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Willkommen im Quartier

Lange musste man darben, bis im Quartierrestaurant Du Nord in der Lorraine wieder Leben einzog. Was wird den sehnsüchtelnden Gaumen nun kredenzt? Der «Hauptstädter» machte sich im Mittagsgeschäft auf die Suche nach ersten Antworten.

Was für ein freudiges Wiedersehen. Wie eine längst fällige Ode an das cateringtechnisch wohl beste Festival der Welt warten sie im neu eröffneten Restaurant Du Nord auf Abnehmer: Schnittchen. «Tartines» nennt sie der Franzose und assimilierte Paléo-Gänger landläufig, in der Lorraine heissen sie jetzt «Brote aus dem Norden». Für rund fünf Franken gibt es im Du Nord Brotscheiben mit Aufstrich zu kaufen, etwa mit Ziegenkäse, Hummus oder Auberginenpaste, ja gar mit Dattelpesto warten sie auf. Doch die Probe aufs Exempel muss vertagt werden. Den Imbiss präpariert die Küche erst ab 14 Uhr. Im Mittagsgeschäft nimmt der Gast also mit der angenehm übersichtlichen Lunchkarte vorlieb.

Lange stand das schöne Restaurantlokal im Türmchenhaus leer, dem Vernehmen nach hatte eine mittlere Alptraummiete allerlei hehren Beizerträumen den Garaus gemacht. Wie dem auch sei, das aktuelle Beizerteam fand eine zufriedenstellende Einigung mit der verpachtenden Felsenau-Brauerei und kann jetzt die sehnsüchtelnden Quartierbewohner, Bürogänger und Medienschaffenden aus dem näheren Umkreis wieder verköstigen. Ein Blick auf die Karte zeigt: Eine allfällige hohe Miete wird hier nicht auf den Gast abgewälzt. Die Preise sind mit vier Franken für die Vorspeisensuppe und bis 18 für das Mittagsmenu als angemessen zu bezeichnen.

Budget
Mit 13 Franken schlägt das «Surprise et Solidarité»-Menu am geringsten zu Buche. Auf Nachfrage erklärt die freundliche Bedienung, wie «Solidarité» gemeint ist: Anders als beim «Solipreis» in der Reitschule, bei dem der Gast freiwillig mehr bezahlt, um das Karma zu stärken, zeigen sich hier die Gastgeber solidarisch mit dem Gast, indem sie ihm ein Restaurantmenu zum Schnellimbisspreis bieten. Gute Idee. Leider fällt der Stärkeanteil des günstigen Überraschungsmenus etwas gar ambitioniert aus: Die frittierten Mandel-Reis-Bällchen werden flankiert vom Kartoffelstampf mit sehr geringem Gemüseanteil. Ein Salat als Beilage hätte wohl besser gemundet – und erst noch die Vitaminbilanz verbessert. Der selbstgemachte Eistee hingegen ist absolut untadelig.

Fleisch
Das einzige Menu mit Fleischanteil besteht aus Schinken an Senfsauce und Kartoffelgemüse-Gratin. Gegen den Fleischanteil des Tellers ist nichts einzuwenden. Das Fleisch ist so saftig, dass die Sauce nicht primär dazu dient, es durch die Speiseröhre zu schleusen. Der Gratin muss, um es diplomatisch auszudrücken, nicht nachgesalzen werden.

Pasta
«Pasta e basta» heisst nicht nur eine neue Trattoria an der Aarbergergasse, sondern auch das Teigwarenkonzept im neuen Du Nord. Am Testtag auf dem Programm, gemäss den Einzelteilen auf der Menükarte: Penne, Gemüse, Safran, Rahm, Mandeln. Die Penne ähneln auf dem Teller allerdings verblüffend der Pasta-Sorte Cravattine, doch der Biss stimmt, der Safran-Anteil ist vorzüglich, und der Gemüseanteil so fein geschnitten, dass es hier eine gute Pasta-Komposition zu verkosten gibt.

Ein Blick in den gut gefüllten Raum zeigt: Die Gäste nehmen dem Du-Nord-Team allfällige kleine Anfangspatzer am Mittagstisch nicht übel. Wenn sie nicht ohnehin das Essen lockt, so wird es wohl die angenehme Stimmung tun oder die zentrale Lage, allenfalls auch die Neugierde oder die Freude darüber, dass im Du Nord wieder etwas läuft. Auch wir werden wiederkommen. Und sei es nur, um die versprochenen Schnittchen zu verköstigen.

Die Hauptstädter-Redaktion


Publiziert am 19. Februar 2014

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1 Kommentar

  1. Peter Kampf says:

    War im 1953 nach der USA (California) ausgewandert. Damals nur Leitungswasser. Während unsern jährlichen Skiferien in Rougemont, mit jeweiligen Besuchen in Bern, immer Leitungswasser getrunken. Trotz meinen 82 Jahren immer noch gesund am Leben. Die Verwöhnten sollen sich doch am Mineralwasser freuen und so die lokale Wirtschaft unterstützen. Etwas mehr exerzieren und Bewegung, so wie auch gesunderes Diät würde den Kalk im Leitungswasser sicher annullieren. Mit guter Zahnpflege würde Kalk im Wasser kaum schädlich sein. Leitungswasser treatment um Kalk zu reduzieren wäre auch eine Möglichkeit.

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  1. Peter Kampf says:

    War im 1953 nach der USA (California) ausgewandert. Damals nur Leitungswasser. Während unsern jährlichen Skiferien in Rougemont, mit jeweiligen Besuchen in Bern, immer Leitungswasser getrunken. Trotz meinen 82 Jahren immer noch gesund am Leben. Die Verwöhnten sollen sich doch am Mineralwasser freuen und so die lokale Wirtschaft unterstützen. Etwas mehr exerzieren und Bewegung, so wie auch gesunderes Diät würde den Kalk im Leitungswasser sicher annullieren. Mit guter Zahnpflege würde Kalk im Wasser kaum schädlich sein. Leitungswasser treatment um Kalk zu reduzieren wäre auch eine Möglichkeit.

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