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Kerzenlicht und Canapés

Das Café Black in der Amthausgasse ist in einer geschichtsträchtigen Liegenschaft untergebracht. Anlass genug, diese «Black Historie» in einer beinahe geheimen Ausstellung nachzuzeichnen.

Wir waren schon einmal im Café Black an der Amthausgasse. Das war ziemlich genau vor einem Jahr und man trank damals «das Bier mit roter Brause», einen Drink namens Monaco, dessen übermässiger Genuss ein paar Monate später in Paris beinahe verhängnisvoll endete. Aber das ist eine andere Geschichte.

Um Geschichte, und zwar um Ortsgeschichte, ging es bei meinem erneuten Besuch dennoch. Denn das Café Black beherbergt derzeit eine der wahrscheinlich geheimsten Ausstellungen dieser Stadt. Wäre da nicht die Notiz im Veranstalungskalender, ich hätte die «Black Historie» mit Sicherheit verpasst. Und so bahnte ich mir den Weg durch die lebendige Schänke, in der Weisswein, Birchermüesli, diverse Canapés und verschiedene Kaffeespezialitäten simultan kredenzt wurden, in Richtung Untergeschoss, um die «Dokumentation auf grossen Bildtafeln vom 16. Jahrhundert bis Heute» zu entdecken.

Geballte Information empfängt den Besucher dieser Ausstellung, die im Raum vor den Toilettentüren Platz findet. Die «grossen Bildtafeln» ähneln in der Mehrzahl schmucklosen Collagen aus Word-Files und ausgedruckten PDFs. Kein kuratorisches Meisterwerk ist hier also zu besehen, das wird schnell klar, doch die Geschichte der Liegenschaft an der Amthausgasse 4, früher Judengasse 122, davor Schinkengasse, wird ja dennoch erzählt.

Und die beginnt im Jahr 1539. Zumindest wird das Objekt des Interesses in diesem Jahr erstmals erwähnt. Der aufmerksame Leser des Excel-Tabellen-ähnlichen Tableaus erfährt, dass der erste Besitzer des damaligen Stalles «Anthon Tilger der Jüngere» geheissen hat. Man trifft den «Lehenkutscher» Johannes Wyss an, die von Graffenrieds (bereits im Jahr 1765) und die Gesellschaft zu Mittelöwen, die es ab 1722 als ihr neues Zunfthaus benutzt hat. Denn der Stall is da schon Geschichte, die Rede ist nun von einem «steinernen Wohnhaus an der Judengasse (Sonnseite), samt den darin befindlichen Trumaux und leerem Weingeschirr im Keller.» Es geht bei diesem Eintrag um ein Tauschgeschäft zwischen Agglo und Stadt, steht doch eine «Bodengülte auf Gut zu Ostermundigen» zum Angebot.

1902 wird die Judengasse zur Amthausgasse, aus dem Wohnhaus 1961 ein «Wohn- und Geschäftshaus». Schliesslich eröffnet 1968 unser Café Black in der Liegenschaft, die mittlerweile der Gesellschaft zu Mittellöwen gehört. Die goldenen Zeiten erlebte das Black, das erfährt man auch, in den Disco-Jahren – mitsamt Oldies und dem «Postillon d’Amour», der Briefli-Schreiber-Tätigkeit, die in der Facebook-Gruppe mit über 300 Mitgliedern ein wenig nachvollzogen werden kann. «Doch auch diese schöne Zeit musste einmal enden», heisst es auf der Wand, denn 1991 wurde renoviert. Statt Discotime hiess es täglich ab 20 Uhr «Black Fancy Night». Ich zitiere: «Bei Kerzenlicht und ruhiger Musik wurden Longdrinks, Cocktails und kleine Snacks serviert».

1998 dann, die grosse Fete zum 30. Geburtstag: «Unterstützt durch verschiedene Geschäfte und Modehäuser wurde das Black zum Laufsteg einer Modelagentur mit Auftritt der Miss Bern Michelle Rytz.» Die Geschichte endet natürlich in der Gegenwart beziehungsweise beim «modernen Schriftzug», der bereits vor dem Pächterwechsel 2011 angebracht worden ist.

Am schönsten ist naturgemäss der leider ein wenig knapp gehaltene Bildstoff dieser kleinen Ausstellung, der vor allem für Retrofanatiker Pflichtstoff ist. Und man weiss spätestens nach dem Besuch des Black-UG, dass 1998 ein fernes Jahr in der tiefen Vergangenheit ist.

Freilich bleibt die Ausstellung etwas schuldig. Denn aus welchen Marketing-Mühlen der Klasse-Slogan «Z = Q + K x 365» stammt, wird leider nicht verraten.

Benedikt Sartorius

Benedikt Sartorius lebt seit dem Transfer aus dem Oberland in Bern und hat seit einiger Zeit Frieden mit der Stadt geschlossen. Eine gewisse Neigung zum Sandstein- und Laubenallergiker ist aber immer noch spürbar.


Publiziert am 30. September 2013

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