schliessen

Rausgehen (5): Mit der Fähre über die Aare

Was anstellen mit der Freizeit? In der Rubrik «Rausgehen» stellt die «Hauptstädter»-Redaktion ihre Lieblingsausflugsziele für Schönwetterphasen vor. Heute geht es um den schönsten Fluss der Schweiz, eine Schwanenfamilie und einen Naturmenschen.

Um es ganz einfach zu sagen: Die Aare ist einfach toll. Tausende Menschen können diese Aussage bestätigen, denn sie verbringen einen Grossteil des Sommers an diesem Fluss, wagen ab und zu einen Sprung, sind froh, dass die Aare das Bier kühlt oder rudern gemütlich mit ihrem Boot flussabwärts. Letzteres hat sich Peter Hofer zum Geschäft gemacht und führt seit dem Frühling in Wangen an der Aare – das liegt in der Nähe von Herzogenbuchsee – mit seinem Boot Wanderer und sonstige Frischlüftler über den Fluss. In dieser Gegend gibt es nur eine Holzbrücke, die ins Dorf führt. Sonst hat man weit und breit keine Möglichkeit den Fluss zu überqueren. Eine Überfahrt ist also sehr willkommen. Diesen Dienst bietet Peter Hofer an. Und er rudert von Hand, siehe das Muskelfoto.

Das Dorf ist am besten mit dem Auto erreichbar oder mit den spärlich verkehrenden öffentlichen Verkehrsmittel. Den Wagen kann man in der Nähe der Holzbrücke parkieren und sich von dort aus flussaufwärts auf eine kleine Wanderung machen. Während der Wanderung fällt auf, dass auch auf dem Land Schrebergärten beliebt sind. Da sitzen Familien um einen kleinen Holzkohlegrill. Sie geniessen die ruhige Lage und den Ausblick auf die Aare. Irgendwann ist die Zivilisation weitentfernt. Im Schilf an der Böschung quakt es unentwegt. Der Hauptstädter ist endlich in der Natur angekommen. Nach knapp 30 Minuten angenehmer Wanderung ist der Steg erkennbar, an dem Peter Hofer auf seine Gäste warten soll.

Der Steg besteht nur aus grossen Steinen und ist mit einer Kuh-Glocke ausgestattet. Der Ruderer befindet sich auf der anderen Seite des Ufers und beobachtet eine Schwanenfamilie. Eine einfache Signalisation mit der Glocke reicht, damit Hofer mit seinem Boot rüberrudert – samt Familie. Die Schwäne, vor allem die Jungtiere, sind hübsch und knuffig. Aber irgendwie umgibt sie auch eine unheimliche Aura. Und so kommt es, dass der Vater-Schwan sich neben dem Boot aufbäumt und den Ruderer wie eine wildgewordene Katze anfaucht. Dieser bleibt ganz ruhig, nimmt aus einem Plastik-Sack ein Stück Brot hervor und überreicht es dem Angreifer. Zum allgemeinen Erstaunen muss festgestellt werden, dass das Tier „nur“ um Essen gebettelt hat.

Nachdem man ins Boot gestiegen ist, legt Hofer gleich los und rudert gegen den Strom. Mit Leichtigkeit bringt er seine Gäste an das andere Ufer hinüber und erzählt von seinem Tag. In nur 4 Minuten ist der Spass zwar vorbei. Aber wenn keine Wanderer kommen, die seine Dienste beanspruchen, kann man sich zu ihm setzen und über Gott und die Welt sprechen. Das ist wörtlich gemeint, denn er liest für sein Leben gern. Schriften von grossen Denkern wie Darwin und Nietzsche hat er sich zu Gemüte geführt. Die drei Franken, die die Fahrt kostet, sind nicht genug – gerne wird der Betrag auf einen Fünfliber aufgerundet.

Ragulan Vivekananthan

Ragulan Vivekananthan ist offiziell Oberaargauer, aber das Herz gehörte schon immer der Stadt. Er ist weiterhin auf der Suche nach dem besten Cordon Bleu der Stadt. Tipps sind herzlich willkommen.


Publiziert am 28. Mai 2014

Schlagworte

2 Kommentare

  1. Studentin says:

    Hast du auf der suche nach dem besten Cordon Bleu der Stadt vielleicht schon das beste Schnitzel gefunden? ich suche eben danach ;D

    • Ragulan says:

      Nein noch nicht. Aber sobald das der Fall sein sollte, schreibe ich einen Hauptstädter dazu. 😉

Alle Kommentare zeigen
  1. Studentin says:

    Hast du auf der suche nach dem besten Cordon Bleu der Stadt vielleicht schon das beste Schnitzel gefunden? ich suche eben danach ;D

    • Ragulan says:

      Nein noch nicht. Aber sobald das der Fall sein sollte, schreibe ich einen Hauptstädter dazu. 😉

Verbleibende Anzahl Zeichen:

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.