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  • Die Spitzmarke zeigts: Bern ist schuld am Wetterpech.

  • Von Bern zumindest gutgeheissen: «Geldschmuggel floriert».

  • So ist das in Bern: Internetkriminalität gehört zum Tagesgeschäft.

  • Und Bern sieht tatenlos zu: Schneechaos in der Schweiz.

Ja sind wir denn an allem schuld?

Internetdiebstahl, Schnee-Chaos, Misswirtschaft: Glaubt man den Zeitungsmachern aus dem Umland, kommt alles Übel aus der Bundeshauptstadt. Wer soll für die Image-Schäden aufkommen?

Man ist sich ja einiges gewohnt. Aber irgendwann ist es genug. Da hat man einmal das Glück, sich ein Wochenende lang etwas ab vom Schuss aufzuhalten und in einer Bergbeiz zu sitzen, aparten Hauswein zu trinken und mithilfe der lokalen Presse den nächsten Schneeregenschauer zu überbrücken. Und dann das: Auf fast jeder Seite, ausser natürlich auf jenen, die für die Todes- und Viehmessenanzeigen vorgesehen sind, ist von der Heimatstadt die Rede. Allerdings nicht im Guten. Hier eine Auswahl:

«Bern: Mehr Tote im öffentlichen Verkehr»

«Bern: Geldschmuggel floriert»

«Bern: Meldungen über Internetkriminalität – markante Zunahme»

«Bern: Für Skitage in der Schule keine Subventionen»

«Bern: Viel Regen im Norden und Stau im Süden»

«Bern: Schneechaos im April»

«Bern: Die Eisheiligen stehen vor der Tür»

Zugegeben: Nicht alle diese Hiobsbotschaften stammen aus dem «Walliser Boten» selbst. Doch ein Blick in die Schweizerische Mediendatenbank zeigt eine bedenkliche Tendenz auf: Bern ist der mediale Sündenbock für allerlei Unbill. Nimmt man diese Meldungen für bare Münze, so muss Bern ein schlimmer Ort sein. Einer, an dem Gelder gekürzt werden. Wo kriminelle Machenschaften ihren Lauf nehmen. An dem böse Menschen wüstes Wetter brauen, um es dann über die restliche Schweiz hereinbrechen zu lassen.

Schuld daran sind weniger die Zeitungsmacher als eine alte Zeitungstradition: Die Spitzmarke, so nennt sich die gefettete kleine Ortsangabe eingangs des Texts, soll helfen, dem Leser Orientierung zu geben in der unübersichtlichen Nachrichtenwelt: Woher stammt diese Nachricht eigentlich? Kann ich ihr trauen? Lässt sich diese mehr oder minder komplexe Geschichte geografisch irgendwie festzurren?

Nun gibt es natürlich praktische Gründe, weshalb Bern überdurchschnittlich oft als Spitzmarke herhalten muss. Aufgrund seiner zentralen Lage und gewisser historischer Bewandtnisse hat es eine Veranlagung zum nationalen Nistplatz für Bundesämter, Organisationen und Vereinsaktivitäten aller Art. Lauter Zünfte, die gerne auch mal Neuigkeiten produzieren. Wenn es also heisst: «Bern: Für Skitage keine Subventionen», dann hat der «Walliser Bote» nicht unrecht, schliesslich fällte dieser Entscheid der Bundesrat, und der sitzt bekanntlich recht zentral in Bern. Aber «Viel Regen im Norden und Stau im Süden»? Wir sind unschuldig, Meteo Schweiz amtet von Zürich, Locarno, Genf, Arosa und Payerne aus, nicht aber in Bern. «Geldschmuggel floriert»? Nicht unsere Angelegenheit, ihr Damen und Herren vom «Zürcher Oberländer», für Grenzgeschehen wenden Sie sich freundlicherweise an Kreuzlingen oder Basel. «Mehr Tote im öffentlichen Verkehr»? Wir bitten um mehr Genauigkeit: Das Bundesamt für Verkehr kommuniziert solche Zahlen von Ittigen aus.

Natürlich hat Bern andere, schwerwiegendere Probleme als missverständliche Spitzmarken in Regionalzeitungen. Die kantonalen Ausgaben müssen passend gespart werden, die Nerven liegen blank, weil die Berner Heilsarmee-Band Takasa am Eurovision Song Contest antritt und «Fors vo dr Lueg», der designierte Siegermuni am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Burgdorf, ist tot. Dennoch ist es nicht zu unterschätzen, was solche Verleumdungen dem Image Berns antun. Wenn sich diese negativen Bilder einmal eingebrannt haben, sind sie nur schwer wieder zu beseitigen.

Bleibt zu hoffen, dass auch künftig die positiven Streiflichter in der von-und-zu-Bern-Berichterstattung nicht ausbleiben. Sie könnten Wunder bewirken. So wie jener wohltuende, weil durch und durch positive Artikel vom 16. April: «Bern: Bevölkerung befürwortet die Rückkehr des Bibers». Immerhin. Danke, «Walliser Bote».

