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Bahnhofs-Alphabet

Zum Ausklang der Bahnhofs-Woche: Übriggebliebenes und beinahe Vergessenes im kompletten Bahnhofs-Alphabet.

A wie Aktionsraum: Der Bahnhof ist ein Raum für Aktionen, die vor allem kommerzieller Natur sind. Die politischen Aktionen finden derweil draussen vor der Heiliggeist-Kirche oder unter dem Baldachin statt.

B wie Baldachin: Zu kurzes, aber mittlerweile aus dem Stadtbild nicht mehr wegdenkbares Glasdach.

C wie City Disc: Mittlerweile nicht mehr existenter und geliebter Laden, um noch rasch peinliche Lieblings-CDs für die Reise zu kaufen.

D wie Damals: Die Nostalgie, auch das hat diese Woche gezeigt, ist allgegenwärtig am Bahnhof, zumal an Orten wie dem Sous-Sol oder dem Christoffel-Turm-Gemäuer.

E wie Loeb-Egge: Der klassische Treffpunkt für den Abendverkauf. Eher was für Menschen aus der Agglomeration, so der Verdacht.

F wie Fixstern: Der ewige Ort im Bahnhof ist das legendäre Caran D’Ache-Schaufenster. Immer wieder eine Pracht, besser als Fernsehen, zumal für Kleinkinder.

G wie Rock Garden: Ehemaliges Restaurant Christoffel, beinahe rund um die Uhr geöffnet. Bietet das Elefantenohr XXXXL an. Ein Testessen steht noch aus.

H wie Haareschneiden: Keines der letzten Abenteuer im Berner Bahnhof, aber doch eines, das nachhaltig betäubt. Denn für einmal verursachte nicht das Spiegelbild metaphysisches Gruseln, sondern die ohnehin schon betäubende Mixtur aus Coiffeurmittel (Haarspray und Shampoo), die durch hereinwehende Fleischerzeugnisgerüche ergänzt wurde.

K wie Kaffee: Den besten gibts immer noch unter der Treppe. Denn ist man erst mal weiter vorgedrungen in die Perronhöhle, gibts nur noch Brühe zu verköstigen, die auch an französischen Raststätten konsumiert werden kann.

J wie Jubilieren: Der Bahnhof Bern ist 152 jährig – ein halbweg rundes Jubiläum steht in nächster Zeit nicht an. Glücklicherweise gibts im Bahnhof immer was zu feiern, und sei es nur das Ende des Junggesellendaseins.

I wie Intercity-(Express): Hält den Pendlerpuls hoch. Und ohne ICE gäbe es keinen direkten Berlin-Anschluss. So einfach ist das.

K wie Kumar: Wohl niemand steht mehr am Bahnhof rum als Kumar und seine Frau. Die beiden Surprise-Verkäufer wechseln sich in Schichten ab. Ob Kumars YB-Schal den Umsatz anschwellen lässt, ist allerdings nur schwer zu sagen.

L wie Lex Wasserfallen: Umstrittener Wegweisungsartikel, benannt nach Kurt Wasserfallen, dem ehemaligen Sicherheitsdirektor der Stadt. Wird nicht nur, aber vor allem am Bahnhof angewendet.

M wie Migros: Ehemaliger Arbeitsort – und Ort der Platzangst, zumindest an Vorfeiertagen wie dem 31. Juli und nach samstäglichem Ladenschluss.

N wie Notsitz: Eine der wenigen Sitzplatzgelegenheiten ausserhalb Wartehalle und den Restaurants.

O wie ganz oben: Dank dem Schnelllift ist man rasch ganz oben – bzw. auf der Grossen Schanze. Und die Stimme, die da seit Jahren «Bahnhof-Vorfahrt» oder «Grosse Schanze» via knatterndes Digital-Tonband der Liftbenutzerschaft ins Ohr raunt, hat immer noch Klasse.

P wie Pirelli: Der gute alte Noppen-Boden, er wird nie in Vergessenheit geraten.

Q wie Perron Q: Wer das Perron Q sucht, ist am Hirschengraben richtig.

R wie Rolltreppenfahren: Unterscheidet ein provinzielles Zentrum von einer Grossstadt. Denn «links gehen, rechts stehen» können die Bernerinnen und Berner in der Regel nicht.

S wie Seilpark: Der umstrittene Seilpark Ropetech war diese Woche zu Gast in der Empfangshalle. Zum Glück ist unsereiner nicht schwindelfrei und durfte auf den Drahtseilakt über den Treffpunkt verzichten.

T wie Toilette: Gibts nirgends gratis am Bahnhof.

