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  • Der heimliche Grenzstein der Rail City: Der Aschenbecher zwischen Tibits und Sprüngli.

  • Eine weitere Grenzziehung in Form eines Aschenbechers findet sich beim Kurzzeitparking.

  • Das Gute am Bahnhofs-Vorplatz: Er lässt sich nicht so einfach unter eine Glasglocke stecken wie das historische Gemäuer im Untergrund. (Bild: Martin Erdmann)

  • Blick in die Vergangenheit: Die befreite Mauer – und der Pirelliboden.(Bild: Valérie Chételat)

Ruppiger Feierabend

Wo man rauchen darf, ist der Bahnhof zu Ende. Zumindest beinahe. Einer dieser Zwischenorte ist der Vorplatz zwischen Nobelconfiserie und Vegi-Restaurant. Ein Plädoyer für diesen Freiraum.

Der Raum zwischen dem Vegi-Kettenrestaurant Tibits und der jüngst eröffneten Sprüngli-Filiale zählt zu den lebendigsten des Berner Bahnhofs. Ab hier darf man wieder Rauchen – was für brennende Aschenbecher, regen Treffpunktverkehr und immer wieder Diskussionen über die zwar markierte, dennoch fliessende Grenzziehung zum Nichtraucherbereich sorgt.

Hier, am Aus- und Eingang der sogenannten Rail City, ist auch einer der vielleicht letzten Freiräume des Bahnhofs zu finden. Selbstverständlich: Auch dieser kann von chauvinistischen Kampagnen wie jüngst von der Waschbrettbauch-Waschmittelwerbung gekidnappt werden. Doch normalerweise sieht das am frühen Abend so aus: Arbeiter und GewerbeschülerInnen trinken ihre Dosenbiere, andere auch stärkere Alkoholika, Pendelnde eilen über den Fussgängerstreifen hin zum Baldachin, Wartende warten einfach – und an den Wochenenden bringt sich die Jugend in Form für das Leben in den Tanzhallen.

Unter der Woche herrscht hier Feierabendstimmung: keine flanierende, gemütliche und Apérol-Spritz-getränkte wie in der Altstadt, sondern eine deftige, ruppige und ungehobelte Stimmung, die man in Zeiten der durchreglementierten Rayons, in Zeiten, in denen die kleinsten Anzeichen von Exzentrik für Aufsehen sorgen, ehren muss.

Sozialer Brennpunkt? Ja, klar. Doch das waren Transitorte wie Bahnhöfe oder Häfen schon immer – und sie sollten es zumindest am Rand noch bleiben. Dreckig? Auch. Aber längst nicht so arg, wie all der Müll, den Müsterli-Verträger Tag für Tag hinterlassen.

Das Gute an diesem Platz: Er lässt sich kaum so einfach in eine Glasglocke reinzwängen wie der Stein in der Christoffelunterführung. Und das Beste: Wer Mühe hat mit diesem Ein- und Ausgang, hat andere Optionen zur Verfügung, um den Bahnhof zu betreten oder zu verlassen. Dieser Clash der Kulturen zwischen den teuersten und billigsten Kalorien, die es am Berner Bahnhof gibt, er muss bleiben.

Benedikt Sartorius

Benedikt Sartorius lebt seit dem Transfer aus dem Oberland in Bern und hat seit einiger Zeit Frieden mit der Stadt geschlossen. Eine gewisse Neigung zum Sandstein- und Laubenallergiker ist aber immer noch spürbar.


Publiziert am 13. September 2012

5 Kommentare

  1. Dominik says:

    Rauchen ist einfach asozial. Wer seinen Mitmenschen seinen selbstzerstörerischen Lebensstil aufzwingt und sie dadurch mitschädigt, gehört meiner Meinung nach in Zwangsentzug oder in den Knast.
    Mir ist unbegreiflich, dass so ein Mordprodukt überhaupt noch legal verkauft werden kann.

    • André Gallant says:

      Ich bin seit Geburt vor 51 Jahren Nichtraucher, habe (kumuliert) noch keine ganze Zigarette geraucht. Bisher hat mir noch kein Raucher seine “selbstzerstörerischen Lebensstil” aufgezwungen. @Dominik, jetzt mal Gemach, Gemach. Seit Wochen wollen uns die Taliban von der Lungenliga weismachen, dass man überall zum Passivraucher wird. Die Verbotsapostel übernehmen langsam das Land. Gemein ist nur, dass das Leben eben tödlich ist.

  2. Don Max says:

    Rauchen ist nicht asozial. Im Gegenteil kostet ein Raucher die Krankenkassen deutlich weniger (an Krebs sterben die meisten Nichtraucher auch, davor brauchen sie aber neue Hüftgelenke etc. welche die Raucher nicht mehr brauchen).
    Aber als Kettenraucher, ja: gäbe es Entzugsangebote wie für Alkoholiker oder Heroinabhängige, ich ginge sofort hin.

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  1. Dominik says:

    Rauchen ist einfach asozial. Wer seinen Mitmenschen seinen selbstzerstörerischen Lebensstil aufzwingt und sie dadurch mitschädigt, gehört meiner Meinung nach in Zwangsentzug oder in den Knast.
    Mir ist unbegreiflich, dass so ein Mordprodukt überhaupt noch legal verkauft werden kann.

    • André Gallant says:

      Ich bin seit Geburt vor 51 Jahren Nichtraucher, habe (kumuliert) noch keine ganze Zigarette geraucht. Bisher hat mir noch kein Raucher seine “selbstzerstörerischen Lebensstil” aufgezwungen. @Dominik, jetzt mal Gemach, Gemach. Seit Wochen wollen uns die Taliban von der Lungenliga weismachen, dass man überall zum Passivraucher wird. Die Verbotsapostel übernehmen langsam das Land. Gemein ist nur, dass das Leben eben tödlich ist.

  2. Don Max says:

    Rauchen ist nicht asozial. Im Gegenteil kostet ein Raucher die Krankenkassen deutlich weniger (an Krebs sterben die meisten Nichtraucher auch, davor brauchen sie aber neue Hüftgelenke etc. welche die Raucher nicht mehr brauchen).
    Aber als Kettenraucher, ja: gäbe es Entzugsangebote wie für Alkoholiker oder Heroinabhängige, ich ginge sofort hin.

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