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  • Eine Abendgesellschaft auf Abwegen.

  • Wenn der Müll doch bloss aus Pfand- und Mehrweggeschirr bestehen würde!

  • Techno soll helfen? Vielleicht wenn das Statement in anständiger Schönschrift geschrieben worden wäre.

  • Knigge würde sich im Grab umdrehen: Sonnenbrille bei Nacht!

«Tanz dich frei» und der Sittenzerfall

Der Berner Gemeinderat hat am letztjährigen «Tanz dich frei» «unanständiges Benehmen» festgestellt. Jetzt hilft nur noch Knigge.

Es ist ein schreckliches Gefühl: Alle waren sie an dieser Party, selber hat man sie aber völlig verpasst. Natürlich muss danach gleich der neuste Tratsch in Erfahrung gebracht werden. So ähnlich ist es wohl der SVP nach dem letztjährigen «Tanz dich frei» ergangen. Um den versäumten Party-Gossip doch noch mitzubekommen, wurde der Gemeinderat kontaktiert. Doch anstelle von brisanten Anekdoten mit dreckigen Details steckte dieser der SVP bloss eine etwas biedere Liste mit Gesetzesverstössen zu.

Einzig in der Rubrik «Kantonale Verordnung über Ordnungsbussen» wird es pikant. Tatbestand: «unanständiges Benehmen». Wer was gemacht hat, wird leider verschwiegen. Die Party-Kommission des Gemeinderats gibt Hinweise. Im Verstoss gegen das Abfallreglement heisst es: «Nichtverwenden von Pfand- und Mehrweggeschirr». Heisst das, dass direkt aus der Flasche getrunken und gar mit den Händen gegessen wurde? Das ist in der Tat nicht gerade festlich und könnte durchaus als «unanständiges Benehmen» bezeichnet werden.

Doch welch weiteres unziemliches Verhalten die Aufmerksamkeit der Party-Kommission auf sich gezogen hat, ist unklar. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als zu spekulieren. Haben sich vereinzelte Gäste nach allfälligem wildem Urinieren etwa nicht die Hände gewaschen? Fielen Kraftausdrücke? Gab es farbliche Unstimmigkeiten bei der Abendgarderobe? Und waren Gäste anwesend, die (über Facebook) gar nicht eingeladen waren? Wie unanständig wäre das denn bitte!

Die Frage erscheint durchaus berechtigt: Fördert «Tanz dich frei» den sittlichen Zerfall unserer Gesellschaft? Wenn ja, was ist dagegen zu tun? Es scheint, dass nur einer Bern von Sodom und Gomorra bewahren kann: Adolph Knigge. Der Moses der sozialen Umgangformen ist Namensgeber etlicher Benimm-Bibeln. Wenn Sie gedenken, der nächsten Ausgabe von «Tanz dich frei» die Ehre zu erweisen, dann haben Sie noch rund fünf Wochen Zeit, um sich in die Thematik einzulesen.

Das Wichtigste in Kürze: Vergessen Sie nicht, Ihr Gegenüber, falls vorhanden, mit akademischem Grad und Adelszusätzen anzusprechen. «Fräulein» gehört auch in gehobenen Kreisen zum gestrigen Vokabular. Eignen Sie sich ein paar Tanzschritte an. Anständige Stile: Wiener Walzer und Foxtrott. Und vergessen Sie nie: Einen Frack trägt man erst ab 18 Uhr.

P.S: Sie wollen auch abseits von «Tanz dich frei» ein Leben als anständiger Mensch führen? Das Kingge-Forum hilft ihnen in schwierigen Situationen weiter. Beispiele: Ist es ok im Internet geduzt zu werden?, was mache ich mit WC-Deckeln auf öffentlichen Toiletten? und wie hole ich eigentlich meine Freundin richtig mit dem Auto ab?

Martin Erdmann

Martin Erdmann


Publiziert am 15. April 2013

6 Kommentare

  1. Ted says:

    Warum ist der Hauptstädter-Blog eigentlich nur so schrecklich langweilig und ohne jeglichen Inhalt?

