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  • Tier für Kleinkaliber: Zecke.

  • Muss nicht mehr getötet werden: Ausgestopfter Wolf.

  • Ist scharf auf Ihre Messer: Messerschärfer.

  • Lesen bildet.

  • Weil es in der Post-Apokalypse eh egal ist: Offroader.

  • Lecker Beute.

  • Gehört in jeden Garten: Hochsitz.

  • Weil ein High-Five pietätlos wäre: Handshake.

  • Schindet Eindruck bei Ihren Freunden: Grosser, toter Fisch.

  • Wenn es nicht abgelichtet wurde, ist es nie passiert: Jagd-Selfie.

  • Damit Sie sich in der Post-Apokalypse über Wasser halten können: Tarnfarben-Schlauchboot.

  • Blinzelt etwa so viel wie ein lebendiger Jagdhund: Ausgestopfter Jagdhund.

  • Schiessen Sie, so viel sie tragen können: Safari.

Überlebens-Tipps an der Jagdmesse

Bern steht ein Frühling der Gewalt bevor. Falls dieser das Ende unserer Zivilisation bedeutet, sollte man sich schon einmal auf das Leben in der Postapokalypse vorbereiten. Aus diesem Grund haben wir die Fachmesse «Fischen Jagen Schiessen» besucht.

Schlechte Nachrichten für Freunde der funktionierenden Gesellschaft: Bald ist es aus. Zu dieser Schlussfolgerung kommt man zumindest, wenn man dem Extremismus-Experten Samuel Althof Glauben schenken will. Dieser verriet kürzlich den Kollegen von «20 Minuten», dass auf Bern eine Welle der Gewalt zurollt, die am 29. März auf die Stadt niederstürzen wird.

Dann werden voraussichtlich linke wie auch rechte Gruppierungen in Bern demonstrieren – hauptsächlich gegeneinander. Selbst der sonst so lässige Sicherheitsdirektor Reto Nause beobachtet die Situation mit «zunehmender Sorge». Es ist also davon auszugehen, dass nach dem 29. März die Stadt, genauso wie die Gesellschaft, in Trümmern liegen wird. Höchste Zeit also, um sich auf die Postapokalypse einzustellen. Glücklicherweise ist gerade die Fachmesse «Fischen, Jagen, Schiessen» in Bern zu Gast. Es könnte kaum einen besseren Ort geben, um sich auf das künftige Leben in der Wildnis vorzubereiten. Denn wer weiss besser zu überleben als naturerprobte Jäger?

Tiere per Angel oder Schiesseisen zu erledigen, scheint ein ländliches Ding zu sein. Denn gemäss den Kennzeichen der Autos, die auf dem Messegelände parkieren, ist die Jagd besonders in den Urkantonen angesagt. Was ebenfalls auffällt: Wären Offroader in der Schweiz verboten, hätte der Grossteil der Messebesucher mit dem ÖV anreisen müssen. Wir merken uns: An Orten, in denen Abschottung durchaus als positiver Begriff gilt und die nur mit 4×4-Antrieb zu erreichen sind, bereitet man sich nicht erst seit gestern auf die Postapokalypse vor.

Schon vor dem Betreten der Messehalle fällt auf, dass die meisten Anwesenden einem einfachen, aber bestimmten Dresscode folgen: Grün ist Trumpf und Schnauz muss sein. Am besten macht sich die Obenlippenbehaarung in Weiss, weil dann die gelblichen Nikotinverfärbungen, die sich langsam zur Nase hocharbeiten, am besten zur Geltung kommen. Rauchen scheint fester Bestandteil des Jägerlebens zu sein. Das ergibt durchaus Sinn. Schliesslich tötet man dabei auch ein bisschen sich selber und etwas weniger brachial, aber schlussendlich sehr effektiv. Doch wenn man gedenkt, die Apokalypse zu überleben, dann erscheinen ein paar Glimmstängel im Vergleich dazu als relativ harmlos. Das Rauchen sollte anscheinend nur unterbrochen werden, um schnell in die Halle 3 zu rennen, um dort ein paar 400-Franken-Messer zu bestaunen. Wir merken uns: Wenn die Apokalypse vor der Tür steht, sollte an Zigaretten nicht gespart werden. Nur Messer sind besser.

