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  • Für Könner: Dahingleiten wie ein Profi.

  • Auf Höhe der Kniekehlen: Die Schnauzen der robbenförmigen Gleithilfen.

  • Kleben bereits an der Bande: Kinder, die Könige der Eisbahn.

  • Keine gute Idee: An den Sohlen dieser Schuhe sind Messer befestigt.

  • Nichts für Angsthasen: Schlittschuhfahren vor dem Bundeshaus.

Ein Königreich für Knieschoner

Der «Hauptstädter» hat sich aufs Glatteis gewagt. Und dabei wichtige Lektionen fürs Leben gelernt.

Es beginnt ja eigentlich recht harmlos. Man zieht seine Strassenschuhe aus und erhält neue ausgehändigt. «Was ist da schon dabei?» Fragt man sich, bis einem dann gegenwärtig wird, dass an den Sohlen dieser Schuhe Messer befestigt sind. Oder Kufen, wie der dynamische Familienvater auf der Bank nebenan den Umstand seinen Kindern gegenüber verharmlost. Es ist kurz vor elf am Sonntagvormittag auf der Kunsteisbahn vor dem Bundeshaus. Für gewöhnlich trauen sich um diese Uhrzeit bloss die Mitglieder frischluftlustiger Grossfamilien aufs Eis. Sie sehen alle nicht so aus, als würden ihre letzten Erfahrungen mit Schlittschuhfahren noch aus der Primarschulzeit stammen, wenn sie der Primarschule denn schon entwachsen sind. Auch nicht, als wären ihre Erfahrungen mit Schlittschuhlaufen getrübt von Erinnerungen, bei denen einem der eigene Vater aus Versehen, aber doch einigermassen rasant über die klammen Fingerchen fährt.

Doch alte Narben zählen nicht – die Mission ist klar: Herausfinden, was diese Eisfläche für 30’000 Besucherinnen und Besucher pro Saison so interessant macht. Natürlich spricht die Kulisse schon mal für sich. Die Eisläufer drehen ihre Runden vor dem Bundeshaus, was an sich schon reichlich malerisch ist. Doch das Bundeshaus sieht man auch von der Bande aus, also muss noch mehr dran sein.

Armerudernd macht man sich auf den Weg zur Eisfläche. Und tut einen sehnsüchtigen Blick Richtung Restaurant, wo Ovo Mélanges serviert werden und es das Skihüttengefühl auch ohne vorgängige sportliche Betätigung zu haben gibt. Auf dem Eis angekommen, erweist sich das Standbein als erstaunlich steif, irgendeine Illusion von Sicherheit lässt es seltsam fest am Boden haften. Es lässt sich erst nachziehen, als das linke Bein beginnt, zaghafte Schlitterbewegungen auszuführen. Ein Königreich für Knieschoner! Und während man sich so anstellt, hat man Gelegenheit, über die zeitlosen Wahrheiten zu sinnieren, die einen das Schlittschuhlaufen lehrt:

  • Hochmut kommt vor dem Fall: Niemals einem Kind auf der Garderobebank ungefragt Tipps («Die Schnalle kommt über die Lasche») beim Anziehen der Schlittschuhe geben. Es wird dir die Überheblichkeit auf dem Eis mit einem beiläufig hingeworfenen doppelten Axel heimzahlen.
  • Der Kluge sorgt vor: Im Zweifelsfall immer Skisocken dabeihaben. Die Habitués der Kunsteisbahnen dieser Welt wissen, dass Schalenschuhe immens gross ausgemessen sind. Und dass es der Eleganz auf dem Eis nicht förderlich ist, wenn die Füsse nach innen knicken wie bei einem neugeborenen Fohlen.
  • Den Mutigen gehört die Welt: Die Strategie, die erste Runde einfach mal ganz locker der Bande entlang zu schlittern, muss aufgegeben werden. Denn an der Bande kleben bereits die kleinen Buben und Mädchen, deren Väter keine Hand mehr freihaben vor lauter Rückwärtsübersetzen auf der Innenbahn.
  • Do as the Romans do: Im Windschatten eines Pulks von Touristen aus schneefernen Gefilden kann der ungeübte Schlittschuhläufer Runden drehen, ohne sich eine Blösse zu geben.
  • Liebe deinen Nächsten: Auf der Eisbahn gilt das Gesetz des Kleineren. Um keine Kinder umzunieten, ist höchste Vorsicht geboten, und das bei grösstmöglicher Nachsicht. Rammt dir ein Kind die Nase seiner robbenförmigen Gleichgewichtshilfe in die Kniekehle, gebietet es die Sitte, dennoch freundlich zu lächeln, dem Kind allenfalls sogar noch während dem Fallen einen anerkennenden Spruch mit auf den Weg zu geben («Na schau an, so fix unterwegs?»). Sonst droht die soziale Isolation.
  • Schuster, bleib bei deinem Leisten: Schlittschuhfahren ist wirklich eine super Angelegenheit, die riesengrossen Spass macht. Wenn man es denn kann.
Hanna Jordi

Hanna Jordi lebt in Bern seit 1985. Etwas anderes hat sich bislang nicht aufgedrängt.


Publiziert am 20. Januar 2014

1 Kommentar

  1. Bernerin says:

    Die Eisfläche vor dem Bundeshaus ist eine tolle Idee. Nur leider wird sie zu wenig oft geglättet. Von den vielen Umfallenden und Kindern waren so tiefe Furchen drin, dass man kaum normal fahren konnte 🙁

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  1. Bernerin says:

    Die Eisfläche vor dem Bundeshaus ist eine tolle Idee. Nur leider wird sie zu wenig oft geglättet. Von den vielen Umfallenden und Kindern waren so tiefe Furchen drin, dass man kaum normal fahren konnte 🙁

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