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Im Tea-Room (2): Confiserie Beeler

Die Confiserie Beeler hat nicht nur keine Spannteppiche, sondern auch keine Polstermöbel. Tea-Room-Stimmung ist hier trotzdem zu finden.

Ohne überhaupt eine der «trendimmunen Kapseln» zu betreten, vermittelt allein der Begriff Tea-Room ein gewisses Bild. Ein Bild leicht verstaubter Gemütlichkeit, wuchtiger Polstermöbel, plaudernder älterer Damen und hoher Stapeln an Bäcker- und Zuckerwerk. Kindheitserinnerungen nach vermittelte die damalige Confiserie Abegglen an der Spitalgasse all dies, und – dank Spiegeln und Stuckrahmen – sogar einen winzigen Hauch der Grandeur eines Wiener Kaffeehauses.

Nun, die Confiserie Abegglen ist nicht mehr, ein Tea-Room ist hier aber immer noch zu finden: Inzwischen ist die Confiserie Beeler eingezogen. Vielleicht kämpft Beeler gegen die Trend-Immunität an, möglicherweise sind Kindheitserinnerungen aber eben einfach trügerisch, denn mit verstaubter Gemütlichkeit ist es hier nicht so weit her. Die Confiserie ist ein Café der harten Ecken und Kanten, Holzstühle stehen schwarzen Lederbänken gegenüber und pinke Designerleuchten zieren die Decke. Die erwartete gedämpfte Stimmung fehlt genauso wie der Spannteppich, zwei ältere Paare diskutieren leidenschafltich auf französisch, und die Absätze der Bedienung knallen nur so.

Immerhin: Coca-Cola ist hier immer noch ein «Erfrischungsgetränk» und wird laut Karte in der Glasflasche serviert. Auch die bestellte heisse Schokolade kommt wunderbar grossmütterlich daher, das Tässchen überbordet fast mit Bemalungen und Stuck. Und als sich eine ältere Dame an den Nebentisch setzt, lächelt, und prompt beginnt, über das Wetter zu plaudern, kommt tatsächlich ein bisschen Tea-Room-Stimmung auf. Geht doch.

Gianna Blum

Gianna Blum hat 2006 das Land- gegen das Stadtleben eingetauscht und sucht immer noch nach dem Unterschied. Für Hinweise ist sie dankbar.


Publiziert am 13. Januar 2014

4 Kommentare

  1. marie says:

    im beeler absolut empfehlenswert: gâteau saint honoré! dafür würde ich mit einem eimer wasser barfuss durch die wüste.
    und ich liebe bürzicasinos. das sind die einzigen orte, wo man alleine essen kann, ohne sich deplatziert zu fühlen.

  2. Elke says:

    Schade. Genau das kleine Mass an Gemütlichkeit wünsche ich mir bei Tee oder Kaffee, mit oder ohne Tortenstück. Da man ja überall in Bern auf kubischen Minimalismus stösst, wären ein paar plüschige Polsterecken und antike Kronleuchter im Mix mit Moderne echt mal was Neues gewesen. So nehme ich halt von Zeit zu Zeit “etwas” in einer zartrosa Verpackung mit nach Hause und geniesse vom Sofa aus. Witzig, als ich kürzlich mit meiner Tochter in der Stadt unterwegs war und vorschlug, Kaffee und Kuchen beim Beeler zu nehmen, meinte sie: “Nehmen wir etwas mit und trinken daheim Kaffee?” Meine Worte…

  3. Bernerin says:

    Man sah die Chefs oft drin gestikulieren währen dem Umbau. Der neue Stil ist toll, vorher war dort eine orangebraune Vorhölle. Aber etwas weniger Ausgestelltsein wäre schöner. Wieso schliessen die schönsten Tearooms nur?

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  1. marie says:

    im beeler absolut empfehlenswert: gâteau saint honoré! dafür würde ich mit einem eimer wasser barfuss durch die wüste.
    und ich liebe bürzicasinos. das sind die einzigen orte, wo man alleine essen kann, ohne sich deplatziert zu fühlen.

  2. Elke says:

    Schade. Genau das kleine Mass an Gemütlichkeit wünsche ich mir bei Tee oder Kaffee, mit oder ohne Tortenstück. Da man ja überall in Bern auf kubischen Minimalismus stösst, wären ein paar plüschige Polsterecken und antike Kronleuchter im Mix mit Moderne echt mal was Neues gewesen. So nehme ich halt von Zeit zu Zeit “etwas” in einer zartrosa Verpackung mit nach Hause und geniesse vom Sofa aus. Witzig, als ich kürzlich mit meiner Tochter in der Stadt unterwegs war und vorschlug, Kaffee und Kuchen beim Beeler zu nehmen, meinte sie: “Nehmen wir etwas mit und trinken daheim Kaffee?” Meine Worte…

  3. Bernerin says:

    Man sah die Chefs oft drin gestikulieren währen dem Umbau. Der neue Stil ist toll, vorher war dort eine orangebraune Vorhölle. Aber etwas weniger Ausgestelltsein wäre schöner. Wieso schliessen die schönsten Tearooms nur?

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