies verneint, verlangt Assimiliation von Ihnen. Aber wer dies verlangt, müsste konsequenterweise auch verlangen, auszubürgern, wer als geborener reiner Schweizer in der nachweislich 17ten Generation, ein Italien Spleen hat und für die Azzurri und Ferrari fant und Alfa oder Fiat fährt. Man müsste gesetzlich vorschreiben, wie ein Schweizer ist, was er denkt und glaubt und isst und fährt. Wann ist ein Schweizer ein Schweizer?

      • Rolf Zach sagt:

        Darf ich einmal Einwanderung definieren.
        1. Haben wir die Einwanderung aus den EU-Ländern, die ist frei, solange ein solcher EU-Bürger einen Arbeitsplatz erhält und die Bedingungen der Anstellung nicht die flankierenden Maßnahmen (Lohndumping) verletzen. Die SVP will aber mit der Beschäftigung von Ausländern Lohndumping unter allen Arbeitnehmern fördern, indem sie uns Schweizern als Schutz dagegen Kontingente verspricht (altes Saisonarbeiter-Statut). Bei Arbeitslosigkeit verschwinden diese Leute. Hat 1974 bei den Italienern funktioniert, aber nicht bei den Türken und den Jugos nach 1990. Ich rede von Arbeitskräften, nicht von Flüchtlingen! Die EU selbst wird alle Fäuste verwenden bezüglich Kontingente. SVP-Wähler werden 2019 mit Erstaunen feststellen, dass der SVP Kaiser nackt
        ist.

      • Rolf Zach sagt:

        2. Einwanderung in die unteren Schichten ist eigentlich dem Mittelstand egal, solange es ihre Arbeitsplätze und ihren Komfort nicht betrifft. Dies war besonders bei der Italiener-Einwanderung 1950 bis 1964 der Fall. Was interessierte die Beamten, die Angestellten und sonstige Akademiker diese Einwanderung. Es war das Problem der Landpomeranzen aus protestantischen und katholischen Landkantonen mit einer miserablen Schulbildung! Hohe Zeit der Links-Intellektuellen mit ihrem Gesäusel.
        Heute ein ständige Frust bei Kadern über die Einwanderung von ausländischen Akademiker für Führungsfunktionen in der Wirtschaft und beim Staat. Die anonymen Kommentare bei „Inside
        Paradeplatz“ sind ein Zeugnis davon. Ein schöne
        Menge EU-Feinde und SVP-Bewunderer.

      • Rolf Zach sagt:

        Nur vergessen diese Anbeter des SVP Götterhimmels, dass die Götter der SVP gegen die Europäische Sozialcharta sind, der hauptsächlichste Grund, weil sie zusammen mit der rechts-konservativen NZZ die EWR 1992 bekämpft haben. Kein Schutz für untere Schweizer Kader wie in der EU!
        Der SVP Göttervater ist den Deutschen als Kader in seinem Betrieb durchaus zugetan, die sind billiger und besser. Schließlich hat der Gründer dieser Fabrik den genialen Cheftechniker der IG-Monowitz Fabrik angestellt (eine Fabrik für das KZ Auschwitz), der entwickelte die Grilon-Kunstfaser.
        Dafür haben wir nun ein Türkendorf im Kanton Graubünden, was Anh sicherlich als Bereicherung unserer Kultur betrachtet.

  • Valerio Bastianini sagt:

    Als einer der wohl allerersten Secondos (Jg. 1949, alle Schulen in der Schweiz besucht, inkl. „Gfätti“) habe ich herzhaft gelacht über den Begriff „Lieblingsausländer“. Ich mag mich noch an die Zeiten erinnern, als wir die geringgeschätzten „Tschinggen“ waren. Trotzdem wurde ich rasch auf bestimmten Gebieten zum Vorzeigeschweizer, etwa, als ich in der Geschichtsstunde die Jahreszahl der Schlachten der alten Eidgenossen besser aufzählen konnte als meine Mitschüler (Morgarten, Sempach, Murten …), oder später, als es darum ging, die „richtigen“ (alten) Mundartausdrücke zu verwenden. Inzwischen bin ich längst Schweizer, habe aber den Bezug zu meinen Ursprüngen bebehalten. Beides gehört zu meiner Identität, das Schweizertum und die Italianità. Wunderbar, ich geniesse es!

  • theodor Rickli sagt:

    Das Thema ist eigentlich Ueberfremdung und es zeigt auf, dass z.B. Blocher nichts anderes ist als ein Nachplapperi seiner Vorgänger. Inglin zeigt hingegen klar auf, was ein Rechtspopulist ausmacht: Schuld sind die linken Parteien (die ja nicht in der Mehrheit sind, aber egal) und die durch linke Milliardäre unterdrückte freie Presse (dabei kontrollieren Blocher/Frey etc. mehr als eine Million Auflage). Und für die Armut sind auch die Linken verantwortlich. Ein tatsächlich einseitiges Weltbild eines Rechtspopulisten.

  • Meinrad Inglin sagt:

    Der Gebrauch des Terminus „Rechtspopulist“ outet jeden Schreiber als linken Ideologen. Die Medien ziehen die Grenzlinie zu lange zu weit links, und wer publiziert werden will, muss sich dem Meinungsdiktat beugen. Der Erfolg von nichtlinken Parteien hat wesentlich damit zu tun, dass legitime Positionen – wie zum Beispiel zum Sozialmissbrauch, zur Notwendigkeit eines Staatsfernsehens, oder der Flüchtlingspolitik – ungenügend im Parlament repräsentiert sind und von den selbsternannten Qualitätsmedien entweder totgeschwiegen oder lächerlich gemacht werden.
    Zum Armutsbegriff aber schweigen die Linken: Sie haben eine 35%ige Sockelarmut in der Schweiz gesetzlich verankert. Arm ist nicht, wer seine Grudnbedürfnisse nicht selber decken kann; arm ist, wer weniger hat als jemand anders.

    • Max Melchlin sagt:

      @Meinrad Inglin: ich weiss nicht, wie Sie dazu kommen, pauschal zu sagen, dass alle, die den Begriff „Rechtspopulist“ verwenden, linke Ideologen seien. Ich verwende den Begriff gerne (häufig noch mit dem Zusatz „bildungsferne Rechtspopulisten“ (was sie meistens sind), bin aber weder links noch ein Ideologe.

    • J. Kuehni sagt:

      Der Gebrauch des Terminus „linker Ideologe“ outet jeden Schreiber als Rechtspopulisten.

      Da haben Sie die Stichhaltigkeit ihrer Argumentation an den Absender retourniert, Herr Inglin, vielleicht merken Sie ja mal was.

Kommentar

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