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Werbung in dieser Stadt

Werbung im öffentlichen Raum kann nerven – aber auch schön irritieren. Wir haben einige Berner Beispiele zusammen geklaubt.

Es war im glücklicherweise nun überstandenen Weihnachtsgeschäftsfieber, als einige Werbeplakate – vorab von Grosskonzernen – mit den Klebern «Stopp! Keine Werbung in dieser Stadt!» verziert worden sind. Eine Art Ad Blocker für den städtischen Raum wurde hier also von unbekannter Seite her gefordert, ein Blocker, der folgende Werbefelder wohl in Mitleidenschaft gezogen hätte, leider.

Denn ein Ort der Kurzweil ist für mich die unzerstörbare Werbeschalttafel am Viktoriaplatz: Hier wechseln sich Schilder für Gigi Oeris Puppenmuseum in Basel mit einem Werbeunikum ab. Dieses Unikum weist auf die «Lucky Art» eines Karl Bauer hin, die das Werk von Niki de Saint Phalle mit der Angry-Birds-Ästhetik kreuzen. Sehr reizvoll.

Auch gefallen hat mir der Fleischwarentransporter, der mit zwei bestens trainierten Fleischbotschaftern tapeziert war: Der Schwingerkönig der Herzen aus Bolligen – Willy Graber – war der eine, der andere war Yves Studer, einstiges Aushängeschild des Boxing Days im Kursaal. Gemeinsam zeigten sich die beiden Kämpfer von ihrer zärtlichen, ja, leidenschaftlichen Seite – und setzten so den Slogan «Bestes Fleisch aus Leidenschaft» kongenial um.

Ebenfalls mit Menschenfleisch warb eine mir bis anhin unbekannte Modekette, die auf dem Warentransporter «extravagante Damenmode» ankündet. Um dies zu illustrieren, präsentierte der Transporter einen nackten Mann auf der Fläche, versehen mit dem ultimativen Slogan: «Kleidi oder nackt». Kurz, eine virtuose Werbung, die man im öffentlichen Raum nicht missen möchte.

Benedikt Sartorius

Benedikt Sartorius lebt seit dem Transfer aus dem Oberland in Bern und hat seit einiger Zeit Frieden mit der Stadt geschlossen. Eine gewisse Neigung zum Sandstein- und Laubenallergiker ist aber immer noch spürbar.


Publiziert am 3. Januar 2014

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