  2. C.Wendl says:

    Genialer Beitrag. Habe mich soeben noch etwas auf der Seite des Knigge vergnügt.
    In vorzüglicher Hochachtung,
    Ihr C.Wendl

  3. Hans Peter Bolliger says:

    Leider ist es so, dass viele Nichttänzer, welche am nächsten Morgen über das “Freiheitsparkett” wandeln, annehmen müssen, dass ein grosser Teil der Partygänger “Knigge” für die Marke eines neuen Koffeingesöffs halten.

  4. Philipp Rittermann says:

    nun. herr erdmann. tanzen ist ein ausdruck von indiskretion und frivolität und somit klar sittenwidrig. wird dies auch noch durch (regional-)politiker zelebriert grenzt das wahrlich schon an blasphemie. vor allem die wollüstigen gemeinderäte fallen da auf einschlägigen festen durch wüstes gehabe auf. bei den bürgerlichen wird das, ob das klug sei oder nicht, mehr öffentlich gemacht. die linke hingegen verbindet die aussschweifungen lieber mit einem gruppengschpürschmireisli ins berner oberland, wo dann zärtlich im tipi gefummelt wird, nach dem 2. eve. aber wie auch immer – der knigge ist in unserer zeit nur noch ein verstaubtes relikt für einige unverbesserliche vergangenheitsdogmatiker wie mich.

    • Martin Erdmann says:

      Herr Rittermann, das sind interessante Ansichten. Das beschriebene Feierverhalten der politischen Positionen scheint mir nicht fernab jeglicher Realität.
      Hoffentlich haben Sie sich inzwischen im Knigge-Forum angemeldet. Sie könnten sich dort bestimmt grosser Beliebtheit erfreuen.

    • Philipp Rittermann says:

      guten tag herr erdmann
      nun ja. der knigge-blog würde in der tat einiges potential für ganz restriktiven schabernack meinerseits bieten. heisst, ich lasse da besser die finger von. 😉

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  1. Ted says:

    Warum ist der Hauptstädter-Blog eigentlich nur so schrecklich langweilig und ohne jeglichen Inhalt?

  2. C.Wendl says:

    Genialer Beitrag. Habe mich soeben noch etwas auf der Seite des Knigge vergnügt.
    In vorzüglicher Hochachtung,
    Ihr C.Wendl

  3. Hans Peter Bolliger says:

    Leider ist es so, dass viele Nichttänzer, welche am nächsten Morgen über das “Freiheitsparkett” wandeln, annehmen müssen, dass ein grosser Teil der Partygänger “Knigge” für die Marke eines neuen Koffeingesöffs halten.

  4. Philipp Rittermann says:

    nun. herr erdmann. tanzen ist ein ausdruck von indiskretion und frivolität und somit klar sittenwidrig. wird dies auch noch durch (regional-)politiker zelebriert grenzt das wahrlich schon an blasphemie. vor allem die wollüstigen gemeinderäte fallen da auf einschlägigen festen durch wüstes gehabe auf. bei den bürgerlichen wird das, ob das klug sei oder nicht, mehr öffentlich gemacht. die linke hingegen verbindet die aussschweifungen lieber mit einem gruppengschpürschmireisli ins berner oberland, wo dann zärtlich im tipi gefummelt wird, nach dem 2. eve. aber wie auch immer – der knigge ist in unserer zeit nur noch ein verstaubtes relikt für einige unverbesserliche vergangenheitsdogmatiker wie mich.

    • Martin Erdmann says:

      Herr Rittermann, das sind interessante Ansichten. Das beschriebene Feierverhalten der politischen Positionen scheint mir nicht fernab jeglicher Realität.
      Hoffentlich haben Sie sich inzwischen im Knigge-Forum angemeldet. Sie könnten sich dort bestimmt grosser Beliebtheit erfreuen.

    • Philipp Rittermann says:

      guten tag herr erdmann
      nun ja. der knigge-blog würde in der tat einiges potential für ganz restriktiven schabernack meinerseits bieten. heisst, ich lasse da besser die finger von. 😉

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