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  • Freut sich über frisch annektiertes Wisent-Gehege: Medwedew.

  • Angepasster Situationsplan.

  • Muss er als nächstes dran glauben? Nummer 5.

Dählhölzlis Bärendienst

Wir machen ein weiteres Mal von unserer Standleitung ins Dählhölzli Gebrauch. Heute befassen wir uns mit weltpolitischen Themen.

Es ist ein Reigen der Traurigkeit:

1942: Bambis Mutter wird erschossen.
1994: Simbas Vater wird von dessen Bruder umgebracht.
2014: 3 und 4 finden einen frühen Tod. (An dieser Stelle Entwarnung an die Freunde grosser Filmerzeugnisse aus den 80ern: Nummer 5 lebt!)

Natürlich haben wir alle über das Ableben unserer animalischen Freunde geweint. Nun ist es aber höchste Zeit, die Tränen aus den Augen zu wischen und nach vorne zu schauen. Denn dort braut sich ordentlich was zusammen. Orientieren wir uns den Fakten. Kennen Sie das russische Wort für Bär? Richtig, Medwed. Und wie hiess nochmals Russlands Ministerpräsident? Genau, Medwedew. Zufall? Wohl kaum. Erinnern wir uns an den 15. September, den Tag, an dem das Unglück seinen Lauf nahm.

Medwedew trägt nicht nur in seinem Nachnamen einen Bären, sondern trug gleich zwei von ihnen nach Bern, um sie dem Dählhölzli zu schenken. Die putzigen Tierchen erfreuten sich grosser Beliebtheit. Ihnen wurde sogar verziehen, als einer von ihnen Alexander Tschäppät in den Finger biss. Fünf Jahre später kippte die Stimmung. Plötzlich verlangte der Bärenhunger des pelzigen Paares nicht mehr nach präsidialen Fingerkuppen, sondern richtete sich gegen den eigenen Nachwuchs. Bärchen 3 wurde zu 90 Prozent aufgegessen, wie die Tierfreunde von «20 Minuten» berichteten. Bär 4 wurde daraufhin natürlich eingeschläfert.

Und nun setzen wir diesen Vorfall in einen weltpolitischen Kontext. Wie allgemein bekannt ist, haben Staatsoberhäupter wichtiger Nationen rote Telefone auf ihren Schreibtischen stehen. Den Apparat für die wirklich wichtigen Dinge. Über die Muschel eines solchen dürfte Medwedew wohl kürzlich folgende Nachricht erreicht haben: «Russisches Bärenbaby in Schweizer Gefangenschaft aufgefressen (Restanteil: 10 Prozent). Danach Mord an weiterem Bären-Kleinkind.»

Wie wird Russland reagieren? Es gibt wohl nur eine Möglichkeit: Ein russischer Panzer hat Moskau bereits verlassen, um sich um die Annexion des Tierparks Dählhölzli zu kümmern. Alles andere wäre ein Zeichen von Schwäche. Was soll bloss der Westen denken? Diese Kraftmeierei dürfte bei Medwedew den Geduldsfaden zum Zerreissen bringen. Also wirft ein amerikanisches Militärflugzeug ausserhalb der Bürozeiten ein paar Fallschirmjäger über dem Tierpark ab.

Auf dem Brätliplatz einigen sich dann die Fallschirmspringer mit dem inzwischen eingetroffen Panzer, das Dählhölzli vorläufig aufzuteilen. Das hat für die Zoobesucher den Nachteil, dass es plötzlich sehr schwierig ist, von Dählhölzli-Ost nach Dählhölzli-West zu kommen. Das ist aber nicht weiter tragisch, weil der Tierpark nun 24 Stunden pro Tag auf CNN zu sehen ist. Tierpark-Chef Bernd Schildger dürfte sich über die neuen Attraktionen freuen. Schliesslich gibt es für die menschliche Spezies nichts Natürlicheres, als einen ordentlichen Konflikt vom Zaun zu brechen. Und Naturfreund Schildger weiss natürlich, dass man sich der Natur nicht in den Weg stellen sollte. Zudem wäre es wohl schwierig, die Neuankömmlinge umzuplatzieren. Vielleicht gibt es sogar einmal Nachwuchs.

Falls Sie die ganze Action nicht einfach vor der Glotze mitverfolgen wollen, dann kommen Sie doch einmal zum Essen vorbei. Es ist noch etwas Bär übrig.

Martin Erdmann

Martin Erdmann


Publiziert am 9. April 2014

5 Kommentare

  1. Laura says:

    Um die Attraktivität weltweit noch mehr zu steigern, könnten nun Herr Schildger und andere Verantwortliche selber tagsüber in Vitrinen oder Gehege gesteckt werden, zu Studienzwecken für die Wissenschaft und natürlich zur Freude der Besucher, die endlich auch das menschliche Tier im Alltag betrachten könnten. Russen und Amis schicken wir dann wieder heim. Sie können das Ganze problemlos im Web mitverfolgen. NSA sei Dank für die totale Entblössung.

  2. Irene feldmann says:

    Ich scheine diesen Artikel völlig missverstanden zu haben denn, nach dem lesen stößts mir wirklich Sauer auf…….

  3. Jakob Harzenmoser says:

    Gehe ich recht in der Annahme, dass das lustig sein sollte?

    Nice try, try again!

    Ich würde einmal in der Volkshochschule einen Kurs über lustiges Schreiben besuchen. Da ist schon manchem der Knopf aufgegangen.

    Und sonst können sie ja immer noch Zahnarzt werden, da muss man nicht so viel schreiben.

  4. Ylene says:

    Ich finds schön zynisch und herrlich absurd. Und ja, als Bärnerin war ich ein bisschen traurig über das Schicksal der beiden Bärchen, aber das kann halt passieren. Gab ja einige Beispiele von Zoos, wo der Vater auch nicht abgetrennt wurde und es trotzdem geklappt hat. Trauriger finde ich, dass sich mehr Leute über tote Bärchen aufregen als über tote Kinder in bspw. Syrien. Aber die sind halt nicht so knuddelig.

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  1. Laura says:

    Um die Attraktivität weltweit noch mehr zu steigern, könnten nun Herr Schildger und andere Verantwortliche selber tagsüber in Vitrinen oder Gehege gesteckt werden, zu Studienzwecken für die Wissenschaft und natürlich zur Freude der Besucher, die endlich auch das menschliche Tier im Alltag betrachten könnten. Russen und Amis schicken wir dann wieder heim. Sie können das Ganze problemlos im Web mitverfolgen. NSA sei Dank für die totale Entblössung.

  2. Irene feldmann says:

    Ich scheine diesen Artikel völlig missverstanden zu haben denn, nach dem lesen stößts mir wirklich Sauer auf…….

  3. Jakob Harzenmoser says:

    Gehe ich recht in der Annahme, dass das lustig sein sollte?

    Nice try, try again!

    Ich würde einmal in der Volkshochschule einen Kurs über lustiges Schreiben besuchen. Da ist schon manchem der Knopf aufgegangen.

    Und sonst können sie ja immer noch Zahnarzt werden, da muss man nicht so viel schreiben.

  4. Ylene says:

    Ich finds schön zynisch und herrlich absurd. Und ja, als Bärnerin war ich ein bisschen traurig über das Schicksal der beiden Bärchen, aber das kann halt passieren. Gab ja einige Beispiele von Zoos, wo der Vater auch nicht abgetrennt wurde und es trotzdem geklappt hat. Trauriger finde ich, dass sich mehr Leute über tote Bärchen aufregen als über tote Kinder in bspw. Syrien. Aber die sind halt nicht so knuddelig.

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