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  • Versprache ein Bloody Opening: Das Steakhaus The Beef. Mittlerweile kann man im Schaufenster gut abgehangenes Rindfleisch bestaunen.

  • Giraffensezieren im Tierpark. (Keystone)

  • Outside und Inside Wintergrillfest: Ein protestierendes Schwein und ein Photopoint-Kotelett.

Fotoplausch mit Schwein

Das Fleisch steht im Fokus: Während in Kopenhagen eine Giraffe erlegt wurde, wird in Bern öffentlich grilliert und zum Fotoplausch geladen.

Bereits zum achten Mal genoss am vergangenen Samstag ein Anlass auf dem Berner Waisenhausplatz Gastrecht, der zu den lässlichsten Events der Stadtberner Agenda zu zählen ist. Denn das Einigende am sogenannten «Wintergrillfest», stolz präsentiert von Proviande alias «Schweizer Fleisch», war neben Sven Epiney – der Kühlerfigur des Schweizer Fernsehens – das Tiere essen. Hier, bei traditionell grauem Wetter, gab es Würste, neueste Kugelgrillmodelle, andere Fleischspezialiäten und Unterhaltung vom Örgeliplausch über das Kinderprogramm bis hin zu Florian Ast (Unplugged). Kurz: Es hatte, so Sven Epiney, «für alle etwas dabei». Und wenn man denn seinen grossen Teller mit Mixed Grill-Spezialitäten gebunkert hatte, so durfte in den unheimeligen Baukonstruktionen mit der heimeligen Bezeichnung «Chalethüttli» gespiesen werden. Man schnappte Wörter wie «grüner Speck» auf, während die Kleider immer mehr den Odeur der Brätli-Stelle annahmen.

Am seltsamsten an der diesjährigen Austragung war aber mit Sicherheit der Photopoint: Denn dort, inmitten des Festgeländes gelegen, das in der Freitagnacht von einer Security-Vielzahl permanent bewacht werden musste – wohl aus Angst vor dem im «Blick» angekündigten Widerstand, der allerdings vor den Toren des Festivals durchgeführt wurde – durfte man sich mit einem Stoffetzen in Form eines Koteletts ablichten, der selbstverständlich mit einem Lächeln ausgestattet war.

Einen Tag später wurden Kinder ebenfalls mit einem toten, diesmal echten Stück Fleisch abgelichtet. Die Bilder aus Kopenhagen der getöteten Giraffe Marius gingen seither um die Welt. Doch natürlich kann Bern schon lange mit den Dänen mithalten, etwa dank dem SCB-Steakhaus The Beef an der Kramgasse, das einst ein «Bloody Opening» versprach und seither gut abgehangenes Rinderfleisch im Schaufenster präsentiert, oder natürlich Anlässen wie dem Wintergrillfest. Denn totes Fleisch ist halt mal totes Fleisch. Oder wie es in der Taz unter dem Titel «Lecker Giraffe» schön steht: «Wer nicht akzeptieren kann, dass für eine Fleischmahlzeit ein Lebewesen unter niemals besonders schönen Umständen und ganz sicher nicht freiwillig aus dem Leben scheidet, der sollte halt Vegetarier werden.»

Weitere tote Tiere: Die Messe «Fischen Jagen Schiessen» vom 13. bis 17. Februar auf dem Bea-Expo-Gelände.

Benedikt Sartorius

Benedikt Sartorius gilt wohl als das, was man neuerdings einen Flexitarier nennt.


Publiziert am 12. Februar 2014

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