In der Halle folgt eine grosse Lernstunde in Sachen Überleben durch Töten. Da wird einem sogleich von einem Typen in kolonialherrischer Kleidung angeboten, in Kamerun einen Elefanten zu erlegen. Das kostet zwar 18’000 Euro, dafür wohnt dort auch die weltgrösste Antilopen-Art, von der man auch noch gleich ein Exemplar über den Haufen schiessen kann. Da es gut möglich ist, dass die Postapokalypse von Wildtieren regiert wird, könnte eine solche kleine Safari ein überlebenswichtiges Training sein. Die Broschüre, die an diesem Stand aufliegt, birgt übrigens weitere wichtige Angebote. So kann man in Südafrika mit einem «liebenswürdigen Berufsjäger» Büffel schiessen. In Schottland besteht das Angebot, mit dem «beliebten Stalker Mike Holiday» Hirsche zu jagen und in Zentralafrika ist es sogar noch mit 82 Jahren möglich, einen «kapitalen Bongo» zu schiessen! Wir merken uns: Ruhig einmal weniger Gewissensbisse beim Poulet aus Ungarn haben, dafür etwas mehr das Artensterben vorantreiben.

An ihrem Stand zeigt die Familie Blum, dass man in einem postapokalyptischen Szenario gegen ebendiese alt aussehen wird. Das beweist die Outdoor-Sippe mit einem Filmvortrag über ihre Erlebnisse im kanadischen Niemandsland. Der beste Teil: Vater Blum knallt eben noch schnell ein Schneehuhn ab, um danach mit Frau und Sohn durch den Tiefschnee zu wandern. «Wir mussten eine flache Route wählen, da meine Frau im achten Monat schwanger war», kommentiert Vater Blum ganz trocken. Was der Film nicht verrät, ist, ob der erwartete Nachwuchs nun während eines lockeren Wettrennens gegen eine Lawine oder während eines gewonnenen Kampfes gegen ein Wolfsrudel zur Welt kam. Wir merken uns: Wenn die Zivilisation endet, ist es von Vorteil, die Familie Blum zu seinen Freunden zählen zu können.

Dann waren da noch die Hunde. Es scheint so, als würden Jagdhunde so gezüchtet werden, dass sie niemals blinzeln müssen. Diesen Eindruckt erweckt ein Blick in ihre Zwinger. Dort hocken sie und stieren mit weit aufgerissenen Augen zwischen den Drahtmaschen hindurch. Das wirkt zwar etwas gruslig, doch in der Postapokalypse können zwei stets aufmerksame Augen sicher nicht schaden. Dass diese Hunde aber auch Defizite haben, bewies einer von ihnen eindrücklich: Anstatt einen sehr unappetitlichen, weil bereits gut durchgekauten Marder zu apportieren, schnüffelte besagter Hund bloss am Kadaver, um sich darauf an einer Tanne zu erleichtern. Wir merken uns: Wachsame Augen sind nicht stärker als eine schwache Blase.

Zu guter Letzt sei hier noch die Waldhorngruppe aus Zermatt erwähnt. Oder präziser gesagt, die Gruppe Walliser, die daneben stand. Deren Herkunft war mindestens so gut am Dialekt zu erkennen, wie an der Weissweinfahne. Wir merken uns: Vielleicht sollte man die Kamerunreise sausen lassen und einfach einmal ins Wallis fahren. Dort gibt es bestimmt auch etwas zu schiessen. Zum Beispiel Fotos von lebendigen Tieren.

Martin Erdmann

Martin Erdmann


Publiziert am 17. Februar 2014

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