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Verbrechen lohnt sich

Dobrich, Bulgarien ist keine besonders attraktive Destination. Dennoch hat die renitente Jungbärin Berna soeben das grosse Los gezogen.

Da liegt sie nun also in einer kargen Transportbox. Erst halbwegs aufgetaucht aus der Narkose, den ihr die Tierpark-Fachkraft verpasst hat. Und doch lässt ihr Blick bereits auf eine Erkenntnis schliessen. Die Erkenntnis nämlich, dass selbst eine stattliche Jungbärin nicht ungestraft das Kalb machen kann. Dass sie es mit ihrer Stutenbissigkeit zu weit getrieben hat. Und dass sie jetzt, gerade mal dreieinhalb Jahre nach ihrer Geburt und Integration im Berner Bärenpark, als ausgewiesene «Aggressorin» ein einem unglücklich entflammten Familienzwist vor ihrem Ausschluss aus der Bärenpark-Gemeinschaft steht. Arme Berna. Arme, renitente, belämmerte Berna.

Nach Bulgarien soll es gehen. In Bulgarien hat man zwar durchaus Erfahrung mit Bären. Da gibt es massig Bärenparks, von denen die meisten allerdings von ausgeschaubten Tanzbären bewohnt werden, die unter der Ägide von Tiermama Brigitte Bardot und mithilfe von weichherziger Vier-Pfoten-Spendern aus der Schweiz ihr nachhaltig traumatisiertes Dasein fristen. Bernas Bärenbehausung liegt im Zoo von Dobrich. Dobrich ist NICHT als die Perle des Schwarzen Meers bekannt. Ein Bulgarien-Experte hat die neuntgrösste Stadt Bulgariens ganz im Gegenteil einmal folgendermassen beschrieben: «Weizen, Weizen, Weizen und in der Mitte eine Industriestadt». Arme Berna. Arme, abgeschobene Berna.

Allerdings: Was Berna im Moment erscheinen mag wie der dunkelste Moment ihres jungen Lebens, könnte sich schon bald als das grosse Los entpuppen. Da wird sie nun nach Bulgarien geschickt, ist das erste Mal weg von ihren Eltern, ihrer Schwester und den ihr bekannten, durchaus übersichtlichen Gefilden. Ihr wird nun ermöglicht, was jedes Jungsäugetier, gesunden Abnabelungsgelüsten folgend, einmal hinter sich bringt: Sie zieht von Zuhause aus.

Dobrichs Zoo ist ein relativ geflügel- und huftierlastige Angelegenheit, wie man in einem Videobeitrag über den Tierpark erfahren kann (hier gehts zum Video). Berna mit ihren scharfen Zähnen, den Krallen und dem treuherzigen Blick wird sich im Nu zum Star mausern. Und während Ursina bei ihren Eltern zurückbleibt und damit auf dem besten Weg ist, zum schrulligen Altsingle zu werden, darf Berna sich in ihrer 6000-Quadratmeter-Bude ganz auf sich konzentrieren. Bis ihr dann gemäss Angaben des Tierparks ein Kerl zur Seite gestellt wird zur netten Gesellschaft. So übel klingt das alles nicht. Verbrechen lohnt sich halt doch.

Hanna Jordi

Hanna Jordi lebt in Bern seit 1985. Etwas anderes hat sich bislang nicht aufgedrängt.


Publiziert am 22. Juli 2013

5 Kommentare

  1. Philipp Rittermann says:

    frau jordi. der 3.letzte satz ist äusserst sexistisch. was, wenn berna lesbisch wäre?! in der heutigen zeit des wohlstands-feminismus muss hierauf rücksicht genommen werden; solch heikle aussagen werden im minimum von femen, dem verein für männerrechte, den alternativen, den heteros, den homos, sowie vom blauen kreuz, absolut nicht goutiert. sie begeben sich in teufels küche! der verein feministischer tierschützerinnen wird sie kreuzigen, dafür! 8)

  2. Markus says:

    was für eine anachronistische unsitte, dieses tierequälen zur öffentlichen belustigung. sterilisieren, rumtransportieren, einzäunen, auszäunen,… da lob ich mir die bündtner: die ersparen den tieren das leid und knallen sie sofort ab. nei auso ehrlech!

  3. Jean Gerber says:

    Vielleicht hat es in Frau Jordis neuer Wohnung nicht nur Platz für Balkontomaten, sondern auch für einen Duden. Und zwar für einen aktuellen, nicht für einen “ausgeschaubten”.

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  1. Philipp Rittermann says:

    frau jordi. der 3.letzte satz ist äusserst sexistisch. was, wenn berna lesbisch wäre?! in der heutigen zeit des wohlstands-feminismus muss hierauf rücksicht genommen werden; solch heikle aussagen werden im minimum von femen, dem verein für männerrechte, den alternativen, den heteros, den homos, sowie vom blauen kreuz, absolut nicht goutiert. sie begeben sich in teufels küche! der verein feministischer tierschützerinnen wird sie kreuzigen, dafür! 8)

  2. Markus says:

    was für eine anachronistische unsitte, dieses tierequälen zur öffentlichen belustigung. sterilisieren, rumtransportieren, einzäunen, auszäunen,… da lob ich mir die bündtner: die ersparen den tieren das leid und knallen sie sofort ab. nei auso ehrlech!

  3. Jean Gerber says:

    Vielleicht hat es in Frau Jordis neuer Wohnung nicht nur Platz für Balkontomaten, sondern auch für einen Duden. Und zwar für einen aktuellen, nicht für einen “ausgeschaubten”.

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