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  • Der Topfpflanzen-Dschungel.

  • Hier sollte Kollege Erdmann einmal vorbei schauen, dessen Zelt sich auch schon als Tropfsteinhöhle erwiesen hat.

  • Sturmhauben können gekauft werden. Für den nächsten Banküberfall etwa.

  • Der «Hinterwäld(l)er Zuchtverein». Der Hauptstädter wagte sich nicht näher ran.

  • Martialische Grüsse von Ueli Maurer auf dem Vorplatz.

  • Schuhe ausziehen heisst es vor dem Gang auf den Massagestuhl.

  • Löst bei manchem Blogger Fluchtrefelxe aus: Die Armeemusik.

  • Morbides Begrüssungskomitee: Ausgestopfte Tiere.

  • Auch für manche Tiere ist die BEA keine Wohlfühl-Oase.

Die Beichte eines BEA-Neulings

Beim erstmaligen Besuch der BEA lauerten ein dichter Dschungel, humoristische Untiefen, ausgestopfte Untote und essbare Streicheltiere. Anschliessend wusste man die Zivilisation wieder zu schätzen.

Knapp 30 Jahre alt musste ich werden, bis ich erstmals Berns grösste Ausstellung, die BEA, besuchen durfte, besuchen musste. Altherrenwitze von wegen das erste Mal mit Bea und so verkneife ich mir an dieser Stelle. Auch wenn mir im Vorfeld gesagt wurde, dass dieser Spruch an den Biertresen der BEA gut ankommen werde. Ich verabschiede mich aus der Zivilisation und stürze mich ins Getümmel, in den wilden Urwald.

«Welcome to the Jungle» steht nämlich auf einem riesigen Plakat oberhalb des Haupteingangs – daneben prangt der Schriftzug «BEActive». Anglizismen scheinen hoch im Kurs zu stehen. Beim daneben angebrachten Slogan beginne ich an meinen Englischkenntnissen zu zweifeln «wird wild». Wörd wäild?? Zum Verarbeiten der Erkenntnis, dass hier doch auch noch Deutsch geschrieben wird, bleibt keine Zeit. Gleich neben dem Eingang hat sich eine Formation der Militärmusik aufgestellt und pustet wild darauf los. Der Fluchtinstinkt führt mich an blubbernden Whirlpools vorbei und rein in die erste Messehalle.

Im Entree kreuze ich ein Grüppchen bestehend aus Gurten-Maestro Philippe Cornu, Demonstrantenschreck Reto Nause und Wasserfall-Kenner Alexandre Schmidt. Dahinter steht eine morbide Parade ausgestopfter Tiere. Einzige textliche Information dazu: «Arche Noah Schweiz». Hier soll nicht gebildet werden, sondern angefasst werden dürfen. Das gleiche gilt für das Nashorn und die Giraffen eine Etage höher. Umgeben sind die Tiere von Ledersofas (tierischen und künstlichen Ursprungs) und andere Einrichtungsgegenstände für die gute Stube – auf dass diese noch besser werde. Mir hat es besonders jener Stand mit Massagesesseln angetan. Das Angebot zum Probesitzen nehme ich gerne an.

Der Fauteuil entpuppt sich als wahres Technik-Wunderwerk. Man wird in Rückenlage gedreht, aufblasbare Kammern fixieren Beine und Arme. Rollen kneten den Körper von Kopf bis Fuss durch. «Heute werden sie federleichte Beine haben», sagt mir die nette Damen vom Stand. Ihre Prognose wird sich bewahrheiten. Hingegen schmerzt meine Hüfte anschliessend wie selten zuvor. Und so setzte ich meinen Rundgang humpelnd fort. Dieser führt mich in den Dschungel. Neben einer beeindruckenden Anzahl Topfpflanzen – von exotischen Palmen bis zum Olivenbaum ist alles dabei – lauern dort Krokodile und an der Dschungelbar ein potentieller Kater.

Neben ausgestopften gibt es an der BEA auch allerhand lebendige Tiere. Alt werden aber nicht alle davon. Am Gatter, hinter dem junge süsse Ferkel genüsslich an den Zitzen ihrer Mutter saugen, steht geschrieben: «Mastzeit 4 Monate». In vier Monaten werden also alle dieser schnuckligen – jööh, so süss – Tiere tot sein. Am Stand nebenan sind nicht nur Schafe zu bewundern, es kann auch Lammfleisch gekauft werden. Ein Aufschrei wie bei den toten Bärenjungen im Tierpark wird ausbleiben – garantiert. Mit vollem Mund lässt sich schlecht schreien.

Ferner gibt es Kühe, Pferde, Lamas (ja, auch diese kann man essen, wie auf einer Tafel steht), Hunde, Vögel, Kaninchen und Hühner zu bestaunen. Man ahnt: Wenn sich in der Schweiz je einst eine Schweine- oder Vogelgrippe ausbreiten sollte, dann wird der Seuchenherd hier sein.

Überall an der BEA scheint die Natur sehr eng mit Konsum verbunden zu sein. Aber sonst hätte man ja auch aufs Land fahren können – so man denn nicht von dort her an die BEA kommt.

Grün präsentiert sich auch die Schweizer Armee – ein Gripen-Kampfjet ist nicht zu sehen – mit einem gepanzerten Werbefahrzeuge in Tarnfarbe. Zeit zum Gehen, denke ich mir. Und so durchquere ich den Ausstellungsteil BEActive – hier kann geradelt, gespielt und gesurft werden – ganz aktiv (wahlweise auch active), sprich schnell.

Und nun muss ich, fernab jeglicher Altherrenwitze, doch noch persönlich werden: Bea, mit uns beiden wird das nichts. Ich widme dir aber eine Liedzeile meines Vornamensvettters Basil «Baze» Anliker: «Sorry, ender weniger. Schon nätt u so, aber nid so mi Style.»

Basil Weingartner

Als Basil Weingartner vor 12 Jahren nach Bern zog, erhielt er als Begrüssungsgeschenk eine Packung exquisiter Jodtabletten.


Publiziert am 25. April 2014

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2 Kommentare

  1. Peter Meier says:

    Tut mir leid, aber solche Berichte sind einfach so billig. Man kann doch auch als urbaner, intellektueller junger Städter, als der sich der Autor zweifellos sieht, die BEA einfach BEA sein lassen, ohne sich mit einem Wortschwall abzugrenzen. Es macht sich ja auch nicht der Redaktor einer Bauernzeitung oder eines Landleben-Heftlis über, sagen wir, den Progr lustig, oder? Jedem das Seine. Leben und leben lassen. Oder vielleicht sogar das Interessante hinter dem BEA-Klischee suchen – das wär mal was.

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  1. Peter Meier says:

    Tut mir leid, aber solche Berichte sind einfach so billig. Man kann doch auch als urbaner, intellektueller junger Städter, als der sich der Autor zweifellos sieht, die BEA einfach BEA sein lassen, ohne sich mit einem Wortschwall abzugrenzen. Es macht sich ja auch nicht der Redaktor einer Bauernzeitung oder eines Landleben-Heftlis über, sagen wir, den Progr lustig, oder? Jedem das Seine. Leben und leben lassen. Oder vielleicht sogar das Interessante hinter dem BEA-Klischee suchen – das wär mal was.

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