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Ihr Herzblatt im Berner Parlament

Bald sind Wahlen, aber Sie haben keine Ahnung wer für Sie in Frage kommt? Höchste Zeit, um sich an einen der ganz grossen TV-Klassiker zu erinnern.

2006 war ein trauriges Jahr für Freunde des gepflegten Trash-TVs. In diesem wurde nämlich nach beinahe 20-jähriger Laufzeit das beliebte Romantik-Format «Herzblatt» abgesetzt. Nach 18 Staffeln lief das einstige Erfolgskonzept auf Grund. Dabei war es doch immer mindestens so lustig wie spannend und aufregend.

Sie erinnern sich: Pro Sendung durften jeweils ein Mann und eine Frau aus jeweils drei Kandidaten ihr Herzblatt aussuchen. Das funktionierte weniger nach dem Fleischmarkt-Prinzip wie in modernen Kuppel-Shows wie «Der Bachelor», sondern mit tiefschürfenden Gesprächen. Dabei wurde oft auf Humor gesetzt. Auf freche Fragen gab es kesse Konter. In jeder Sendung durfte man sich auf etliche Schenkelklopfer auf Tschäppät-Bühnenprogramm-Niveau freuen.

Dann der spannende Moment, in dem die Partnersuchenden und ihr Herzblatt jeweils auf einer Seite der Schiebetür stehen, die sie bis jetzt voneinander getrennt hat. Die Suchenden haben ihre Fragen gestellt, ihre Antworten erhalten und ihre Entscheidung getroffen. Ob sie gut gewählt haben, werden sie gleich erfahren.

Was das mit den anstehenden Wahlen zu tun hat? So einiges! Schliesslich sind Sie als Wähler daran, eine intensive vierjährige Bindung mit jemandem einzugehen. Wenn Sie nicht zum Wählertyp «Bachelor» gehören wollen, der seine Partner im Parlament nur über ihr Aussehen auf Plakaten aussucht, können Sie es mit der Herzblatt-Methode versuchen und Smartvote ausprobieren.

Sie können einen Bogen mit 33 oder 60 Fragen ausfüllen, je nach dem, wie viel Zeit Sie in Ihre künftige Beziehung investieren wollen. Sie geben ihre Meinung ab zu Themen wie Familie, Finanzen, Religion und ob der Alkoholkonsum im Kanton Bern auf öffentlichem Grund zwischen 0.30 Uhr und 7 Uhr verboten werden soll.

Wenn Sie alle Fragen beantwortet haben, dann kommt er – der grosse Herzblatt-Moment. Was für eine unglaubliche Ungewissheit überkommt einem, in der kurzen Zeit, in welcher der Computer die eingegebenen Angaben auswertet? Was, wenn man mit seinem vorgeschlagenen Partnern für die nächste Legislatur nicht zufrieden ist? Was, wenn Smartvote einem mit Thomas Fuchs oder Erich Hess liieren will? Wäre das Grund genug, um sich dem politischen Dating ein für alle Mal zu entziehen?

In der Regel kommt schlussendlich doch noch alles gut und man findet einen Partner, dessen Meinung in Kernthemen wie Alkoholkonsum im öffentlichen Raum einigermassen attraktiv wirkt. Aber Vorsicht: Das muss für die angehende Beziehung noch gar nichts heissen. Denn wussten Sie, dass von 926 Herzblatt-Paaren lediglich zwei geheiratet haben?

Martin Erdmann

Martin Erdmann


Publiziert am 3. Februar 2014