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  • Traditionelle Stubete unter dem Baldachin.

  • Würden am «Tanz dich frei» wohl kaum auffallen: Trachtenträgerinnen.

  • In etwa so könnte der Habkern-Shake aussehen.

Tanz der Traditionen

Es wäre ein Volksfest geworden, das diesen Namen tatsächlich verdient hätte: «Tanz dich frei» und das Fest der Bernischen Trachtenvereinigung vereint. Letztere hat nun aber einen Rückzieher gemacht. Schade, denn die Anlässe hätten sich prima ergänzt.

So eine Fete hätte Bern noch nie gesehen: Stadt trifft auf Land, Jung auf Alt, Revolution auf Heimatliebe, Kapuzenpulli auf Trachtenrock, Schlachtrufe auf Naturjuchzer und Kontrabass auf Subwoofer. Leider wird es zumindest in diesem Jahr nicht so weit kommen. Denn die Freunde der Folklore haben sich zurückgezogen. Zugegeben, eine Mischung aus «Tanz dich frei» und dem Volkstanzfest der Bernischen Trachtenvereinigung wirkt auf den ersten Blick grotesk. Doch bei näherem Betrachten hätte das durchaus Sinn gemacht.

Safety first: Sicherheitsdirektor Reto Nause fürchtet die Gefahr im Untergrund. Damit sind nicht etwa autonome Demonstranten gemeint, sondern der löchrige Zustand der Stadt. Wegen Grossbaustellen am Bollwerk und in der Marktgasse würde es einige Gruben geben, in die hereingefallen werden könnte. Würde es tatsächlich so weit kommen, wäre Hilfe nahe: Erfahrungsgemäss sind an volkstümlichen Anlässen meistens ein paar versierte Bergsteiger dabei. Diese würden im Nu eine Seilschaft bilden und gefallene Tänzer aus ihren Löchern ziehen.

Im Gegenzug frischt die eher politische Fraktion der «Tanz dich frei»-Teilnehmer das vielleicht schon etwas angegraute Liedgut der Volkstümler auf. «Bella Ciao» zum Beispiel wäre bestimmt lüpfig genug, um an der nächsten Stubete gespielt zu werden. Der eher erlebnisorientierte Teil zeigt den Tanz-Traditionalisten supertrendige Moves, aus denen dann potenzielle Youtube-Phänomene wie der Habkern-Shake oder Gadmen-Style entstehen könnten.

Spätestens wenn sich die Fronten verbrüdert haben, werden gut gehütete Geheimnisse ausgetauscht. Subversive Kreise bekommen, in Hinsicht auf den nächsten Riot, heisse Tipps für den perfekten Hoselupf und den leidenschaftlichen Trachtennäherinnen wird verraten, wo es in Bern auch noch zu später Stunden guten Stoff zu kaufen gibt.

Martin Erdmann

Martin Erdmann


Publiziert am 1. März 2013