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Die Suche nach dem kleinen Abenteuer

Haben Sie ein Faible für Elfen, Zwerge und die Heilkraft des Glasbrunnen-Wassers? Ihr zuverlässiger Hauptstädter hilft und liefert wertvolle Tipps zur herbstlichen Wandersaison.

Das Herbstwetter bietet eine ideale Gelegenheit, sich vor dem langen, harten und dunklen Winter nochmals auf Wanderschaft zu begeben. Auch hier können Sie sich auf den Hauptstädter verlassen: Inspiriert vom spirituell angehauchten Kinder-Wanderführer «Kleine Abenteuer – sieben Streifzüge rund um Bern» haben wir für Sie eine kleine Auswahl an Wanderungen zusammengestellt.

Diese Abenteuerwanderungen versprechen Spektakuläres: Denn der zwerge- und elfenaffine Wanderführer verspricht, dass es rund um Bern «Schätze» zu finden gebe; zwar keine mit Gold gefüllte Truhe, aber doch «Eindrücke und Erlebnisse» mit denen sich reich werden lässt.

1. Gurten: Zwerge und den Findling finden

Als erstes der wertvolle Hinweis: Man kann auch mit dem Bähnli auf den Gurten fahren. Sollte man jedoch keine Mühe scheuen und sich für den Fussweg entscheiden, macht einen der Wanderführer gleich auf ein weiteres wichtiges Faktum aufmerksam: Es handle sich bei den vorbeifahrenden Objekten nicht um «Marsmenschen in Lichtgeschwindigkeit», sondern um Biker.

Im Folgenden wird denn auch deutlich, wie viel verpasst werden kann, wenn man mit dem Bähnli auf den Gurten fährt: Auf dem Fussweg kann man am Waldrand nämlich einen Findling finden. Der Steinbrocken erinnert an nichts Geringeres als an die Eiszeit: Der Aaregletscher war hier.

Und dann kommen die Zwerge ins Spiel: Auf den Findling folgt der «Schalenstein» – dort findet man, wie unser Reiseführer glaubhaft belegt, Zwergenteller. Die Zwerge treffen sich dort zum Schlemmen – allerdings leider nur nachts, wenn keine Menschen in der Nähe sind.

2. Elfenau: Elfen finden

Nach dem Gurten kann sich der elfenreichversierte Wanderer nun in die Elfenau begeben. Bis zur Busstation Elfenau soll man fahren und sich dort als erstes das Folgende überlegen: Wie viele Menschen braucht es, um den Stamm der dritten Eiche links am Strassenrand zu umarmen? Auf dem Weg Richtung Stadtgärtnerei trifft dann man auf eine Bank, auf die «manch ein Bänkli in der Stadt eifersüchtig wäre».

Sobald sich der Wanderer am Bänkli sattgesehen hat, kann er sich historischen Fakten zuwenden: Verfolgt man den Weg weiter, an der Stadtgärtnerei vorbei, erreicht man ein stattliches Herrenhaus. Eigentlich mehr ein Damenhaus, denn dort lebte vor 200 Jahren die russische Fürstin Anna Feodorowna, die vor ihrem grausamen Mann in die Schweiz geflohen war. Sie war es auch, die die Elfen entdeckte: Eines Morgens überraschte sie diese nämlich in ihrem Park beim Tanzen. War es da für Frau Feodorowna nicht naheliegend, ihr Landgut «Elfenau» zu nennen?

3. Bremer: Heilung finden

Wissen Sie schon, welches Highlight hier kommen muss? Ja klar, der Kraftort der Stadt Bern, schon mehrfach zu Partyzwecken missbraucht: unser Glasbrunnen. Doch der Wanderführer warnt: Im «grössten Wald auf Stadtboden» kann man sich schon mal verirren. Was trifft man dann wohl? Einen Troll? Einen Dinosaurier? Hobbits?

Zunächst folgt aber eine eher profane Information: Zwischen 1934 und 1954 fand im Bremgartenwald der Grand Prix Suisse Bern statt. Der Anlass wurde aber eingestellt, weil er sowohl für Fahrer, als auch für das Publikum zu gefährlich war.

Und ja, jetzt kommen wir tatsächlich zum Glasbrunnen: Wie wir alle wissen, hat das Wasser des Brunnens heilende Kräfte. Allerdings bräuchte man den Brunnen gar nicht mehr aufzusuchen, um geheilt zu werden. Denn das Brunnenwasser kann mittlerweile käuflich erworben werden.

4. Gäbelbach: «Twelve Monkeys» oder die befreiten Sika-Hirsche

Unser spiritueller Wanderführer kennt das «West-Side» und erläutert: «Du befindest dich auf der westlichen (englisch: west) Seite (englisch: side) von Bern». Behandelt wird sogar ein Politikum: Anhand der Gäbelbachsiedlung wird der Vorteil verdichteten Bauens exemplifiziert – denn die Siedlung bietet «auf wenig Land vielen Menschen eine günstige Wohnung». Ins Gäbelbachtäli führt dann ein «abenteuerlicher» Tunnel. Hier die Konfrontation mit einer schier unlösbaren Aufgabe: es ist herauszufinden, wann der Tunnel erbaut wurde («Eine kleine Jahrzahl beim Eingang ist des Rätsels Lösung»).

Im Tiergarten Gäbelbach gab es übrigens «eines Nachts» den Versuch, die dort eingesperrten Sika-Hirsche zu befreien – erinnert das nicht an das Filmepos «Twelve Monkeys», in dem Brad Pitt alle Tiere aus dem Zoo befreit?! Leider konnten die Tiere nicht wie im filmischen Pendant die Weltherrschaft ergreifen. Zwei Hirsche wurden überfahren, sechs erschossen und drei kehrten in den Tierpark zurück.

5. Engehalbinsel: Ein Paradies für Archäologen

Rossfeld: Wie lautet das Geheimnis hinter diesem Namen? Ja genau: Ross und Feld. Weil Pferde auf einer weiten Wiese grasten, aber der Modernisierung zum Opfer fielen und mittlerweile «davongaloppiert» sind.

Das Rossfeld ist indes nicht zu unterschätzen, denn hier gibt es ein erstaunliches Sammelsurium an archäologischen Funden: Überreste keltischer und römischer Siedlungen sind vorzufinden. Sogar die Reste eines Amphitheaters und eines römischen Badehauses sind zu begutachten. Sind wir hier in Rom, oder was?! Gabs im Rossfeld auch Gladiatorenkämpfe?

Sie sehen: in den nächsten Wochen wird es wandertechnisch viel zu tun geben. Aber gibt es etwas Attraktiveres, als sich auf die Spuren von Elfen, Zwergen und Gladiatoren zu begeben? Natürlich wird es der Hauptstädter nicht bei dieser Sammlung belassen. In den nächsten Wochen werden Sie an dieser Stelle erfreulicherweise auch fundierte Erfahrungsberichte finden – denn uns dürstet nach «kleinen Abenteuern»!

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Julia Richter ist 2007 aus der süddeutschen Provinz nach Bern gezogen. Nach Kurzaufenthalten in Liebefeld, Bordeaux und Genf lebt sie heute im Länggassquartier.


Publiziert am 1. November 2013

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