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O’ zapft is!

In Bern steht die Kirche noch im Dorf: Denn das Oktoberfest wird tatsächlich im Oktober gefeiert, wenn auch im Untergrund der Wankdorfstadion-Mantelnutzung.

Europa League, Lichtspektakel: Die Schweizer Bundesstadt zeigte sich am Donnerstag von ihrer hauptstädtischen Seite. Mehr noch: Diese Woche wird in Bern auch das Oktoberfest gefeiert. Das merkten einige Tifosi der Gastmannschaft Udinese sowie der Schreibende dank der Worber Bierkutsche aus dem Hause Egger, die auf dem Kornhausplatz freundlicherweise den Weg Richtung Mantelnutzung des Wankdorfstadions wiesen.

Und so stieg unsereiner in die Mall im Norden der Stadt hinab, man erblickte mit schweren Augen den mit «Bierzeit» überschriebenen und von verschiedenen, auch lokalen Brauereien betriebenen Bierausschank und orderte sich ein gegärtes Getränk. Dieses wurde zwar nicht im originalen Mass ausgeschenkt, 2,5 DL im Plastikbecher mussten reichen. «O’ zapft is» in Bern bedeutet auch handliches Masshalten.

Natürlich gab es auch eine Festwirtschaft mit Bänken inmitten der Einkaufs-Rushhour, wo man Platz nehmen durfte und die Lieder, die der sehr nette und passionierte Akkordarbeiter DJ Pädu abgespielt hat, mitträllern durfte. Denn das war das Phänomen: Diese unvermeidlichen Lieder aller Skihüttenpartys und Festzelte – ob «Live is Life», der unselige RingoMcCartney-Song «Ob-La-Di, Ob-La-Da», das unsterbliche «I hät no vil blöder ta» von Gölä – entfalteten selbst in der grellen Neonlichtstimmung ihren gemütlichen Vorsichhinsingfaktor und trieben die internationale und fraternisierende Konsumseligkeit an, denn auch ein paar Fans aus Norditalien fanden den Weg in den Untergrund.

Ehe die Party dann aber wirklich begann, musste der DJ gemäss Zeitplan bereits sein letztes Stück spielen: Denn der Zapfenstreich feiert der Berner Oktoberfestler am Donnerstag bereits um halb acht Uhr.

Noch bis am Samstag: Das Berner Oktoberfest

Benedikt Sartorius

Benedikt Sartorius lebt seit dem Transfer aus dem Oberland in Bern und hat seit einiger Zeit Frieden mit der Stadt geschlossen. Eine gewisse Neigung zum Sandstein- und Laubenallergiker ist aber immer noch spürbar.


Publiziert am 26. Oktober 2012

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