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Alarmierendes aus dem YB-Trainingslager

Werden die Young Boys endlich mal wieder Meister? Die Bilder, die uns aus Gstaad erreichen, lassen eine gewisse Skepsis aufkommen.

Die Schweiz ist an der Weltmeisterschaft ausgeschieden. Zeit, sich wieder ums Wesentliche zu kümmern. Um die Frage: Wird YB in der nächsten Saison endlich mal wieder Meister? Nun ist es ja längst nicht mehr so, dass die Mannschaften erst beim Saisonauftakt aus der Dunkelkammer der Vorbereitung ans Licht treten und den Blick freigeben – auf schon wieder apart gestählte Torsi oder noch nicht vollständig austrainierte Sommerpausenbäuchlein.

Nein, mittlerweile gibt es auch für Aussenstehende Material, das schon vor dem ersten Anpfiff Indizien zum Formstand der Herzensmannschaft liefern. Besonders gilt das derzeit für die Young Boys. Deren Abteilung für Soziale Medien legt zwei Wochen vor dem ersten Saisonspiel eine Umtriebigkeit an den Tag, wie sie manch ein Feldspieler in der vergangenen Saison allzu oft vermissen liess. Schier in Echtzeit kann man in der Stadt verfolgen, was die designierten Helden in den Bergen oben treiben. Die Mannschaft weilt nämlich in Gstaad im Trainingslager. Nur – so viel vorweg – die Bilder, die uns da erreichen, vermögen nicht recht positiv zu stimmen.

Das fängt damit an, dass das keine ganze Mannschaft ist, die sich da in Gstaad verausgabt, sondern nur der Rest einer solchen. Im Mai schon hat man Doubai und Simpson vom Mannschaftstraining entbunden, weil ihre Gesundung nicht abzusehen war. Dann zerbrach der französische Rüpel Giroud ausgerechnet dem einzigen WM-Fahrer des Vereins, von Bergen, den Augenhöhlenknochen. Und als die Berner eben in Gstaad angekommen waren, riss sich der Rückkehrer Vitkieviez das Kreuzband. Und auch der Venezolaner Martinez ist nicht mehr da, er verzückt mit seinen Fallrückziehern nun die Piemontesen. Eingekauft hat YB nur gerade einen: Sékou Sanogo Junior, vom FC Thun. Wird er die bitter nötige Verstärkung sein? Ein Video gibt Aufschluss. Renato Steffen führt darin durch das Hotel Arc en Ciel, in dem YB logiert. Er kommt auch im Physioraum vorbei. Und was wir da sehen, mag uns nicht gefallen:

Direkt zur Szene: Renato Steffen führt durch das Hotel

«Nein, Nein, kein Problem». Hoffen wir, dass Sanogo Recht behält und sich rasch erholt. Er ist ja noch jung. Wie jung genau er ist, das wird im kleinen Vorstellungsvideo des sympathischen Ivorers allerdings nicht abschliessend geklärt:

Direkt zur Szene: Sékou Sanogo stellt sich vor

Nun ist es ja zweifelsohne so, dass Verletzungen mit einer gewissen Grundfitness wirksam vorgebeugt werden kann. Drum lohnt die Frage: Wie hart arbeiten die Spieler in Gstaad an ihrer Kondition? Hier stellt uns die Medienabteilung ein Bild zur Verfügung, das stutzig macht:

Ja, tatsächlich. Das sind Elektrovelos. «Nid gnue eigeti Chraft zum Tschaupe???», fragt sich eine irritierte Frau in der Kommentarspalte. Ein anderer meint: «Trainingslager????? Ender Landschuelwoche.»

Die Frage, ob elektroassistierte Ausfahrten dafür taugen, sich eine meisterliche Fitness zuzulegen, ist sicher nicht abwegig. Nun gut. Wenn sich die Spieler schon nicht mit eigener Kraft bewegen, bleibt zu hoffen, dass sie sich wenigstens gesund ernähren. Tun sie das? Es geht:

Cervelat. Bravo. Und die Stromer-Tour hat Samuel Afum wie’s scheint so wenig gefordert, dass er schon nach einer halben Wurst genug hatte. Ja, nicht mal recht durstig war er offenbar. Aber was will uns der Ghanaer mit seiner Geste bedeuten? Ist es eine Ansage? Hat er, der vor eineinhalb Jahren ja mit dem Hintergedanken erworben wurde, dass er möglicherweise hie und da als Torschütze einspringen könnte, tatsächlich vor, diese Saison fünf Tore zu schiessen? Das wären mehr als doppelt so viele wie in der vergangenen.

Aber ob es reicht, um YB zum Titel zu schiessen? Wohl eher nicht. Nein, es sieht leider ein klein bisschen danach aus, als ob uns eine weitere Saison zum Vergessen bevorsteht. Und dann hoffen wir auf die nächste. Vergessen und nach vorne schauen – das muss ja mittlerweile eigentlich die unangefochtene Kernkompetenz der YB-Spieler sein. Und hier zumindest, beim Vergessen, scheint man auf Kurs. Schon zwei Wochen vor dem ersten Spiel machen sich erste Anzeichen von Amnesie bemerkbar – bei einem der Jüngsten notabene:

Direkt zur Szene: Michael Frey im Interview

«So chunnt ds super», meint Michi Frey. Ach, wir hoffen es sehr.

timo

Timo Kollbrunner stapelte Klötzchen, als YB letztmals Meister wurde. Inmitten von Naturwiesen aufgewachsen, lebt er längst in der Stadt – und versucht, sich auf die Kunstrasensaison zu freuen.


Publiziert am 4. Juli 2014

1 Kommentar

  1. Natischer says:

    He, Herr Kollbrunner, wir sollten wenigstens bis zum ersten Meisterschaftsspiel meinen, es würde alles besser.

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  1. Natischer says:

    He, Herr Kollbrunner, wir sollten wenigstens bis zum ersten Meisterschaftsspiel meinen, es würde alles besser.

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