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Ein einig Volk von Scharfschützen

Nach dem Willen des Stadtrats sollen Berner Schüler in ihren Ferien nicht mehr dem Schiesssport frönen. Stadtrat Erich Hess ist anderer Meinung: Er möchte nicht nur die Schüler zum Schiessen schicken, sondern gleich die Zivilbevölkerung mit Waffen ausstatten.

Seit gestern ist sie da, die neue «Fäger»-Zeitung mit dem Berner Ferienangebot für Schulkinder. Schiesskurse sucht man darin allerdings vergebens, denn Ende Februar hat der Berner Stadtrat entschieden, dass diese im «Fäger» nicht mehr angeboten werden dürfen. In der vorangegangenen Ratsdebatte hatte sich der Stadtrat und überzeugte Schütze Erich Hess als ehemaliger Jungschütze zu erkennen gegeben: Er glaube nicht, dass er «eine psychische Schädigung daraus gezogen habe», fügte er an.

Nun steht dem Hauptstädter wenig ferner, als stadträtliche Psychen und/oder Abgründe zu analysieren. Es würde ihm dazu auch schlicht am nötigen Fachwissen fehlen. Dennoch ist ihm eine mögliche Spätfolge des frühzeitlichen Hessschen Kontakts mit Schiesspulver aufgefallen: Möchte Hess doch, so verkündete er einst auf seinem zum Fernsehsender umfunktionierten Youtube-Kanal, dass jeder Schweizer-Bürger in der Öffentlichkeit ein Waffe mit sich führen kann. Ausländer sind dabei explizit, Bürgerinnen zumindest grammatikalisch nicht mitgemeint.

Ist diese – doch ziemlich martialische – Vision einer Zivilbevölkerung unter Waffen eine Folge der besuchten Jungschützenkurse? Gut möglich. Doch gäbe es auch einige andere in Frage kommende Ursachen solcher Wildwest-Träumereien. Und deshalb müssen nun weitere Stadtratbeschlüsse folgen: So sollte das Zürcherische Verbot von Schreckschusspistolen an der Kinderfasnacht spätestens zur nächsten Bärenbefreiung auch in unseren Breiten rechtskräftig sein, auch ein Verbot aller Lucky-Luke-Hefte (wodurch sonst ist die Luft im Kinderzimmer so schiesspulvergeschwängert?) ist dringend zu prüfen. Ebenso sollte das gesetzliche Verbannen des Wortes «Schiessen» aus der bernerischen Sportberichterstattung in die Wege geleitet werden (denn wie schnell wird doch aus «auf das Tor schiessen» «auf den Toren schiessen»).

Wodurch Erich Hess’ Bindung zu Schusswaffen letztlich herrührt, kann hier nicht abschliessend geklärt werden. Dass es eine enge Bindung ist, weiss man jedoch spätestens seit der bereits erwähnten TeleHess-Folge, die auch die Tradition der zu Hause gelagerten Militärwaffen sowie die mit diesen verübten Tötungsdelikten thematisierte: In dieser sah sich der SVP-Politiker mit der Frage konfrontiert, ob ein Menschenleben nicht mehr Wert habe, als die Tradition der zu Hause gelagerten Dienstwaffen. Hess überlegte ausführlich: Sein anschliessendes Votum für das Menschenleben fiel nicht sonderlich motiviert aus. Das erstaunt. Gehen doch die an den Berner Brücken zwecks Verhinderung von Suiziden montierten Netze auf eine stadträtlich Motion von Erich Hess zurück. Ihm sei es wichtig, Menschenleben zu retten, sagte Hess damals dazu.

Ob die Netze auch an Bern Brücken montiert wären, wenn die Schweiz ein Land mit Cliff-Diver-Tradition wäre?

Basil Weingartner

Als Basil Weingartner vor 12 Jahren nach Bern zog, erhielt er als Begrüssungsgeschenk eine Packung exquisiter Jodtabletten.


Publiziert am 12. März 2014

3 Kommentare

  1. Niklaus Specht says:

    Zitat:
    “… überzeugte Schütze Erich Hess als ehemaliger Jungschütze zu erkennen gegeben: Er glaube nicht, dass er «eine psychische Schädigung daraus gezogen habe» …”

    Genau das ist ein signifikanter Hinweis auf eine “psychische Schädigung, landläufig auf “Dachschaden” genannt: Das penetrante Verleugnen der Krankheit mit der fehlenden Krankheitseinsicht. Q.e.d., ganz besonders im vorliegenden Fall 😉

    Specht

  2. marsel says:

    Erich Hess erwähnt ausgerechnet sich selber als Beispiel betreffend Auswirkungen von Schiesskursen auf Jugendliche? Da hat er offenbar nicht viel gelernt, der Schuss ging ja schön nach hinten los.

  3. Daniel Ziltener says:

    Danke, Herr Hess. Querköpfe wie Sie sind es, die den wunderbaren Schiesssport in Verruf bringen. In der Tat hat das Ausüben des Schiesssports keine negativen Auswirkungen auf die Charakterentwicklung, im Gegenteil. Wenn aber Leute wie Sie wie Irre mit ihren wirren Ideen in der Rolle als Schütze hausieren gehen, steigt verständlicherweise in der Bevölkerung das Misstrauen.

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  1. Niklaus Specht says:

    Zitat:
    “… überzeugte Schütze Erich Hess als ehemaliger Jungschütze zu erkennen gegeben: Er glaube nicht, dass er «eine psychische Schädigung daraus gezogen habe» …”

    Genau das ist ein signifikanter Hinweis auf eine “psychische Schädigung, landläufig auf “Dachschaden” genannt: Das penetrante Verleugnen der Krankheit mit der fehlenden Krankheitseinsicht. Q.e.d., ganz besonders im vorliegenden Fall 😉

    Specht

  2. marsel says:

    Erich Hess erwähnt ausgerechnet sich selber als Beispiel betreffend Auswirkungen von Schiesskursen auf Jugendliche? Da hat er offenbar nicht viel gelernt, der Schuss ging ja schön nach hinten los.

  3. Daniel Ziltener says:

    Danke, Herr Hess. Querköpfe wie Sie sind es, die den wunderbaren Schiesssport in Verruf bringen. In der Tat hat das Ausüben des Schiesssports keine negativen Auswirkungen auf die Charakterentwicklung, im Gegenteil. Wenn aber Leute wie Sie wie Irre mit ihren wirren Ideen in der Rolle als Schütze hausieren gehen, steigt verständlicherweise in der Bevölkerung das Misstrauen.

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