U wie Untergrund: Im Untergrund liegt die Zukunft des Bahnhofs – dank dem projektierten Tiefbahnhof.

V wie Veloparkplätze: Notorisch klamm sind sie um den Bahnhof. Ein immerwährendes Politikum.

W wie Wu-Shi-Krieger: Die Wu Shi berufen sich auf die Lehre der fernöstlichen Tai-Chi-Kampfkunst – und bieten jeden Freitagabend eine kostenlose Sicherheits-Eskorte für Frauen an.

X wie Xanten: Eine Reise von Bern in die deutsche Römer-, Dom- und Siegfriedstadt Xanten dauert 6 Stunden und 51 Minuten. Mit zwei- bis dreimaligem Umsteigen ist zu rechnen.

Y wie Perron Y: Wer dieses sucht, befindet sich am Bahnhof jedoch am falschen Ort – und fragt sich besser an den Casinoplatz durch.

Z wie Zeit: Ist notorisch knapp am Bahnhof – ausser man gibt sich der Zeitlosigkeit hin (siehe D).

Die Hauptstädter-Redaktion


Publiziert am 14. September 2012

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7 Kommentare

  1. Maja Müller says:

    E wie Loeb-Egge: Ist das ev. Ihr subjektiver Eindruck? Der Loeb-Egge ist nach wie vor DER Treffpunkt für alles und jeden. Von Kino-Abend bis SCB-Match. Auch für Stadtbewohner. Da man sich praktischerweise da trifft, wo Trams und Busse aus allen Ecken der Stadt zusammenkommen. So ist das, nämlich.

    • Maja Müller says:

      @René Machsiallei: Nicht alle der +/- 15’000 Zuschauer haben einen Schnauz 😉 Ich sage ja nicht es sind KEINE Aglos da. Sondern dass es nicht NUR solchene sind.

  2. Thomas M. says:

    T wie Toilette. Wer kann sich noch an das Gratis-Pissoir erinnern vor Urzeiten, d.h. 20 Jahren. Der grüüsigste Ort der Schweiz. Dann lieber zahlen. Der Vorteil des Kopfbahnhofes Zürich: Man kann ebenerdig in einen Zug einsteigen und dort gratis biseln. Vakuum-WCs sei Dank. Die meisten Züge stehen 10 Minuten und mehr dort. Kein Stress. Man sucht sich einfach einen geeigneten Zug aus.

    • Thomas M. says:

      Oops. Jetzt habe ich an zwei Orten gesagt, man soll Bern nicht immer mit Zürich vergleichen und mache es jetzt selber.

  3. Werner Hirzel says:

    zu G: Könnte auch für GEDECKTER Treppenaufgang stehen. Oder unter N für Nostalgie oder Neuengass-Treppenaufgang. Schade um dieses spezielle Gebilde und für das Geld für den neuen Wind- und Wetter- Aufgang. Oder gibt’s später einen Baldachin über alles?

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  1. Maja Müller says:

    E wie Loeb-Egge: Ist das ev. Ihr subjektiver Eindruck? Der Loeb-Egge ist nach wie vor DER Treffpunkt für alles und jeden. Von Kino-Abend bis SCB-Match. Auch für Stadtbewohner. Da man sich praktischerweise da trifft, wo Trams und Busse aus allen Ecken der Stadt zusammenkommen. So ist das, nämlich.

    • Maja Müller says:

      @René Machsiallei: Nicht alle der +/- 15’000 Zuschauer haben einen Schnauz 😉 Ich sage ja nicht es sind KEINE Aglos da. Sondern dass es nicht NUR solchene sind.

  2. Thomas M. says:

    T wie Toilette. Wer kann sich noch an das Gratis-Pissoir erinnern vor Urzeiten, d.h. 20 Jahren. Der grüüsigste Ort der Schweiz. Dann lieber zahlen. Der Vorteil des Kopfbahnhofes Zürich: Man kann ebenerdig in einen Zug einsteigen und dort gratis biseln. Vakuum-WCs sei Dank. Die meisten Züge stehen 10 Minuten und mehr dort. Kein Stress. Man sucht sich einfach einen geeigneten Zug aus.

    • Thomas M. says:

      Oops. Jetzt habe ich an zwei Orten gesagt, man soll Bern nicht immer mit Zürich vergleichen und mache es jetzt selber.

  3. Werner Hirzel says:

    zu G: Könnte auch für GEDECKTER Treppenaufgang stehen. Oder unter N für Nostalgie oder Neuengass-Treppenaufgang. Schade um dieses spezielle Gebilde und für das Geld für den neuen Wind- und Wetter- Aufgang. Oder gibt’s später einen Baldachin über alles?

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