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«Pop-up-Yoga»

Guerilla-Yoga auf den schönen Wiesen der Stadt war gestern. Denn nun lockt der Pop-up-Untergrund.

Es gibt sehr schöne Plätze in Bern, um die Matte auszurollen und Yoga-Übungen zu praktizieren, so sagt man jedenfalls. Besonders beliebt sind selbstverständlich die Parkanlagen, namentlich der Rosengarten, die Grosse Schanze, und wie jüngst gesehen, der Spitalackerpark. Einst hiess dieses Turnen im Freien Guerilla-Yoga, doch allem Anschein nach ist dies Schnee von gestern.

Den letzten Schrei in der schon länger Marketing-verseuchten Yoga-Landschaft praktiziert nämlich ein Grossverteiler zur Bewerbung seiner «Linie für vegetarischen Genuss aus aller Welt». «Pop-up-Yoga» nennt sich die Marketing-Aktion, die an den unwahrscheinlichsten Orten aufpoppt. Besser, an den unwirtlichsten Orten.

Und so landen wir – knapp ein Jahr nach der Lancierung dieses Blogs – wieder mal am Berner Bahnhof, genauer in der ewigen Nacht der Passage, die zum schön beleuchteten Alki-Stein führt. Denn dort hat dieser Grossverteiler, der auch für einen anderen «Unort» gleich nebenan verantwortlich zeichnet, an einem Nachmittag rote Yoga-Matten ausgelegt, eine Yoga-Trainerin mit Mikrophon ausgestattet – und gar ein paar willige MitturnerInnen gefunden, die an diesem denkbar unentspanntesten Ort der zelebrierten Entspannung frönen.

Nach einer Viertelstunde gibts als Prämie fürs Mitturnen ein Menü aus der neuen «Linie», während beim Vorbeieilenden doch die Frage aufpoppt, ob denn das nie aufhört mit diesen Ungeheuerlichkeiten, die einem in der scheinbar echten Welt so begegnen.

Benedikt Sartorius

Benedikt Sartorius lebt seit dem Transfer aus dem Oberland in Bern und hat seit einiger Zeit Frieden mit der Stadt geschlossen. Eine gewisse Neigung zum Sandstein- und Laubenallergiker ist aber immer noch spürbar.


Publiziert am 4. September 2013

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