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  • Ein Klassiker des Protests: «Polanski: Say sorry and be free». (Bild: Adrian Moser)

  • Auch Zottel gehört zur Kundgebungskultur – dank dem SVP-Familienfest. (Bild: Manuel Zingg)

  • Trotz Rauferei an der Vernissage: Der Anti-Holcim-Protest beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

  • War jemand da? Occupy Bundesplatz.

  • Vor zwei Jahren der Protest-Blockbuster schlechthin: AKW-Ade-Verantstaltungen auf dem Viktoriaplatz. (Bild: Adrian Moser)

Protestnoten

Bern gilt dank seinem Bundesstadtstatus als Hort der Grossdemonstrationen. Doch natürlich kann man auch kleiner und überschaubarer demonstrieren – sofern denn einer hinschaut.

Denkt man an Kundgebungen in Bern, dann denkt man ans SVP-Familienfest, an «Tanz dich frei», an Anti-Wef-Manifestationen, an die Umzüge der Gewerkschaften oder an die Stopp-Abbau-Demo des Staatspersonals. Kurz, man denkt an Grossveranstaltungen, die nicht selten von Polit- und Polizei-Scharmützeln umrahmt werden.Im Schatten dieser zumeist auf dem Bundesplatz spielenden Protest-Blockbustern darben die kleinen Kundgebungen, die nur in den vermischten Nachrichten zu finden sind, so sie denn wegen mangelndem Publikumsaufmarsch überhaupt auftauchen.

Alle Jubeljahre wieder schaffen es diese kleinen Veranstaltungen dann doch in den Fokus. Unvergessen ist meine Lieblings-Bildbox der jüngeren Zeitungsgeschichte. Der Anlass: Die Polanski-«Demo» auf dem Bärenplatz. So las sich der «Bund»-Eintrag am 31. Oktober 2009: «Polanski-Demo: Gestern rief der Könizer Matthias Künzi-Graf zu einer Demonstration für Roman Polanski auf. Nur wenige folgten seinem Ruf und begaben sich auf den Berner Bärenplatz, obwohl Künzi extra einen Song («Exgüsi Herr Polanski») geschrieben hatte.» Vor allem das Bild sorgt noch immer für linguistische Rätseleien, denn noch immer ist nicht vollständig geklärt, was der Slogan «Polanski: Say sorry and be free» genau bewirken will. Leider ist auch das Lied noch immer nicht zum Vorschein gekommen.

Weniger abstrus, aber doch überraschend schlecht besucht bzw. «Klein, aber oho;)», wie die veranstaltende Piratenpartei twittert: Die Demo am vergangenen verregneten Samstag gegen die Überwachungsmethoden der USA im Umkreis der amerikanischen Botschaft. Sie ist da in bester Gesellschaft: Ebenfalls überschaubar blieb die Teilnehmerzahl auf dem Höhepunkt der Occupy-Bewegung auf dem Bundesplatz, wie auch der Anti-Holcim-Protest vor dem Kunstmuseum vor Jahresfrist trotz einer Rauferei an der Vernissage nur wenige Menschen angezogen hat.

All diese kleinen Protestnoten möchte man im Hauptstadtleben nie und nimmer missen – genausowenig wie das AKW-Ade-Picknick vor dem BKW-Hauptsitz auf dem Viktoriaplatz. Jeden Freitag treffen sich bei diesem Protest-Dauerbrenner Atomkraftgegner und Atomkraftgegnerinnen. Diese Handvoll Protestierende werden das wohl tun, bis der «Schrottreaktor» Mühleberg vom Netz ist. Am Freitag erweitern die Nimmermüden das Picknick wiedermal – und laden am Abend zu «Füürabig Bier und Znacht». Es wird eine kleine Runde bleiben: Bisher haben sich gerademal 12 TeilnehmerInnen auf der Facebook-Seite eingeschrieben. Und man erinnert sich an die Zeiten von vor zwei Jahren, als Anti-AKW-Kundgebungen der Protest-Blockbuster der Saison war.

Benedikt Sartorius

Benedikt Sartorius lebt seit dem Transfer aus dem Oberland in Bern und hat seit einiger Zeit Frieden mit der Stadt geschlossen. Eine gewisse Neigung zum Sandstein- und Laubenallergiker ist aber immer noch spürbar.


Publiziert am 3. Juli 2013

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1 Kommentar

  1. Philipp Rittermann says:

    nein. sinn und zweck von demonstrationen ist es ja, möglichst viel aufmerksamkeit zu erregen. das geht nicht mit 12 schneuzen. das ist dann höchstens ein gemütlicher gruppenhöck gleichgesinnter protestierender. das ist zwar o.k., aber, wie gesagt, hat das nichts mit einer demo zu tun.

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  1. Philipp Rittermann says:

    nein. sinn und zweck von demonstrationen ist es ja, möglichst viel aufmerksamkeit zu erregen. das geht nicht mit 12 schneuzen. das ist dann höchstens ein gemütlicher gruppenhöck gleichgesinnter protestierender. das ist zwar o.k., aber, wie gesagt, hat das nichts mit einer demo zu tun.

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