Hanna Jordi

Hanna Jordi lebt in Bern seit 1985. Etwas anderes hat sich bislang nicht aufgedrängt.


Publiziert am 17. Mai 2013

4 Kommentare

  1. Philipp Rittermann says:

    ich kann entwarnung geben, frau jordi. beispielsweise in zürich hats viel mehr “sündenböcke” als im freundlichen bern. natürlich ist das bundeshaus ein handicap; jedoch werden sie feststellen, dass die mehrheit der blöden parlamentarier jeweils die erste klasse der zugsverbindung zürich-bern verstopft.
    das image von bern ist absolut intakt; ich wittere gar eine gezielte verschwörungskampagne bezüglich ihren gelisteten headlines – wahrscheinlich versuchen anderen kantone das ruhige und beschauliche bern gezielt zu diffamieren!! schrecklich. ich kann nur raten – igeln sie sich ein, bilden sie eine virtuelle wagenburg, verteidigen sie falls nötig, greifen sie selber aber niemals an. die bösen verschwörer werden sich wieder abwenden – ga-ran-tiert. 😉

    • Hanna Jordi says:

      Vielen Dank, Herr Rittermann, für die beruhigenden Worte. Sie haben natürlich recht. Zürich hat den Bankenplatz und damit einen massiven Katalysator für Negativschlagzeilen. Und Basel die Pharmabranche, auch ein Klumpfuss. Da sind wir schon fast fein raus.

  2. Walter Strahm says:

    BERN: Der BUND, gemeint ist nicht die Eidgenossenschaft, ist zu einem peinlichen Blättchen verkommen wo einige Schreiberlinge alles schönreden was zu kritisieren ist. Es stimmt, “nume nid gsprängt – isch effizient”, da haben die Berner die vielen kopflosen Umhereilenden etwas vor. Aber das Aussitzen aller Probleme ist keine Lösung, auch wenn es die ganze Redaktion gerne so handhaben möchte. Natürlich ist es frustrierend festzustellen, dass die ganze Schreibarbeit von heute morgen auf dem Markt zum Einwickeln des Gemüses verwendet wird. Spätestens dann sollte es jeder Lokaljournalist merken, man nimmt sich wohl etwas zu wichtig. Auch der tolle BUND von heute ist glücklicherweise morgen nur noch gewöhnliches Altpapier.

    • Rolf Helbling says:

      Der Bund ist bis heute die einzige Zeitung, die ich je abonniert habe. Und mich reut kein Franken.

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  1. Philipp Rittermann says:

    ich kann entwarnung geben, frau jordi. beispielsweise in zürich hats viel mehr “sündenböcke” als im freundlichen bern. natürlich ist das bundeshaus ein handicap; jedoch werden sie feststellen, dass die mehrheit der blöden parlamentarier jeweils die erste klasse der zugsverbindung zürich-bern verstopft.
    das image von bern ist absolut intakt; ich wittere gar eine gezielte verschwörungskampagne bezüglich ihren gelisteten headlines – wahrscheinlich versuchen anderen kantone das ruhige und beschauliche bern gezielt zu diffamieren!! schrecklich. ich kann nur raten – igeln sie sich ein, bilden sie eine virtuelle wagenburg, verteidigen sie falls nötig, greifen sie selber aber niemals an. die bösen verschwörer werden sich wieder abwenden – ga-ran-tiert. 😉

    • Hanna Jordi says:

      Vielen Dank, Herr Rittermann, für die beruhigenden Worte. Sie haben natürlich recht. Zürich hat den Bankenplatz und damit einen massiven Katalysator für Negativschlagzeilen. Und Basel die Pharmabranche, auch ein Klumpfuss. Da sind wir schon fast fein raus.

  2. Walter Strahm says:

    BERN: Der BUND, gemeint ist nicht die Eidgenossenschaft, ist zu einem peinlichen Blättchen verkommen wo einige Schreiberlinge alles schönreden was zu kritisieren ist. Es stimmt, “nume nid gsprängt – isch effizient”, da haben die Berner die vielen kopflosen Umhereilenden etwas vor. Aber das Aussitzen aller Probleme ist keine Lösung, auch wenn es die ganze Redaktion gerne so handhaben möchte. Natürlich ist es frustrierend festzustellen, dass die ganze Schreibarbeit von heute morgen auf dem Markt zum Einwickeln des Gemüses verwendet wird. Spätestens dann sollte es jeder Lokaljournalist merken, man nimmt sich wohl etwas zu wichtig. Auch der tolle BUND von heute ist glücklicherweise morgen nur noch gewöhnliches Altpapier.

    • Rolf Helbling says:

      Der Bund ist bis heute die einzige Zeitung, die ich je abonniert habe. Und mich reut kein Franken.

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