Was ist nur mit der Matte los? Die Broncos-Loge von Jimy Hofer ist per sofort nicht mehr in Betrieb, und auch das Restaurant Santorini streicht die Segel. Einst ergiebiges Terrain für das Ausgehvolk, verliert die Matte auf einen Schlag zwei gestandene Lokale. Das ist freilich nur die jüngste Entwicklung in einem Quartier, das seit Längerem von Umwälzungen betroffen ist. Ein Überblick:

    Der Wasserwerk-Club gibt 2011 das Aus für Ende Jahr bekannt. Der Grund: eine fehlende Überzeitbewilligung wegen Lärmbeschwerden aus der Nachbarschaft. Anders als beim Sous Soul kam das Aus dann zwar nicht unmittelbar, doch was dann folgte, war eine Art Schwanengesang aus ausgedünnten Partyreihen, vereinzelten Lesungen und weiteren Darbietungen aus der Sparte «leise Kultur». Inzwischen steht der Betrieb tatsächlich still. Und der angekündigte Nachfolge-Club in der Gewerbezone im Galgenfeld wurde nie eröffnet.
    Eine Nachfolgelösung bahnt sich im Silo an. Dort steht lediglich ein Pächterwechsel bevor, und der soll, wie gemunkelt wird, nicht mehr lange auf sich warten lassen. Das Silo ist nunmehr der einzige Betrieb im Quartier, in dem auch hin und wieder getanzt werden kann – ansonsten verlegt sich der Nachtschwärmer nun endgültig besser auf die Oberstadt.
    Mit der Broncos-Loge verliert die Matte nun eine Einkehr-Institution, eine mit Bierfilz, Rossschwänzen, Cowboyhüten und Whisky-Sortiment, die Alteingesessene, Security-Personal, Poller-Gegner und Blues-Liebhaber gleichermassen anzog. Mit ihrem über 25-jährigen Bestehen in diesem Winkel am Mühleplatz war sie doch immerhin eines der Urgesteine in der Berner Bar- und Konzertlokalszene, trotzte erst dem Nachtfahr- und dem Rauchverbot sowie dem Hochwasser, um jetzt letztendlich doch noch aufzugeben. Das Klima in der Matte mit seinen lärmempfindlichen Anwohnern, die den längeren Öffnungszeiten im Weg standen, sagt Hofer nicht mehr zu. Ein Nachfolgelokal hat der Ex-Patron vorerst nicht in Aussicht.
    Auch das Restaurant Santorini will die Tore schliessen. Und überlässt den Markt fortan der noch vorhandenen gastronomischen Konkurrenz, der Cinématte, dem Casa Novo, dem Zähringer und dem Mülirad. Der Grund? Überdruss im Allgemeinen und Ärger über die beschränkte Zufahrt im Speziellen.

Eine Stadt, in der der Wohnraum so knapp ist wie in Bern, wo die zentrumsnahen Wohnungen teurer und teurer werden, kann sich keine unkomplizierten Quartiere mit unkomplizierten Bewohnern mehr leisten. Mit Überzeitbewilligungen haben dann gerade noch jene Lokale zu rechnen, die sich an aufwertungsresistenten Unorten befinden, Schützenmatte sei dank.

Und jetzt? Jetzt läutet erst mal die Stunde der nostalgischen Abstinenzler, will heissen jener Leute, die zwar das Wasserwerk nicht mehr regelmässig frequentiert, die Broncos-Loge höchstens einmal aus Neugierde besucht und das Santorini wegen einer Auberginen-Allergie gemieden haben – und jetzt trotzdem das Aus dieser Lokale betrauern. Einfach, weil ein Stück Stadtleben verlustig geht. Sie haben ja recht. Es ist halt der alte Katzenjammer.

Hanna Jordi

Hanna Jordi lebt in Bern seit 1985. Etwas anderes hat sich bislang nicht aufgedrängt.


Publiziert am 2. Juli 2014

3 Kommentare

  1. Felix Müller says:

    Ein Vorteil von in den Familienalltag Eingebundenen wie mir ist, dass ich mich gar nicht mehr so oft in den Clubs rumtreiben kann, wie ich eigentlich gerne möchte. Aber dieser “Vorteil” gilt nur für Bern: Könnte ich nachts noch dicke raus, würde mir hier in dieser verpennten Stadt wohl meist das Gesicht einschlafen und die Hüfte einrosten: Einsprüchler und Verhinderer haben einem innovativen Nachtleben längst den Todesstoss gegeben.

    • Chris Rohrer says:

      Achtung Herr Meyer, Sie sind gefährlich nahe daran, den ironischen Witz zu entdecken…

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  1. Felix Müller says:

    Ein Vorteil von in den Familienalltag Eingebundenen wie mir ist, dass ich mich gar nicht mehr so oft in den Clubs rumtreiben kann, wie ich eigentlich gerne möchte. Aber dieser “Vorteil” gilt nur für Bern: Könnte ich nachts noch dicke raus, würde mir hier in dieser verpennten Stadt wohl meist das Gesicht einschlafen und die Hüfte einrosten: Einsprüchler und Verhinderer haben einem innovativen Nachtleben längst den Todesstoss gegeben.

    • Chris Rohrer says:

      Achtung Herr Meyer, Sie sind gefährlich nahe daran, den ironischen Witz zu entdecken…

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